Twitter-Nutzerin wünscht sich Querdenker ins Lager & gesellschaftlich geächtet – wir haben mit ihr gesprochen

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Kaum war der Tweet (im Bild links) raus, kreiste er auch schon – mit Wutkommentaren belegt – in den sozialen Netzwerken. Kein Wunder: Was Margitta Heinecke, eine selbständige Geschäftsfrau aus Berlin, da getwittert hatte, barg Shitstorm-Potential.

Ihre Worte, die sie twitterte, lauteten:

„Querdenker gehören gesellschaftlich geächtet. Arbeitgeber sollten diese Leute nicht einstellen und Arbeitnehmer in die Registratur oder ins Lager schicken. wer uns alle gefährdet, gehört endlich abgestraft“

Die Verwendung des Wortes „Lager“ brachte erwartungsgemäß viele Leute auf die Palme. Liest man den Tweet flüchtig, kann man ihn schon mal mißverstehen. Doch unabhängig davon: Warum hat die Dame eine so harte Meinung in Sachen „Querdenker“?

Wir haben die Twitter-Nutzerin angerufen

Wir wollten das wissen und riefen Frau Heinecke an. Erwartungsgemäß ging der Anrufbeantworter ran. Also rasch eine Nachricht hinterlassen und abwarten. Und tatsächlich: Frau Heinecke mailt uns. Sachlich, freundlich, aufgeschlossen. Wir telefonieren einige Tage später und befragen die Businessfrau zu ihrer Einstellung in Sachen Corona und Querdenkern.

Frau Heinecke ist eine Frau der klaren Worte und so untermauert sie auch im Telefonat den Inhalt ihres Tweets. Die aktuellen „Querdenker“ sind für sie eine inakzeptable Minderheit, die mit ihren Aktionen andere in Corona-Gefahr bringen. Wir verweisen auf die „Black Live Matters“-Demos, die auch schon in der deutschen Corona-Phase mit Massen an Teilnehmern abgehalten wurden und erinnern daran, dass weder die BLM-Demos noch die Querdenker-Demos nennenswerte Masseninfektionen hervorbrachten.

Margitta Heinecke empört sich auch über die BLM-Aktivisten und würde derzeit das Demonstrationsrecht gerne für alle politischen Aktivisten gekappt sehen. Andersdenkende, so erzählt sie, akzeptiert sie wohl, den Kontakt zu AfD wählenden Bekannten hat sie allerdings abgebrochen. Auch Leute aus dem Querdenker-Kreis würde sie in ihrem persönlichen Umfeld nicht dulden.

Auf die Frage „Warum?“ erwidert sie, dass sie in ihrem reiferen Alter einfach keine Lust darauf hat, sich mit Menschen abzugeben, die so konträr zu ihrer eigenen Meinung denken. Politisch lehnt sie die extremen Linken genau so ab, wie die extremen Rechten. Früher war sie in Sachen Politik sehr engagiert, ging auf Anti-Atomkraft-Demos und ist bis heute eher liberal-konservativ orientiert. Das Kopftuch an öffentlichen Einrichtungen indes lehnt sie ab – Religion hat ihrer Meinung nach hier nichts zu suchen.

Niveau unter der Gürtellinie? Zum Glück nicht!

Es sind diese gegensätzlichen Aspekte, die das Telefonat interessant machen: Frau Heinecke ist durchaus eine sympathische Gesprächspartnerin, auch wenn man ihre Haltung teilweise befremdlich findet. Im Gegensatz zu anderen Leuten mit extremer Einstellung begibt sie sich allerdings ganz und gar nicht auf ein Niveau unter der Gürtellinie, wie man es in den sozialen Netzwerken heute überall findet, wenn verschiedene politische Einstellungen aufeinanderprallen.

So richtig zu tun haben will sie es aber eben mit Leuten, die politisch diametral anders denken als sie, auch nicht – wie gesagt. Hier steht Heineckes Haltung stellvertretend für die beiden politischen Lager im Land: Links und rechts (linksextrem und rechtsextrem sind nicht gemeint) stehen sich unversöhnlich gegenüber. Nicht nur in Sachen Corona. Die tiefe Spaltung nahm ihren Anfang ja schon 2015 – mit Merkels Asylpolitik. Wo das rechte Lager – zu Recht! – darauf verweist, dass viele Zugewanderte in Deutschland kriminell werden und auch nicht vor Terror und Mord zurückschrecken, sehen die meisten Linken darin nur „Einzelfälle“ und verweisen auf deutsche Kriminelle.

Kein Dialog unter politisch Andersdenkenden in Sicht

In der Coronakrise läuft es ähnlich: Es gibt jene, die das Virus für nicht gefährlicher als eine Grippe halten und jene, die am liebsten jeden in die eigenen vier Wände verbannen wollen, der sich der Maske verweigert.

