„Das Digitale war in Kenia eine Revolution!“

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startbild_nico_josephNico Haupt (im Bild rechts), der als Mentalist auf den Bühnen dieser Welt Gedanken liest, hat uns bereits schon einmal Frage und Antwort gestanden.

Mittlerweile ist seine Karriere steil ins Laufen gekommen und er orientiert sich international. In Kenia plant der Magier den Start ins TV-Geschäft. Joseph Muita (links im Bild), der aus Kenia stammt und mittlerweile als Produzent in Berlin tätig ist, ebnet ihm dafür den Weg und ist als Projektpartner mit im Boot.

Die beiden haben Spannendes vor und für ihr Projekt zudem eine Crowdfunding-Kampagne gestartet – im Interview beantworteten uns beide dazu einige Fragen.

FP: Nico – wie läuft es mit dem „Gedanken lesen“?

NH: Es läuft gut. Ich komme gerade von der Aida zurück. Hatte da ein paar Shows. Und nun geht die Weihnachtssaison los. Viel Arbeit – aber auch viel Spaß!

FP: Aktuell streckst Du Deine Fühler international aus – richtig weit sogar. Du planst eine Fernseh-Show in Kenia, erzähle doch mal etwas darüber!

NH: Ja, es klingt verrückt, ist aber tatsächlich real. Mit einem befreundeten Produzenten, begleitet von einem professionellen Team, werde ich in Kenia sogenannte „Street Magic“ machen, diese Szenen mit der Kamera festhalten und daraus eine Sendereihe produzieren!

Wir werden wichtige touristische Punkte besuchen und dort mit den Leuten, völlig spontan und ohne doppelten Boden Zauberkunst und Gedankenlesen machen. Dabei ist es mir wichtig, die Orte und die Menschen mit einzubeziehen. Zum Beispiel werde ich versuchen, bei den großen Wasserfällen das Wasser von unten nach oben fallen zu lassen oder am Äquator die Corioliskraft wie von Zauberhand zu verdrehen.

Ich glaube, da sind ein paar wirklich spannende Szenen möglich.

FP: Warst Du schon einmal in Kenia?

NH: Nein! Ich habe erst vor zwei Wochen das erste Mal afrikanisches Territorium betreten, auf den Kapverden. Ich freue mich aber riesig darauf und hoffe, dass ich den Eindruck und die Faszination am Neuen während der Dreharbeiten behalte und diese sich über die Kamera transportiert.

FP: Joseph – Du bist der Produzent des Ganzen – wie entstand der Kontakt zu Nico?

JM: Über meine Frau, Babett, die ja auch am Projekt beteiligt ist. Ihre beste Freundin ist sehr gut mit Nico befreundet. Also haben wir uns vor ein paar Jahren eher zufällig am Küchentisch von besagter Freundin getroffen… Und dann kam auch schon ziemlich schnell die Idee zu dem Projekt auf.

FP: Welchem Genre widmest Du Dich als Produzent?

JM: Grundsätzlich bin ich da offen. Was mir aber immer gefällt, ist, wenn bei meinen Projekten die Zwischentöne spürbar sind. Das, was schwer zu beschreiben ist, visuell zu transportieren.

Meist sind es doch die kleinen, sogenannten einfachen Dinge, die unser Leben bereichern. Und das heraus zu kitzeln, das interessiert mich.

FP: Wie muss man sich das kulturelle Leben in Kenia vorstellen. Wird dem Digitalen viel Aufmerksamkeit gewidmet?

JM: Das kulturelle Leben in Kenia ist unglaublich vielfältig. Kenia ist viel mehr als das, woran Sie und auch vielleicht die Leser sofort denken: Safaris, tolle Tierwelt, Maasai und das alles.

In Kenia gibt es 42 verschiedene Stämme, die alle ihre eigenen unterschiedlichen Traditionen haben. Je nachdem, welchen Teil Kenias man besucht, spürt man die Unterschiedlichkeit der verschiedenen Lebensweisen auch.

In Nairobi aber ist sind zum Beispiel alle vertreten. Und daraus entwickelt sich eine unglaubliche Mischung. So in der Sprache: In Kenia ist zwar Swahili die Landessprache, aber jeder Stamm hat eine eigene Stammessprache.

Über die letzten Jahre hat sich in Nairobi das sogenannte Sheng entwickelt, eine Art Jugendsprache, die aus allen möglichen Sprachen und (auch rückwärts gesprochenem) Swahili entstanden ist. Das wird schwer für Nico!

Es gibt aber auch eine unglaublich vitale Kulturszene: Musik, Theater, Performances, das alles natürlich nicht staatlich finanziert… Die Kenianer müssen in ihrem Alltag kreativ sein und sind es daher vielleicht umso mehr auch im Kulturellen.

Die Frage, ob dem Digitalen viel Aufmerksamkeit gewidmet wird, möchte ich mit folgendem Beispiel beantworten: Kenia war das erste Land weltweit, in dem man Geld per SMS verschicken konnte.

Wer’s nicht glaubt kann es nachrecherchieren – das Ganze heißt M-Pesa und funktioniert über die vielen kleinen Kioske, die es in jedem Dorf gibt. Dort kann man Geld einzahlen oder Guthaben aufladen oder es eben auch abholen. Als M-Pesa eingeführt wurde, wurde es zuerst misstrauisch beäugt.

Doch als die Leute gesehen haben, dass es funktioniert, gab es kein Zurück mehr.

