Alleinerziehend? Wie Frau trotzdem finanziell unabhängig bleibt

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Mutter und Kind fröhlich

Mutter und Kind

Geplant war das wohl in den wenigsten Fällen. Dennoch sind in Deutschland rund 2,6 Millionen Elternteile alleinerziehend, davon 2,2 Millionen Frauen. Sei es aufgrund einer Trennung beziehungsweise Scheidung, einer ungeplanten Schwangerschaft, der Nichtanerkennung der Vaterschaft oder eines Todesfalls – es kann viele Ursachen geben, weshalb Mütter plötzlich mit einem oder mehreren Kindern alleine dastehen. Die Erziehung selbst ist in solchen Fällen oft noch die geringste Sorge. Stattdessen sind es nicht selten die Finanzen, welche alleinerziehenden Müttern schlaflose Nächte bereiten. Wir haben uns deshalb gefragt, wie die betroffenen Frauen dennoch finanziell unabhängig bleiben können.

Trotz Rechtsanspruch: Kita-Plätze sind Mangelware 

Für viele Menschen würde die Antwort auf der Hand liegen: Die Frau soll eben arbeiten gehen – in Teilzeit beispielsweise oder mithilfe einer ganztägigen Kinderbetreuung. Ganz so einfach gestaltet sich dieses Vorhaben in der Praxis aber leider nicht. Einerseits möchten viele Mütter für ihre Kinder da sein und diese nicht mehrere Stunden oder sogar den ganzen Tag zu Fremden in Betreuung geben. Doch selbst, wenn sie dazu bereit wären, fehlt es vielerorts an Kita-Plätzen. Der Rechtsanspruch auf einen solchen Betreuungsplatz sieht auf dem Papier zwar schön aus. Dennoch warten zahlreiche Eltern nach wie vor vergeblich auf einen freien Platz.

Von wegen Kind und Karriere 

Und auch, wenn die Kinderbetreuung gesichert ist, weil beispielsweise die Großeltern einspringen, bedeutet das noch lange nicht, dass alleinerziehende Mütter „einfach“ arbeiten gehen können. Sie haben im Berufsleben mit einer Menge Vorurteilen zu kämpfen – das beginnt bereits bei den Bewerbungen. Die Arbeitgeber fürchten beispielsweise einen häufigen Ausfall, weil vielleicht das Kind krank ist oder der Kindergarten wegen Kopfläusen geschlossen wird. Weiterhin könnte die Alleinerziehende ja gestresst und mit den Gedanken stets woanders sein. Arbeitgeber befürchten zu wenig Flexibilität sowie die fehlende Bereitschaft zu Überstunden. Obwohl solche Vorurteile auf dem Papier verboten sind, lassen sie sich aus den Köpfen der Personaler sowie Entscheider nicht einfach streichen.

Dass Kind und Karriere in Deutschland gut vereinbar seien, ist also ein Mythos. Das gilt für alle Frauen, aber natürlich besonders für Alleinerziehende, welche keine Unterstützung durch einen Partner erfahren. Teilzeitstellen sind rar und wer dennoch eine ergattert, kann damit in der Regel nicht in der Hierarchie aufsteigen. Es gilt also, sich dauerhaft mit einem mittelmäßigen bis schlechten Lohn abzufinden und sich von sämtlichen Hoffnungen auf eine Karriere zu verabschieden. Frauen müssen sich im Regelfall nach wie vor entscheiden, ob sie ein Kind oder beruflichen Erfolg möchten. Ausnahmen bleiben Ausnahmen.

Mehrfachbelastung wird zum gesundheitlichen Risiko 

Wer sich hingegen für die Vollzeitstelle und damit die Option auf einen hierarchischen Aufstieg entscheidet, muss dennoch am Morgen sowie Abend die Mutter spielen, sobald die Kinder schlafen den Haushalt schmeißen, bei der Arbeit Höchstleistungen vollbringen und nebenbei vielleicht auch noch Angehörige pflegen. Viele Frauen in Deutschland sind Tag für Tag einer solchen Mehrfachbelastung ausgesetzt. Nicht nur dort, wo der Partner als Entlastung fehlt, endet diese häufig in einem Burnout-Syndrom oder einer anderen stressbedingten Erkrankung. Das erklärt, weshalb so viele alleinerziehende Mütter nicht, nur in Teilzeit oder in einem Minijob arbeiten. Doch der geringe Verdienst hat neben den akuten Sorgen noch einen weiteren Haken: Die Gefahr namens Altersarmut.

Welche Unterhaltsansprüche hat eine alleinerziehende Mutter? 

Wer Glück hat, erhält wenigstens finanzielle Unterstützung durch den Vater des Kindes. Prinzipiell hat das nicht betreuende Elternteil nämlich die Pflicht, im Rahmen seiner Möglichkeiten finanzielle Mittel für die Pflege sowie Erziehung des Kindes aufzubringen. In den ersten drei Jahren nach der Geburt handelt es sich dabei um den sogenannten Betreuungsunterhalt. Dafür ist nicht entscheidend, ob das Paar verheiratet war oder nicht, sondern lediglich die Vaterschaft. Innerhalb dieser drei Jahre hat die Mutter noch keine Pflicht, selbst einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Sie benötigt somit einen Basisunterhalt. Jedoch können oder wollen diesen bekanntlich nicht alle Väter zahlen. In manchen Fällen ist er auch schlichtweg zu niedrig. Vielleicht hat der Mann sich ins Ausland abgesetzt oder Privatinsolvenz angemeldet – es gibt jedenfalls viele mögliche Gründe, weshalb alleinerziehende Mütter in diesen drei Jahren finanziell doch (teilweise) auf sich alleine gestellt sind. Ansonsten haben sie auch nicht unbedingt Glück, denn sie werden sie dadurch von dem Mann abhängig. Ein Zustand, den viele Frauen vermeiden möchten und sollten. Denn Abhängigkeit ist bekanntlich stets ein Risiko.

