„Die Strategie ist, dass ich mir selbst treu bleibe“

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Bloggerinnen und Blogger – sie sind aus dem Internet nicht mehr weg zu denken.

Täglich kommen mehr hinzu und alte Hasen im Blogger-Kosmos haben lange schon eine große Meinungsmacht im Netz.

War das öffentliche Einordnen von Informationen, das Kommentieren bedeutender Ereignisse und das Lancieren von Meinungen vor wenigen Jahren noch angestellten oder freien Redakteuren vorbehalten, kann sich heute im Web jeder, der mag, äußern. Wer das häufig und gern tut, tut das meist mit Hilfe eines Blogs.

Die Internetmagazine, hinter denen die unterschiedlichsten Frauen und Männer stehen, gibt es inzwischen zu jedem Thema – es gibt nichts, was es nicht gibt.

So sind – neben politischen Themen – Beauty- und Modeblogs wohl am häufigsten vertreten, hinzu kommen vielzählige, spezielle Blogmagazine zu jedwedem Thema.

Zugegeben:

nicht wenige Blogs verkommen im Laufe der Jahre zu Werbe- und Linkschleudern und bieten statt lesenswerter Beiträge lediglich aneinandergereihte Werbeveröffentlichungen. Ob damit das große Lesepublikum angezogen wird, darf bezweifelt werden. Auch Blogs, dessen Inhaber sich ausschließlich in gesponserte Produkte hüllen oder diese präsentieren, haben nur in kleiner Anzahl Erfolg.

Denn noch immer (und wahrscheinlich auf alle Zeit) ist Authentizität gefragt! Wer einen bestimmten Blog liest, möchte daran Spaß haben und immer öfter auch einen Mehrwert daraus ziehen. Nur mit Werbung ist das nicht zu stemmen – schon gar nicht bei der unendlichen Konkurrenz, die es im Internet gibt. Da hat die Nase vorn, wer auf die richtige Themenmischung setzt und sich nicht verbiegt.

Andrea Roye aus Halle / Saale ist so eine Frau. Die 29jährige Bloggerin setzt bei ihren digitalen Themen auf eine gekonnte Mischung und in der Kommunikation mit ihrer Leserschaft auf Natürlichkeit statt auf abgehobenes Getue. Die Idee zu ihrem Blog, den sie chapeau-blog.de genannt hat, entstand im Zusammenhang mit ihrem Auslandssemester in Italien.

Wir haben die junge Frau aus Sachsen-Anhalt dazu befragt.

FP: Andrea, wie sind Sie zum bloggen gekommen?

AR: Ich lese seit einigen Jahren sehr gerne Blogs und habe mich daher schon länger mit der Thematik auseinander gesetzt. Zusammen mit einer Freundin entstand dann anlässlich meines Auslandssemesters in Italien die Idee, selbst einen Blog zu erstellen. Gesagt, getan. Wir setzten uns hin, arbeiteten uns durch diverse WordPress-Anleitungen und am nächsten Tag war der Blog online. Schnell war klar, dass der Blog auch über meinen Auslandsaufenthalt hinaus gepflegt werden sollte und so gibt es Chapeau Blog inzwischen seit fast zwei Jahren.

FP: Woher nehmen Sie die Anregungen zu Ihren Artikeln?

AR: Seit ich den Blog habe, gehe ich mit offeneren Augen durch die Welt – immer auf der Suche nach neuen Ideen und Themen für den Blog. Es können ganz alltägliche Situationen sein, die mich inspirieren – ein Lauf im Park, ein Gespräch mit einer Freundin ebenso wie eigene Erfahrungen, aber auch direkte Anfragen von Lesern greife ich immer gerne auf. Ich schreibe über Dinge, die mich selbst beschäftigen, die mich interessieren und versuche dabei immer im Hinterkopf zu behalten, dass ich meinen Lesern etwas bieten möchte.

FP: Ihr Blog hat verschiedene Kategorien: Reise, Kulinarisches, Schönheit – was ist Ihr persönliches Lieblingsthema?

AR: Ich schreibe über all diese Themen gerne, sonst hätte ich die Kategorien nicht so angelegt. Vielseitigkeit ist ein Merkmal meines Blogs, mich auf ein Thema festzulegen, könnte ich mir nicht vorstellen. Von Zeit zu Zeit verschieben sich auch mal die Schwerpunkte, das ist normal. Gerade liegen mir die Themen Fitness und gesunde Ernährung besonders am Herzen, aber auch Organisations- und Modebeiträge tauchen immer wieder mit auf. 

FP: Im Gegensatz zu vielen anderen Blogs, gestalten sich Ihre Lifestyle- und Beauty-Trends sehr dezent – gibt es eine Strategie dahinter?

