Verhütungs-Apps – Vorsicht ist geboten!

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In der digitalen Welt gibt es ja nichts, was es nicht gibt – seit der Erfindung der Apps erst recht nicht!

Wetter, Blutdruck, gewalkte Schritte bei der morgendlichen Fitnessrunde, Kalorienverbrauch, Stoffwechsel & Co. – vor allem die Auswertung eigener körperlicher Daten erfreut sich großer Beliebtheit!

So verwundert es nicht, dass die kleinen digitalen Helfer auch für den Bereich der weiblichen Verhütung angeboten werden.

Was allerdings für weg gejoggten Bauchspeck oder die Anzahl gewalkter Schritte gilt – eine einfache Handhabung und Auswertung eigener Körperdaten – dürfte für den sensiblen Bereich der Empfängnisverhütung nach der NFP-Methode nicht ganz so zutreffen!

Mit der NFP-Methode (das steht für „natürliche Familienplanung“) wird an den wenigen fruchtbaren Tagen des weiblichen Zyklus verhütet, an unfruchtbaren Tagen ist das nicht nötig.

Der Zeitraum der Fruchtbarkeit ist durch eine penible Dokumentation der Periode und eine allmorgendliche Messung der Körpertemperatur ermittelbar.

Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte sagte dazu gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung:

„Die natürliche Verhütung basiert auf der Tatsache, dass sich die Körpertemperatur mit dem Eisprung um 0,2 bis 0,5 Grad erhöht und bis kurz vor der Menstruation erhöht bleibt.“

Auch der weibliche Zervixschleim kann zur Ermittlung der fruchbaren bzw. unfruchtbaren Tage herangezogen werden. Das Sekret, das von den Drüsen des Gebärmutterhalses ausgeschieden wird, sieht im Laufe des Zyklus unterschiedlich aus und lässt dadurch Rückschlüsse auf die Fruchtbarkeit zu.

Hier setzen Smartphone-Apps mit der Intention, den Überblick nicht zu verlieren an und offerieren auch eine Auswertung dieser Angaben.

Allerdings rät eine Sprecherin von ProFamilia dazu, genau hinzuschauen, bevor man sich derlei Helfer per App herunterlädt – Stichwort: Datenschutz, Anbieter, versteckte Kosten und so weiter und so fort!

Wichtig ist bei solchen Apps auch eine Übersicht über die verschiedenen Funktionen und die Angaben über die zugrundeliegende Messmethode.

Nach einem Bericht der Mitteldeutschen Zeitung gibt es mittlerweile einige populäre Verhütungs-Apps, nicht jedoch unabhängige, wissenschaftliche Studien zur Sicherheit selbiger!

Das sollte aufhorchen lassen! Vor allem wenn vollmundige Werbeversprechen – wie kürzlich bei der App Natural Cycles passiert – vorgeben, dass eine App sicher ist.

Die besagte App Natural Cycles hatte nämlich damit geworben, als erste Smartphone-App vom Tüv Süd als sicheres Verhütungsmittel zertifiziert worden zu sein, so die Mitteldeutsche Zeitung.

Allerdings ging es bei dieser Zertifizierung vom Tüv nur darum, dass die Anwendung den Anforderungen der europäischen Medizinproduktrichtlinie erfüllt. Ein Sprecher des Tüv`s erklärte zudem, dass seine Institution über die Sicherheit der Verhütungsmethode keine Angaben machen kann.

Das ist bereits ein erster Fallstrick – zudem lauern weitere Tücken!

So gibt der erwähnte Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte zu bedenken, dass die Höhe der Körpertemperatur – auf deren Messung es ja bei der natürlichen Verhütungsmethode ankommt – von vielen Faktoren abhängt und bringt die Erklärung dazu gleich mit ins Spiel: so spielen Infektionen, Stress, Alkohol, wenig Schlaf oder auch abendlicher Sport eine Rolle.

Somit kann keine zuverlässige Aussage darüber getroffen werden, ob die Temperaturerhöhung durch die Lebensbedingungen oder eben durch den Eisprung verursacht wurde. Ein nicht unerhebliches Risiko, wenn man (FRAU) nicht von einer unerwünschten Schwangerschaft überrascht werden möchte!

Frauen, die Verhütungs-Apps nutzen oder mit dem Gedanken spielen, diese digitalen Helfer unterstützend anzuwenden, sollten sich deshalb dieser Risiken unbedingt bewusst sein!

Nach wie vor gilt: an rund zehn bis achtzehn Tagen im Laufe des vierundzwanzig bis zweiunddreißig Tagen langen Zyklus kann eine Frau schwanger werden.

Am Einsatz eines Verhütungsmittels führt in dieser Zeit dann eben kein Weg vorbei!

Bildnachweis: www.pexels.com

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