Altersarmut – alles halb so wild?

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Arme Rentner in Deutschland sind unablässig ein Thema. Vor allem in den sozialen Netzwerken kursieren diverse Beispiele über finanziell schwache Senioren, Hilfsvereine jedweder Couleur wissen außerdem ein Lied über die Altersarmut landauf-landab zu singen und lancieren das auch.

Natürlich ist längst nicht jeder Rentner arm, im Gegenteil: es gibt durchaus zigtausende gutsituierte alte Herrschaften, die das klassische Programm für die reiferen Jahre – sprich: Kreuzfahrten, Ausflüge, eine komfortable Wohnung oder gar das Residieren in einer sehr guten Altersresidenz – fahren können.

Diese Rentner gibt es sowohl in Ost (hier allerdings eher sehr viel weniger) als auch in West (hier viel mehr), so wie auch die Altersarmut nicht nur einer Region Deutschlands zugeordnet werden kann – sie ist deutschlandweit präsent. Leider.

Umso irritierender wirkt der Online-Artikel der Süddeutschen Zeitung vom 9. Juli 2018, der von der Verfasserin, Henrike Roßbach, wie folgt übertitelt ist:

„Warum die Furcht vor Altersarmut übertrieben ist“.  

Eine ziemlich gewagte Überschrift, die einen Vorgeschmack gibt auf den doch ziemlich kruden Artikel, der das Problem der Altersarmut mehr als klein redet.

Hier ein Auszug aus sueddeutsche.de:

„Bei der Rente herrscht keine Scheu vor großen Zahlen. Das liegt auch am Schreckgespenst Altersarmut. Dagegen etwas zu unternehmen, scheint großformatiges Handeln nicht nur zu rechtfertigen, sondern zwingend notwendig zu machen. Aber spukt es wirklich im Rentensystem? 

„Mit der Wirklichkeit hat das nichts zu tun“, sagt Bernd Raffelhüschen. „Altersarmut ist derzeit ein zu vernachlässigendes Problem in Deutschland.“ Raffelhüschen ist Professor an der Universität Freiburg und Finanzwissenschaftler; mit Zahlen kennt er sich generell aus, mit der Rente im Besonderen. „Es gibt keine Altersgruppe in Deutschland, die so wenig von Armut bedroht ist, wie die Rentner“, sagt er. Raffelhüschen spricht von Panikmache und Populismus und davon, dass man sich eher um die Armutsgefährdung von Kindern kümmern solle. Die nämlich sei fünfmal so hoch wie die der Rentner.(…) 

Auch die Deutsche Rentenversicherung versuchte vergangene Woche, die Rentenpanik zu dämpfen. Altersarmut sei zwar „eine populäre Erzählung“, sagte Brigitte Loose, Leiterin des Forschungsnetzwerks Alterssicherung, auf einer Veranstaltung in Berlin. „Vollkommen überzogene Altersarmutsängste sind aber keine gute Basis für eine Debatte über die Alterssicherung.“

 „Panikmache und Populismus“ – selbst in so einer ernsten Debatte scheut man sich offenbar nicht davor, den Leuten, die die Dinge beim Namen nennen, Populismus zu unterstellen. Kurz gesagt ist Populismus ja eigentlich Volkes Stimme, aber was zählt die schon im Land der selbsternannten Experten?

Apropos Experten: dass wirkliche Experten die Sache mit der Altersarmut ganz anders sehen, verwundert nicht.

Vor einiger Zeit haben wir über einen Talk mit dem Armutsexperten Professor Dr. Stefan Sell berichtet.

Sell, der Sozialwissenschaftler und Armutsforscher ist, weiß, wovon er spricht und im Gegensatz zu anderen, eher fragwürdigen, Menschen, die als „Experte“ daherreden, kommt Sell absolut glaubwürdig rüber. Und er spricht die Wahrheit aus. Die da nämlich lautet, dass uns die Altersarmut „bald um die Ohren fliegen wird“.

Dass sie das wird, dürfte jedem normal denkenden Menschen klar sein. Zudem ist die Altersarmut längst schon da, ganz gleich, ob es parallel dazu gutsituierte Rentner gibt.

Auf Zeit.de wurde am 12. Juli 2018 folgende Information veröffentlicht:

„Etwa 8,6 Millionen Rentner erhielten Ende 2016 eine Altersrente von weniger als 800 Euro monatlich.“

Dass der angebliche Experte Bernd Raffelhüschen vor diesem Hintergrund die Altersarmut als ein „zu vernachlässigendes Problem in Deutschland“ sieht, ist eine realitätsferne und auch skandalöse Einschätzung.

Denn jeder altersarme Rentner ist einer zuviel und natürlich ist es mehr als menschenunwürdig, wenn Leute, die Jahrzehnte lang gearbeitet und außerdem noch Kinder großgezogen haben, von ein paar Hundert Euro Rente leben müssen.

Und: man mag sich gar nicht vorstellen, was in Sachen Rente auf Kinder, die jetzt noch im Kindergarten- oder Grundschulalter sind, einmal zukommt. Es kann einem Angst und Bange werden, wenn man sieht, wie die derzeitigen Altparteien Fremde aus aller Welt millionenfach in Deutschland aufnehmen und rundumversorgen, ohne dass die meisten dieser Menschen bislang nur einen Cent für unser Land erbracht oder gar einen Anspruch auf diese Leistungen haben.

Und die Mär von den Facharbeitern oder Atomphysikern, die aus Arabien und Afrika zu uns kommen…nun ja…lassen wir das!

Fakt ist: wird die desaströse Politik der letzten Jahre, die die derzeitigen Politiker zu verantworten haben, nicht umgehend durch frischere und fähigere Politiker korrigiert, kann es sein, dass nachfolgende Generationen das Wort Rente irgendwann nur aus Erzählungen älterer Familienmitglieder kennen und es für diese Menschen in vielen – nicht mal allzu fernen – Jahren in Sachen staatlicher Altersvorsorge ganz, ganz düster aussieht.

Auf Artikel mit Überschriften wie „Warum die Furcht vor Altersarmut übertrieben ist“ werden die betroffenen Menschen später wohl einmal so entsetzt schauen, wie wir heute auf Beiträge aus Zeitungen, die in ganz, ganz düsteren Zeiten erschienen sind.

Insofern beenden wir diesen Beitrag mit einem Zitat von Peter Scholl-Latour, dem nichts, aber gar nichts, hinzuzufügen ist:

„Wer halb Kalkutta aufnimmt, hilft nicht etwa Kalkutta, sondern wird selbst zu Kalkutta!“

Bildnachweis: pexels.com

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