Ein Dialog ist auf all diesen politischen Feldern nicht wirklich in Sicht – im Gegenteil: Gefühlt wird die Stimmung zwischen den verschiedenen politischen Lagern täglich aggressiver. Wohin das alles führt? Das weiß keiner. Auch Margitta Heinecke kann hier nur spekulieren. „Ein Bürgerkrieg vielleicht – irgendwann?“

Nun – eine Art digitaler Krieg unter den Leuten tobt jetzt schon. Nämlich in den sozialen Netzwerken. Nirgendwo zeigen sich die gegensätzlichen Meinungen linker und rechter Menschen offensichtlicher. Facebook, Twitter & Co. sind täglich aufs Neue Schauplätze für politische Schlammschlachten.

Apropos soziale Netzwerke: Margitta Heinecke berichtet von dem Shitstorm, der über sie hereinbrach, kaum dass sie den Tweet auf Twitter veröffentlicht hat. Von der negativen Google-Bewertung für ihr Unternehmen über extreme Beleidigungen und Morddrohungen bis hin zu Pöbeleien auf dem Anrufbeantworter war alles dabei. Das Telefon musste sie erst einmal eine Woche ausstöpseln. Selbst per Post schickte man ihr Briefe. Mit manchen Leuten nahm sie Kontakt auf und tauschte sich – so wie mit uns – aus. So zum Beispiel mit einer Frau aus Dresden, die regelmäßig zu Pegida geht.

Frau Heinecke twittert weiter – jetzt shitstorm-erfahren

Dresden kennt Margitta Heinecke gut. Ein paar Jahre hat sie beruflich dort zugebracht und in dieser Zeit die Elb-Metropole lieben gelernt. Zudem war sie lange Mitglied im dortigen Netzwerk „Querdenker United Dresden“. In dieser Initiative werden aktuell übrigens schon Stimmen laut, den Namen zu ändern – wegen den Querdenkern in Sachen Corona…

Und Frau Heinecke? Die twittert – nunmehr shitstorm-erfahren – weiter.

Auch mit einem ihrer aktuellen Tweets wird sie einmal mehr im digitalen Kreuzfeuer stehen. Unter anderem twitterte sie kürzlich nämlich folgendes:

„Ausgangssperre total führte in Vietnam zurück in die Normalität. Warum denken wir nicht mal darüber nach?“

Dass sie es genauso meint, wie sie sagt, macht sie auch im Telefonat klar: Eine begrenzte Ausgangssperre für ganz Europa wäre ihre Maßnahme, wenn das Corona-Management in ihren Händen liegen würde.

Bildnachweis: Screenshot Twitter-Account Margitta Heinecke

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Luzie, der Schrecken der Straße
Luzie, der Schrecken der Straße
5 Monate zuvor

Wovor unsere „Eliten“ mal wieder ganz fest die Augen verschließen ist, daß bei der „Querdenker Bewegung“, dutzende Polizisten, Feuerwehrler, Rettungsdienstler, Ärzte, Schwestern/Pfleger, Politiker (auch aus den Alt-„Parteien“), Gewerkschaftler, Firmenchefs und deren Mitarbeiter aus allen Branchen, Solo-Selbständige aus allen Branchen, Homosexuelle, Lesben, Transsexuelle, LINKE (SED Mitglieder und deren Wähler/Befürworter), Bergarbeiter und rechts Konservative bei ihren Demos vorhanden sind.
Doch WAS plärren die MSM, gepaart mit dem Staatsfunk und fast alle „Politiker“ der Alt-„Parteien“ heraus?
Die „Querdenker“ bestehen nur aus „Nazis“, „Reichsbürger“ und „Rechtsradikale“, die „höchst gefährlich“ für „unser Land“ wären.
WER und WAS ist denn wohl Die, Der, Das am gefährlichsten in diesem Land, wo Andere und Priviligierte stets gut und gerne lebten/leben???

Wo ist mein Eimer?

H.-J. Hofer
H.-J. Hofer
6 Monate zuvor

Das könnte sie ja auch persönlich praktizieren, eine Ausgangssperre für sich. Da würde ihr keiner reinreden.

Luzie, der Schrecken der Straße
Luzie, der Schrecken der Straße
5 Monate zuvor
Reply to  H.-J. Hofer

Die Einen wollen „Reiche“ abknallen und/oder in Arbeitslager stecken, die Anderen die „Querdenker“ verbieten, die immer mehr werden.
Soll sich doch diese „Businessfrau“ bis zum Verschwinden von „Covid 19“ samt allen Mutationen und bis jetzt bekannten, ein paar Tausend, verschiedenen Corona Viren einmauern und dabei straff die Maske tragen.
Das wird dann wohl das Sicherste sein.
https://www.de.wikipedia.org/wiki/Coronaviridae

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