„Plötzlich haben alle Ermittler eine Macke“

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astrid_interview_novemberSie schreibt hochspannende Thriller, mischte als Drehbuchautorin schon in Beverly Hills mit, wird immer wieder als Jurymitglied in Sachen Literatur angefragt und schreibt auch für FRAUENPANORAMA: Astrid Korten (im Bild).

Ihre Fans mögen sie vor allem wegen ihrer außergewöhnlichen Thriller, die nie so sind, wie sie scheinen – und schon gar nicht so enden, wie es sich dem Leser zunächst darstellt.

Für ihre Werke recherchiert Korten gründlich und penibel, geht für Befragungen eines Serienmörders auch schon mal in einen Hochsicherheitstrakt oder lässt sich Einblicke in die Gerichtsmedizin gewähren.

Die Kommunikation mit ihren Lesern ist Korten wichtig, affektierte Abgehobenheit liegt ihr fern.

Privat ist die Niederländerin, die schon lange in Deutschland lebt, absolut bodenständig, gärtnert, kocht und verbringt Zeit mit ihrer Familie. Dem Schreiben widmet sie sich täglich – deshalb dürfen sich Fans auf ihr neues Buch, das im Dezember 2016 erscheint 1(„Zeilengötter – Bis das der Tod uns scheidet“ – siehe Bild) freuen.

Uns stellte sich die Schriftstellerin erneut im Interview unseren Fragen:

FP: Astrid, Deine schriftstellerischen Ambitionen traten bereits in der Kindheit zutage – warum hast Du dennoch erst mal eine andere berufliche Laufbahn eingeschlagen?

AK: Regeln …  Abschluss, Studium, Beruf – die Regeln meiner Erzieher. Neben meiner beruflichen Laufbahn bin ich dennoch in all den Jahren dem Schreiben treu geblieben und habe für viele Zeitschriften Kurzgeschichten geschrieben.

FP: FP: Du hattest Verantwortung in Deiner beruflichen Position, warst erfolgreich, bist viel gereist – wie kam es dann dazu, dass Du Dich in Richtung „Autorin“ im hauptberuflichen Bereich begeben hast?

AK: Nach dem Verkauf meiner Firma habe ich mich zunächst ein wenig in der Welt umgesehen. Ich kannte viele Länder nur durch meine berufliche Tätigkeit. Dass wollte ich ändern. Länder, Kulturen und Menschen bewusst erleben, das musste ich dann zu Papier bringen.

So entdeckte ich meine Leidenschaft neu. Schreiben ist neben der Musik und der Malerei meine große Leidenschaft. Ein Buch entstehen zu lassen ist so grandios, wie in den Straßen von Sevilla mit einem Saxophon zu musizieren (Ich habe mal dort Straßenmusik gemacht).

FP: FP: Hast Du Dich gezielt Thrillern gewidmet oder war das Zufall bzw. „aus dem Bauch heraus“.

AK: Während meiner Studentenzeit habe ich einige Male in einer Psychiatrie gearbeitet und als Jugendliche sehr gerne Thriller und Psychothriller gelesen. Es musste so kommen. Ich setze mich gerne mit der menschlichen Psyche auseinander.

FP: Du schreibst sehr beeindruckende Thriller. Und als Autorin kann man Dich nicht in eine Schublade stecken. Du überraschst Deine Leser immer wieder mit etwas völlig Neuem. Das unterscheidet Dich von vielen Autoren, die sich an ihre Ermittler klammern.

Verlage gehen selten neue Wege. Aber nicht alle. Und das ist gut so. Als Autorin greife ich immer wieder gerne neue Themen auf oder bringe auch schon mal einen neuen Ermittler ins Spiel. Immer dieselben Ermittler finde ich ätzend langweilig. Dabei entstehen oft haarsträubende Charakterzüge oder seltsames Verhalten.

Im Fernsehen kann man das auch beobachten. Plötzlich haben alle eine Macke. Ich bin andere Wege gegangen und habe damit Erfolge erzielt.

Ein Buch zu schreiben, das nach der Veröffentlichung viele Menschen erreicht, ist ein großartiges Gefühl. Mein Ziel ist es immer, den Leser gut zu unterhalten – ob ich nun einen spannenden Thriller, einen Roman oder etwas anders schreibe. Ein Bestsellerrang ist das größte Lob des Lesers.

FP: Wie lässt Du Dich für Deine neuen Geschichten inspirieren? Woher nimmst Du neue Ideen?

