Alex Winter – Okay, let’s play together.

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11WA_Alex_Great Stony DesertAlex Winter ist eben von einer Reise zurückgekommen und etwas brummig. Das ist bei dem Autor schon immer so, egal ob er nun zwei Monate unterwegs ist oder zwei Jahre. Nach Hause kommen bedeutet für ihn immer scharfer Reiseentzug. Der Autor ist in den Suburbs von Nord-Zürich aufgewachsen. Das klingt aber schlimmer als es war. Ein wohlbehütetes Elternhaus und keine Angst sich hin und wieder mit den Fäusten auf dem Schulhof Respekt zu verschaffen, sorgte alles in allem für eine schöne Kindheit. Seine ersten Worte waren: Steak. Ja, dieser Mann liebt das gutes Essen, dazu einen Wein Das klingt nach Genussmensch. Alex Winter ist verheiratet, lebt im kleinen, idyllischen Dorf Grüningen, im Zürcher Oberland und ist seit 28 Jahren glücklich verheiratet. Wichtig ist für Alex Winter Gesundheit, eine glückliche Beziehung, sich treu zu bleiben und dass er tun kann, was ihm Freude bereitet, „auch wenn ich dabei nicht reich werde.“ Seine Asche möchte der Autor – wie könnte es für einen Globetrotter auch anders sein – in irgendwo in der Wüste verstreut wissen. Auf die Palme treiben ihm grüne Kokosnüsse. Das Fruchtfleisch noch sahnig zart und die Milch prickelnd frisch. 😉

Viel Spaß beim Lesen des Interviews!

 11021531_1086488288033097_451348997188261340_oAK: Alex, keine Angst vor großen Tieren?

Nein. Bei der Frage muss ich gerade an eine Begegnung in der australischen Gibson Desert denken. Wir scheuchten eine Herde wilder Camels auf. Die Tiere stoben davon, bis auf eins. Das drehte sich um, sah mich erst eine Weile an und schaukelte dann gemächlich zu mir, um Tuchfühlung aufzunehmen. Ich weiß bis heute nicht, war es nur neugierig oder glaubte es seinen Seelenverwandten gefunden zu haben. 😉

AK: Deine Werke?

Die_Leiche_im_Wrack_-_1920x1080_Origina_PhotoShopl_edited-1_2_edited-1aCit pro vrazdu (Übersetzung ins Tschechische von „Ein Gespür für Mord“) Dubrovsky Verlag, Ein Gespür für Mord – Detective Daryl Simmons 1. Fall, bookshouse Verlag, überarbeitete Neuauflage, Die Toten von Moonlight Bay – Detective Daryl Simmons 2. Fall bookshouse Verlag, überarbeitete und erweiterte Neuauflage, Schwarzer Fluch – Detective Daryl Simmons 3. Fall. Bookshouse Verlag, überarbeitete und erweiterte Neuauflage, Mörderische Gier – Detective Daryl Simmons 4. Fall bookshouse Verlag, Die Leiche im Wrack – Detective Daryl Simmons 5. Fall bookshouse Verlag.                                              

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Thriller: Blinder Hass – Australien-Thriller, Bookshouse Verlag, Ein Gespür für Mord – Detective Daryl Simmons 1. Fall, Action Verlag, Hörbuch, Späte Rache – Detective Daryl Simmons 6. Fall

AK: Dein aktuelles Buch?

„Späte Rache“, der 6. Band meiner australischen Ethno-Krimireihe, Erscheinungsdatum: 14. August.

Klappentext:
Wie eine Sintflut brechen die Ausläufer eines Zyklons über das Outback-Nest Douberie herein und schneiden die im dünn besiedelten Südwesten Queenslands gelegene Ortschaft von der Umwelt ab. Die Zeit für Hilfe drängt, denn in Douberie treibt ein Kurdaitcha-Mann, ein ritueller Eingeborenen-Henker, sein Unwesen. Drei weiße Einwohner sind ihm bereits zum Opfer gefallen, doch das scheint erst der Anfang zu sein.

Kurz nachdem Detective Daryl Simmons in Douberie ankommt, geschieht ein weiterer Mord. Sowohl in der zerrütteten Aborigine-Gemeinschaft am Rande Douberies als auch unter den weißen Einwohnern stößt Daryl auf eine Reihe von Verdächtigen. Als Daryl Douberies düsterem Geheimnis auf die Spur kommt, zwingt ihn dies zu der schwierigsten und gleichzeitig schicksalhaftesten Entscheidung seines Lebens …

57_48SA. Trans-Australia-Railway-Track.Alex mit Kamel Knochen_bAK: Wie geht Du mit einer 1*-Sterne-Kritik um?