Die Infrastruktur in Kenia ist nicht vergleichbar mit der in Deutschland, wo in jedes Dorf eine befestigte Straße führt und alle haben Strom und fließend Wasser und an jeder Ecke steht ein Geldautomat.

Das Digitale hat den Menschen in Kenia Zugang zu Information und Kommunikation verschafft. Das war eine Revolution!

Mittlerweile hat wirklich jede/r Kenianer/in ein Handy, man braucht es für das alltägliche Leben.  Nicht nur zur Kommunikation oder zum Geschäfte machen, beispielsweise auch, um seinen Stromlieferanten zu bezahlen.

Auch werden zum Beispiel in Fernsehsendungen (schon viel länger als in Deutschland) Tweets der Zuschauer eingebunden.

Der Umgang mit digitalen Medien läuft viel natürlicher ab als in Deutschland, Crossmedialität könnte eine Erfindung aus Kenia sein (lacht). Kenianer diskutieren und beteiligen sich gern, egal ob auf Facebook, Twitter, Instagram oder was gerade so angesagt ist.

FP: Wie soll euer Vorhaben vor Ort konkret umgesetzt werden?

JM: Zuerst werden wir ein Team zusammenstellen, wir brauchen Kamera- und Tonleute, einen Aufnahmeleiter, Fahrer und Security.

Und alle zusammen werden wir dann – zum Beispiel auf Dorfplätzen – aber auch in Nairobi, an touristischen Punkten wie Wasserfällen oder dem Rift Valley, im Elefantenwaisenhaus oder am indischen Ozean schauen, welche Leute wir treffen und ob Nicos Zauberkunst mit den Leuten dort funktioniert.

Wir wollen auf der Straße Stimmung und Emotion einfangen, daher mindestens die drei Kameras, denn die Tricks und Reaktionen werden nicht wiederholbar sein. Die Begegnungen werden zufällig passieren, es wird also für alle Beteiligten eine große Überraschung! Und wie ich die Kenianer kenne, neugierig und lebenslustig, werden sie uns nicht enttäuschen.

FP: Nico – für das TV-Projekt in Afrika habt ihr eine Crowdfunding-Kampagne gestartet – wie ist da der Stand der Dinge und was erwartet Unterstützer? Was bietet ihr, was sind die Ziele der Kampagne?

NH: Uns ist es sehr wichtig, mit Leuten aus Kenia zu arbeiten und diese auch fair zu bezahlen.

Um die Anschubsumme zu realisieren, haben wir besagte Kampagne initiiert – sie ist zu finden unter:  http://www.visionbakery.com/magicsafari

Wir benötigen 8000,00€ und hoffen auf breite Unterstützung.

Crowdfunding ist ein tolles Konzept, um unkonventionelle Ideen in die Tat umzusetzen, da es quasi kein Risiko gibt. Die Leute können uns unterstützen, mit kleinen aber auch größeren Summen und sie bekommen etwas dafür.

Wir haben uns wirklich außergewöhnliche Sachen überlegt: Karten für eine Show mit mir kann man bekommen, inkl. einem Dinner für zwei, ein Zauberseminar mit mir oder man kann mich buchen (ist ja quasi mein Kerngeschäft), zahlt mir aber keine Gage, sondern das Geld zu 100% in den Topf für Kenia ein!

Außerdem gibt es tollen Schmuck, handgeschmiedet und limitiert, zu ergattern. Und natürlich allerlei Kleinzeug wie Autogrammkarten, DVDs oder ein Zauberbuch mit vielen Tricks von mir…!

FP: Du möchtest Dich in Kenia auch sozial engagieren – welche Pläne gibt es?

NH: Ja, das ist mir sehr wichtig!

Ich bin Vater einer 5jährigen Tochter und liebe Kinder über alles.

Gleichzeitig zu den Dreharbeiten baue ich also in Nairobi eine „magische“ Schulklasse auf und bringe da den Kids Zauberkunst bei. Und während dessen – und das ist mein Hauptanliegen – coache ich die Kleinen im Umgang mit Aufregung, bringe ihnen Skills zum Thema Kommunikation, Rhetorik und Stärkung des Selbstbewusstseins bei.

Ich hoffe, dass ich auf diese Weise den Menschen da unten –wenn auch vorerst nur wenigen – ein wenig Handwerkszeug übergeben kann, von welchem sie in vielen Momenten ihres zukünftigen Lebens profitieren werden.

FP: Wie wirst Du – wenn Dein Afrika-Projekt wie geplant an den Start gehen kann – Dein dortiges Wirken mit Deinen Engagements in Europa verbinden?

NH: Ich werde es jedenfalls versuchen!

Kenia ist aus verschiedensten Gründen in den letzten Jahren touristisch ins Hintertreffen geraten. Ich würde mich freuen, wenn unsere Sendereihe auch hier in Deutschland auf Interesse stößt, um so den Leuten dieses großartige Land wieder schmackhaft zu machen.

An sich finde ich TV-Arbeit sehr spannend und freue mich auf alles, was da noch so kommt.

FP: In den letzten Jahren hat Deine Karriere ziemlich viel Fahrt aufgenommen – Du bist gefragt und viel unterwegs. Wie entspannst Du, wenn mal gar nichts anliegt? Hast Du Hobbies? Wenn ja, welche?

Ich versuche, meine Freunde oft zu sehen und so oft wie möglich bei meiner Tochter und bei meiner Familie zu sein. Noch ein Wenig Film, Literatur und Wissenschaft dazu und dann bin ich glücklich… Und ich entspanne mich bei dem Gedanken an eine ereignisreiche und kreative Zeit in Kenia!

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