AK: Oft sind es Alltäglichkeiten, die eine Idee reifen lassen: ein Zeitungsartikel, eine Begegnung, ein Ereignis. Die Thematik hinter der Idee recherchiere ich zunächst sehr gründlich. Fasziniert mich das Thema, dann verlasse mich nicht nur auf Sekundärliteratur und Internet, sondern ich interviewe Menschen, die mir für das Hintergrundwissen von Nutzen sein können.

Aus den zusammengetragenen Informationen webe ich dann einen fesselnden Roman oder einen rasanten Thriller.

FP: Es ist mittlerweile bekannt, dass Du für Deine gefragten und hochspannenden Thriller auch Rechtsmediziner, Polizisten und sogar Straftäter interviewst – wie hast Du das Vertrauen dieser Personen erworben?

AK: Durch offene und ehrliche Begegnungen. Ich bin neugierig, wissbegierig und mich interessiert das, was mein Gegenüber so „treibt“.

FP: Was ist es für ein Gefühl, einem Serienmörder in einem Hochsicherheitstrakt gegenüber zu sitzen? Und wie bereitest Du Dich auf sowas vor?

AK: Viele Verbrechen geschehen in unserer unmittelbaren Umgebung. Wir werden sie nicht gewahr, weil die Menschen, die sie begehen, normal und alltäglich aussehen. Auch erfahren wir nicht immer von den Behörden, was sich jedes Wochenende in einem Land abspielt. Das ist auch gut so.

Der Psychopath versteht es meisterhaft, sein wahres Ich zu verbergen. Durch sorgfältige Beobachtung erkennt man ihn aber. Menschen mit einer gefährlichen Persönlichkeitsstörung werden immer versuchen, dich zu dominieren, physisch oder psychisch. Der Mörder, der im Affekt tötet, ist nicht so gefährlich, wie eine Person mit einer krankhaft narzisstischen Störung. Das sind die wahren Monster. Ich habe drei Personen bislang interviewt, die einen Mord begangen haben. Bei einer Person hatte ich tatsächlich eine Gänsehaut.

FP: Mittlerweile bist Du mit Deinen Werken „Eiskalte Umarmung“, „Tödliche Perfektion“, „Eiskalter Plan“, „Eiskalte Verschwörung“ und seit Neuesten mit „Die verlorenen Zeilen der Liebe“ bundesweit bekannt. Aber erzähl uns doch mal, wie Du es nach Beverly Hills geschafft hast – auch da warst Du ja mit Deinem Können präsent?

AK: Hier geht es ja um Drehbücher. Ich habe mich dort mit einigen beworben und das Halbfinale, Finale und eine Nominierung erreicht. Ein Drehbuch zu schreiben, ist eine echte Herausforderung.

FP: Dein Roman „Die verlorenen Zeilen der Liebe“ stand in den Top 20 bei Amazon. Die Kritiken sind überragend. So schreibt der Stadtspiegel: „Das Buch ist eine Poesie, wie es, mit seiner Sprache, die man wohl, wie die Geister der Vergangenheit, von denen es erzählt, betörend nennen muss, den Leser geradezu süchtig macht, ihn verführt und ihm fast den Willen raubt. Korten führt den Leser nicht nur nach Paris, sondern auch in die abgeschlossene Welt einer Nervenheilanstalt, wo die Protagonistin auf weltentrückte Figuren stößt. Der Roman lässt seinen Leser nicht mehr los, und wenn er dann glaubt zu wissen, wohin das alles führen wird, dann wird er getäuscht. Korten zeigt die vielen Facetten einer verletzten, traumatisierten Seele und deshalb ist dieser Roman so besonders und wird zu Recht mit geballter Sympathie überschüttet.“  Wirst Du uns auch weitere Romane präsentieren?

AK: Ich habe für diesen Roman fast drei Jahre gebraucht. Und ich mag ihn, auf eine ganz besondere Art und Weise. Dass er bei der Leserschaft so gut angekommen ist, freut mich natürlich sehr. Wir werden sehen. Jetzt sind erst einmal neue Thriller geplant. Und der erscheint bereits am 1. Dezember 2016.

FP: Worum geht es?

AK: Es geht um ein Autorenehepaar. Der Titel verrät schon ein wenig: Zeilengötter – Bis das der Tod uns scheidet. Es ist ein sehr spannender Psychothriller über Macht, Neid und das Böse in uns. Tiefe Abgründe tun sich da auf in der Welt der Literatur und der der Autoren. Der Roman hat wie immer ein alptraumhaftes und überraschendes Ende. Im Januar 2017 erscheint eine Liebesgeschichte, die ich mit einer Kollegin geschrieben habe, und im März dann der atemberaubende Psychothriller Rouge.