Bisher gab’s das glaube ich noch nicht. Ich müsste sie wohl erst lesen, bevor ich deine Frage beantworten kann. Aber nicht, dass Du jetzt auf die Idee kommst … (Ich sicher nicht. Das liegt mir fern.)

AK: Vermitteln Deine Romane Einblick in Deine Arbeit oder sind sie ein Spiel mit der Wirklichkeit?

Zu einem großen Teil sind sie ein Spiel mit der Wirklichkeit. Ich lege in meinen Romanen viel Wert auf Authentizität, sowohl was Handlungsorte, Menschen oder auch Flora und Fauna betrifft. Dabei fließen auch immer eigene Erfahrungen und Erlebnisse mit ein. Gelegentlich baue ich die Geschichten auch um ungelöste Rätsel der australischen Geschichte auf.

AK: Was macht Lust auf das große Abenteuer des Lebens?

Alles was Spaß und Freude bereitet. Ich sage immer: Das Leben ist eine Reise, die mit der Gewissheit enden sollte, dass man sie genossen hat.

AK: Schon mal selbst eine kleine Sünde begangen? Ich höre?

Ich gestehe: Ich bin ein Schokolade und Eiscreme Junkie. (Schöne Sünden 😉

95_Edith+Alex beim Camp_Norwegen

Alex Winter und seine Frau

AK: Warum schreibst Du Thriller/Kriminalromane?

Damit der düstere Begleiter in mir auch zu seinem Recht kommt. 😉 Und weil es mir immer wieder Spaß macht, mit den Abgründen der menschlichen Psyche zu jonglieren.

AK: Dein Plädoyer für den deutschlandweit längst totgesagten Begriff Multikulti?

Miteinander statt gegeneinander.

AK: Wird ein Ausländer einen andern Ausländer jemals wirklich verstehen, wenn die Seelen ihrer Kulturen sich gravierend unterscheiden?

Georg Danzer sagte einmal, keine Missgunst und keine Angst, keine Habgier und kein Neid und Gott statt Religion und dann ist Frieden. Ich glaube nicht, dass es so einfach ist. Aber von einem bin ich überzeigt: Eines der schlimmsten Übel auf dieser Welt ist nicht der Glaube, sondern die Religion.

AK: Für Heraklit ist der „Streit“ der Vater aller Dinge. Konfuzius lehrte Tugenden wie Liebe, Rechtschaffenheit, Gewissenhaftigkeit, Ehrlichkeit, Gegenseitigkeit und drei soziale Pflichten wie Loyalität, kindliche Pietät, Wahrung von Anstand und Sitte. Was glaubst Du, welche Formen der Orientierung brauchen wir heute?

Die Rückkehr zu Werten wie Toleranz, Offenheit, Bescheidenheit, Demut, Mitmenschlichkeit und das Abschwören von Idealen wären ein Anfang. Sind wir selber bereit von dem zu geben, was wir uns selber wünschen, vermehren sich diese Werte. Orientieren wir uns an Idealen, wird die Realität immer ein Trugbild sein und wir unzufrieden, gierig, egoistisch und die Welt ein immer größeres Chaos.

Hörbuch_Ein_Gespür_für_Mord-Daryl_Simmons_1.FallAK: Wie schätzt Du die terroristische Gefahr ein, die uns bedroht?

Ich denke, dass sie in den kommenden Jahren weiter zunehmen wird. Nicht mit Anschlägen im großen Stil wie damals am 11. November in New York, sondern eher im Kleinen, mit Schusswaffen. Der Einfluss auf uns und unsere Gesellschaft wird dadurch aber nicht geringer sein.

AK: Welche Illusion lässt Du Dir nicht nehmen?

Einmal einen Bestseller zu schreiben. (Du schaffst es!)

AK: Definition von Leidenschaft?

Ich schließe mich da Georg Wilhelm Friedrich Hegel an: „Nichts wirklich wichtiges ist je ohne Leidenschaft erreicht worden“.

AK: Schurke oder Edelmann?

Dann schon lieber Schurke. (Endlich mal ein Schurke. ;-))

AK: Ist Dein Leben eher ein Roman- oder ein Sachbuch?