Nach dem dritten Geburtstag endet zwar der prinzipielle Betreuungsunterhalt und die Mutter muss selbst wieder eine Beschäftigung aufnehmen. Dennoch kann der Unterhaltsanspruch im Einzelfall verlängert werden. Begründet werden kann diese Entscheidung zum Beispiel durch eine Behinderung des Kindes oder eben, wenn kein Betreuungsplatz zur Verfügung steht. Weiterhin kann  ein eingeschränkter Betreuungsunterhalt fällig werden, wenn die Frau erst einmal nur einer Teilzeitarbeit nachkommen kann oder aufgrund der sogenannten „nachehelichen Solidarität“.

Alleinerziehende leben prinzipiell von Staatsgeldern…

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Für Alleinerziehende ist Unterhalt ein Muss

…beklagen sich viele Deutsche, welche ihre Steuergelder dadurch als verschwendet betrachten. Das ist allerdings nicht wahr. Wie soeben erläutert, leben die meisten Alleinerziehenden in den ersten drei Jahren nach der Geburt in erster Linie vom Kindergeld, Elterngeld sowie Betreuungsunterhalt. Erstere erhalten sie jedoch in derselben Höhe wie jede andere deutsche Familie auch. Eine Bevorzugung findet also nicht statt. Im Gegenteil, werden Alleinerziehende durch den Gesetzgeber zunehmend unter Druck gesetzt. Der Anspruch, eine Mutter müsse ab dem vierten Lebensjahr ihres Kindes wieder in Vollzeit arbeiten können, ist nur in den wenigsten Fällen umsetzbar. Wo das Geld nicht reicht, bleibt den Betroffenen oft nur noch die Beantragung von Wohngeld oder sogar Sozialhilfe. Das möchten aber die meisten Mütter unbedingt verhindern. Nur: Wie sehen die Alternativen aus?

Wege aus der finanziellen Abhängigkeit 

Finanzielle Unabhängigkeit ist häufig das Ziel der Frauen in Deutschland. Der Emanzipation sei Dank, geben diese sich längst nicht mehr mit ihrem Schicksal als Hausfrau und (Single-) Mutter zufrieden. Dennoch ist dieses Ziel leider nicht immer einfach umzusetzen. Wege, um finanziell unabhängig oder zumindest unabhängiger zu werden, gibt es dennoch.

Einerseits können Alleinerziehende verschiedene rechtliche Möglichkeiten wie Steuervorteile ausschöpfen. Eventuell ist es hierfür sinnvoll, sich von einem erfahrenen Steuerberater beraten zu lassen. Andererseits stehen folgende Optionen zur Verfügung: 

  • Kind und Karriere zu schaukeln ist zwar schwierig, jedoch vor allem für Frauen mit gutem Abschluss durchaus einen Versuch wert. Stichwort: Fachkräftemangel. Fehlt es an Möglichkeiten zur Kinderbetreuung, lassen sich vielleicht Regelungen wie die Arbeit im Homeoffice aushandeln oder Alternativen wie die Betreuung durch eine Tagesmutter finden. Zudem bieten einige Unternehmen eine interne Kinderbetreuung an. Etwas Recherche vorab lohnt sich also!
  • Reich wird man bekanntlich nicht durch die Einnahmen, sondern durch die Ausgaben, die man vermeidet. Es ist daher sinnvoll, dass Alleinerziehende ein Haushaltsbuch führen und ihren Konsum so weit wie möglich einschränken. Das bedeutet zwar den Verzicht auf den einen oder anderen Luxus, dafür aber das unbeschreibliche Gefühl der Unabhängigkeit.
  • Hilft das alles nichts, kann auch ein Kredit in Frage kommen, um einen finanziellen Engpass zu überbrücken. Dank dem Internet gibt es Online-Kredite mittlerweile spielend leicht sowie quasi ohne Wartezeit. Dennoch sollten Alleinerziehende das Vorhaben gut durchrechnen, um keine Schuldenfalle zu riskieren. Zudem gilt es, sich vorher sorgfältig über den Anbieter sowie das Angebot im Detail zu informieren, beispielsweise in speziellen Foren.

Niemand hat behauptet, dass finanzielle Unabhängigkeit für alleinerziehende Mütter ein leichtes Vorhaben ist. Dennoch kann sie ein ganz neues Lebensgefühl schenken und ist vor allem dann ratsam, wenn das Verhältnis zum Kindsvater nicht mehr allzu gut ist. Zudem sind viele Alleinerziehende auch schlichtweg zu stolz, um auf das Geld anderer angewiesen zu sein, und möchten ihr Leben nicht nur mit der Kindererziehung oder dem Haushalt verbringen. Wer ganz mutig ist, macht sich in der Elternzeit vielleicht sogar nebenbei selbstständig. Mit etwas Kreativität ist vieles möglich – ganz gemäß dem Motto „Nichts muss, aber alles kann“!

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Bild 2: fotolia.com nmann77 #89169910

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