FP: Wir freuen uns schon darauf. Wie sieht ein ganz normaler Arbeitstag bei Dir aus?

AK: 7:00 Uhr Laufband. Nach dem Frühstück ab 8:00 Uhr einige Stunden schreiben.

FP: Was machst Du in Deiner Freizeit, wenn Du mal nicht recherchierst oder schreibst?

AK: Familie, Musik (Ich spiele Saxophon), Sport, Urlaub, Freunde – der normale Wahnsinn.

FP: Du bist auch Mutter, Deine Kinder sind längst erwachsen – was bedeutet Dir Familie?

AK: Alles. Ohne meine Familie möchte ich nicht sein. Sie bedeutet Vertrauen, Geborgenheit, Liebe, Glück, Verlässlichkeit, Sehnsucht, Sorge, und insbesondere Freude.

FP: Kochst Du gerne – wenn ja, was?

AK: Aufgrund meiner Reisen besitze ich Kochbücher aus der ganzen Welt. Aber ich mag sie nur als Appetizer. Die Rezepte regen meine Kreativität an. Meine Lieblingsküche ist – wie könnte es auch anders sein – die brasilianische Küche, dann die indische, die thailändische und die italienische Küche. Ich esse für mein Leben gern.

FP: Du bist ja gebürtige Niederländerin, aber jahrzehntelang schon in Deutschland. Was findest Du noch immer amüsant hierzulande und was gibt es in den Niederlanden, was es so hier nicht gibt?

AK: Ich mag Deutschland, liebe seine Sprache, die schönen Städte, und seine abwechslungsreichen Landschaften. Mich amüsieren die vielen Dialekte und die unterschiedliche Mentalitäten der einzelnen Bundesländer. Deutschland ist großartiges Land. Die Niederlande ist meine (putzige) Heimat. Es gibt kaum ein Land auf der Welt, das so liberal und offen ist wie meine Heimat. Sie strebten schon ein gemeinsames Europa an, als es noch keinen Ecu und keinen Euro gab. Die Niederlande muss man einfach lieben mit all seinen skurrilen Eigenheiten, einschließlich der Königsfamilie und dem (zwarte) Piet.

FP: Bist Du ein sportlicher Mensch – ist Joggen oder Schwimmen ein Thema für Dich?

AK: Ich hasse Sport, aber es ist ein notwendiges Übel. Fitness für die Fitness des Geistes.

FP: Naschst Du gern?

AK: Gummibärchen

FP: Was für Musik magst Du?

AK: Jazz, Rockmusik, Klassik.

FP: Mittlerweile hast Du eine riesige Fan-Gemeinde – was war das schönste Erlebnis bisher mit Deinen Fans?

AK: Die Freundschaften, die entstanden sind.

FP: Was stehen für Projekte bei Dir an? 

AK: Mehrere spannende Thriller-Projekte, zu denen ich mich aber noch nicht äußern darf. Ein Projekt ist bereits fertiggestellt und liegt bei meinem Agenten.

FP: Kommen wir zu deiner Jurorentätigkeit Kindl Story Teller Award 2016. Die Jury hat sich für den Roman Aschenkindl von Halo Summer entschieden. Wie war das für Dich?

AK: Ich habe mich sehr gefreut, als ich von Amazon angesprochen wurde. Und die Auswahl habe ich gerne gelesen. Im Anschluss an dieses Interview, stelle ich die Nominierten im Einzelnen vor.

Halo Summer erhält einen Gewinn im Gesamtwert von 30.000 Euro – 10.000,00 Euro in bar sowie 20.000,00 Euro Marketingleistungen auf Amazon.de. Außerdem bekommt sie einen Verlagsvertrag von HarperCollins Germany, der den Gewinnertitel als gedrucktes Buch auch in den Buchhandel bringt.

Alle fünf Finalisten werden außerdem von Audible als Hörbuch produziert. Ich hoffe, dass im kommenden Jahr wieder viele Autoren ihre Titel einreichen werden.

FP: Welche Tipps hast Du für Menschen, die ein Buch schreiben wollen?

AK: Lesen, lesen, lesen! Täglich schreiben, auch wenn es schwerfällt. Gute Ratgeber kaufen und sich informieren, wie man einen verdammt guten Roman schreibt. Fundierte Hintergrundrecherche betreiben. Sich ein Lektorat/Korrektorat leisten! Testleser suchen, aber dabei auf Familienmitglieder und Freunde verzichten.

Oft ist der Lektor der beste Testleser.

Bildnachweis / Copyright: Astrid Korten

 

 

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