Roman.

AK: Wie dürfen wir uns Deinen Schreibtisch vorstellen?

Wies beliebt. Einmal sauber aufgeräumt, mal das absolute Chaos, mal drinnen am Pult oder Esstisch, mal draußen auf der Terrasse oder unterwegs auf Reisen unter einem Baum, auf einer Sanddüne oder an einem Strand.

BüroAK: Wo auf Deinem Schreibtisch liegen die Büroklammern?

Meine Büroklammern … Verflixt, wo sind die Dinger jetzt schon wieder?

AK: Beste Schreibzeit: Highnoon oder Mitternacht?

Jederzeit, nur nicht nachts. Bei mir ist es nämlich so, dass sich im Halbschlaf die Probleme, die sich während des Tages beim Schreiben ergeben, wie von selbst lösen.

AK: Dein Mittel gegen die berühmte 17-Uhr-Müdigkeit?

Die kenne ich nicht. Ist das das deutsche Pendant zur britischen tea time?

AK: Entwickelt sich das Autorendasein zum Showgeschäft oder war das schon immer so? Wie geht man damit um?

Ein Bisschen „Show“ gehörte schon immer dazu. Doch die Waagschale kippt immer mehr auf die Show-Seite. In der heutigen Welt zählt Schein mehr als Sein, das ist ungesund. Deshalb finde ich, ist es wichtig, sich selbst zu sein, egal ob man beim Bäcker seine Brötchen kauft oder vor fünfzig fremden Menschen auf der Bühne steht.

AK: Was glaubst Du, wie sieht es denn nun wirklich in den Köpfen der Verlagsspitzen aus?

Wenn ich das wüsste … Dann würde ich mich vermutlich nicht gerade nach einem neuen Verlag umsehen.

AK: Heute werden Lesungen inszeniert. Würdest Du auf einer Lesung im Kampfanzug oder Dienstkleidung erscheinen?

Weder im einen noch im anderen. Erstens bin ich Pazifist und zweitens habe ich in meinem ganzen Leben noch nie einen Anzug oder eine Krawatte getragen. – Ich käme so wie ich Lust hätte oder mich gerade fühle.

AK: Verliert der Schriftsteller nicht seine Balance zwischen den zahlreichen Verlagsanforderungen und der Wahrung einer stabilen Autorenidentität, wenn er den Clown mimt?

Sicher. Außer er ist einer.

71SA.Rep.Landcruiser_Nullarbor.WAAK: Peinlich oder Erfahrungen sammeln?

Erfahrungen. Auch wenn manche sich danach als ziemlich peinlich herausstellen.

AK: Was darf ein Autor unbedingt nicht können?

Echt jetzt? Wir sollen was nicht dürfen? Ich bin schockiert …

AK: Dein allererstes Buch? Hat es Dir gefallen?

Soweit zurück reicht meine Erinnerung leider nicht. Aber es hat mich immerhin nicht abgehalten weiter zu lesen und selber zu schreiben.

AK: Gott oder Teufel?

Lieber BBQ’s als Harfenklänge. Außerdem habe ich’s am liebsten schön warm. (Wir sehen uns dort!)

AK: Schicksal oder Bestimmung?

Beides. Die einen Dinge bestimmen wir selber, die anderen werden vom Schicksal entschieden.

25_35WA. Kimberley. Mitchell Falls+Selbstauslöser_aAK: Die beste Entscheidung Deines Lebens?

Dass ich damals den Mut hatte meine Frau anzusprechen und das erste Date nicht gleich vermasselt habe.

AK: Wann wurdest Du das letzte Mal hinterhältig reingelegt?

Eben erst, als ich gemerkt habe, dass dies keins der üblichen Interviews wird.

AK: Wann angenehm überrascht?

Nach deinen ersten Fragen.

AK: Stimmst Du zu, dass Männer insgesamt – seitdem der Durchschnittsmann in Europa vor dem Zubettgehen eine Gesichtscreme aufträgt – heute wesentlich besser aussehen als noch vor zehn Jahren?

Gesichtscreme für Männer? Langsam glaube ich die Jungs von heute sind die Frauen von morgen. Persönlich finde ich dieses von der Nasenspitze bis zu den Zehennägeln blank rasierte männliche Schönheitsideal so spannend wie eine Scheibe Toastbrot. Frage: Was ist aus der guten alten Brustbehaarung Marke Gorilla geworden, die die Frauen früher so gern kraulten?

AK: Wie findest Du E-Books?

Unpersönlich. Ich lese lieber Prints, kann jedoch gut nachvollziehen wenn man als Leser auf E-Books umsteigt.

AK: Welche Bücher befinden sich gerade auf Deinem Nachttisch?

Gilt auch auf dem Boden neben dem Bett? „Gefühle lesen“, von Paul Ekman.

_Alex_Winter_-_Aktion_cAK: Wie riechen Bücher?

Wie ein schwerer Wein, nach langem Genuss und nach immer noch einem Schluck mehr.

AK: Welches Buch ist schon mal gegen die Wand geflogen?

Keins. Aber während einer 1½ jährigen Reise steckte mir mal der für meinen Buchnachschub verantwortliche Witzbold das Taschenbuch einer erfolgreichen deutschen Gegenwarts-Autorin ins Paket. Nach 45 Seiten heldenhaften Kampfes strich ich schließlich die Fahnen. Ich darf gar nicht sagen, was ich danach mit dem Buch machte … Meinem Freund schrieb ich übrigens später, auch Spaß habe seine Grenzen.

AK: Dein Hobby?

Reisen, Poolbillard

AK: Musik beim Schreiben?

Wenn möglich, ja.

AK: Essen oder Trinken zur Lektüre?

Beim Schreiben steht immer ein Thermoskanne Grüntee neben dem Laptop. Beim entspannten Lesen ein Glas Wein.

15a_28WA.Thunder Bay.Alex am Austern futternAK: Sekt oder Selters?

Sekt. Noch lieber Rotwein. Whisky ist auch nicht schlecht. Grappa macht ebenfalls Freude. Gegen Brandy ist auch nix einzuwenden. Danach vielleicht ein Alka Seltzer …

AK: Currywurst oder Austern?

Auuustern!!! Am besten selbst geerntet.

AK: Gibt es einen Klassiker, der Dich völlig kalt gelassen hat?

Jetzt setz ich mich vermutlich gleich in die Nesseln. Die Bibel, wenn ich die dazuzählen darf … Als evolutionärer Humanist ist meine Weltanschauung doch eine etwas andere.

AK: Lieblingsname aus einem Deiner Romane?

Das ändert immer mal wieder. Im Moment ist es Mingarabinghi, was soviel wie >Guter Geist, der die Wolken kontrolliert˂ bedeutet. Es ist der Name eines alten Aborigine aus meinem neusten Australienkrimi.

AK: Deine Lieblingsautoren?

Arthur W. Upfield, James Michener, John Sandford, Bruce Chatwin … Liste unvollständig.

AK: Gibt es ein gutes Lesen im schlechten Leben?

Ich denke schon. Mir haben Bücher jedenfalls schon über schlechte Zeiten hinweggeholfen.

Mörderische Gier_Cover_FrontAK: Führt gutes Lesen automatisch zu einem besseren Leben?

Nicht zwingend. Aber sicher zu einem spannenderem.

AK: Worüber könntest Du locker eine Nacht mit einer Flasche Rotwein am Kamin sitzend, diskutieren? Wie wär’s mit einem Beispiel?

Lediglich mit einer Flasche? Na gut. Australien zum Beispiel. Oder warum wir verflixt noch mal nur eine Flasche Wein haben.

AK: Jetzt aber! Ist Facebook eher männlich oder weiblich?

Langsam ist mir klar warum Du nur eine Flasche Wein für das Gespräch am Kamin hast springen lassen … Ich sag mal diplomatisch 50:50.

AK: Alternative zum Kriminalroman: Liebesgeflüster oder Kinderbuch?

Sachbuch hast Du vergessen.

AK: Wann gibt es etwas Neues aus Deiner Feder?

Am 14. August 2015, „Späte Rache“, den 6. Band meiner Daryl Simmons Australienkrimi-Reihe.

AK: Magst Du Abschiede?

Kommt drauf an. Von Fußpilz ja, Heimkehr von einer Reise, nein.

AK: Welche Vorsätze hast Du für 2015?

Keine. Wenn ich etwas ändern möchte, dann ist der Zeitpunkt dieser Erkenntnis genau der richtige.

AK: Was würdest du deinen Lesern gerne einmal sagen?

Alex hat euch lieb. 😉  (Wir Dich auch!)

 Mehr über den Autor. Facebook und Webseite Alex Winter

Das Interview führte Astrid Korten.

 

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