AR: Die Strategie ist, dass ich mir selbst treu bleibe. Jeder Look und jedes Outfit auf dem Blog findet sich tatsächlich genauso in meinem Kleiderschrank und ich trage die Sachen tatsächlich. Auf meinem Blog möchte ich natürlich schöne Mode zeigen, ich greife dabei auch gerne Trends auf, aber für mich muss alles tragbar sein und mir und meinem Stil entsprechen. Verkleidungen entsprechen mir nicht.

FP: Wieviel Zeit nimmt das bloggen in Anspruch?

AR: Das Bloggen wird häufig unterschätzt. Man glaubt gar nicht, wie viel Zeit und auch Mühe in einem qualitativ hochwertigen Blogpost stecken. Natürlich variiert das auch je nach Thema. Aber grob überschlagen kann man davon ausgehen, dass ein Beitrag mindestens einen bis zwei Arbeitstage beansprucht. Hinzu kommt die Pflege der Social Media Kanäle – regelmäßiges Posten, das Beantworten der Kommentare, selbst aktiv sein etc.

FP: Für welche Zielgruppe schreiben Sie?

AR: Ich schreibe vor allem für Frauen, die sich für einen gesunden Lebensstil, für Sport und Fitness, für leckeres Essen und Mode interessieren. Ich spreche damit nicht bewusst eine bestimmte Altersgruppe an oder folge anderen Kriterien. Auch Männer lesen meinen Blog. Ich freue mich über jeden Leser, der Chapeau Blog gerne verfolgt, und etwas daraus für sich mitnehmen kann.

FP: Wie nehmen Sie die aktuelle Bloggerszene wahr? 

AR: Für mich ist die Bloggerszene eine riesige bunte Vielfalt. Es gibt viele tolle, authentische und lesenswerte Blogs. Ebenso viele entsprechen auch nicht meinem Geschmack. Das ist völlig in Ordnung. Jeder muss für sich herausfinden, was er gerne lesen möchte. Die größte Entwicklung der letzten Jahre sehe ich im Bezug auf die enorme Wirkung von Blogs. Unternehmen kommen immer häufiger auf Blogger zu und es kommt nicht selten zu Kooperationen.

Das kann vor allem bei jungen Lesern schnell den Eindruck erwecken, dass dieses oder jenes Produkt, welches ein Blogger vorstellt, unerlässlich sei. Als Blogger mit einer gewissen Reichweite sollte man sich seiner Vorbildfunktion diesbezüglich bewusst sein.

Es werden natürlich vor allem die schönen Seiten des Lebens gezeigt, tolle Fotos, interessante Erlebnisse, Bloggerevents. Das ist für eine Handvoll großer Blogger Alltag. Für alle anderen ist es genauso außergewöhnlich und besonders, wie es das für die meisten anderen Menschen auch wäre. Ein bewusster Umgang mit dem Medium Blog ist wichtig, damit man den Spaß und die ganzen positiven Seiten des Bloggens genießen kann.

FP: Haben – Ihrer Meinung nach – Printmedien zukünftig noch eine Chance, angesichts der Tatsache, dass immer mehr Nachrichten und Informationen online konsumiert werden?

AR: Ich denke, dass es Printmedien schon noch eine ganze Weile geben wird. Der Konsum verändert sich jedoch, meiner Meinung nach. Gerade Nachrichten und schnelle Informationen werden immer häufiger online konsumiert. Das liegt in der Natur der Dinge. Noch nie konnten wir so schnell auf eine so große Vielfalt von Informationen zugreifen wie heute mit dem Internet.

Aus eigener Erfahrung kann ich jedoch sagen, dass es auch sehr angenehm sein kann, sich mit einem guten Magazin hinzusetzen und in den Seiten zu blättern. Es gibt inzwischen wirklich großartig gestaltete Zeitschriften, die nicht nur informativ sind, sondern auch in Sachen Layout und Haptik einiges zu bieten haben. Wie so oft kommt es auch hier auf eine gute Balance an.

FP: Bloggen erfreut sich immer größerer Beliebtheit – für wen ist das was? Und für wen eher nicht?

AR: Eine der Grundvoraussetzungen für das Bloggen ist, meiner Meinung nach, die Lust zu schreiben, zu fotografieren und sich mitzuteilen. Viel Geduld, Ausdauer und Kontinuität gehören für mich auch dazu. Man sollte nicht denken, dass man einen Beitrag online stellt und man plötzlich ein großer Blogger ist. Das erfordert jahrelange, harte Arbeit. Wer also schnell das große Geld machen möchte, sollte nicht bloggen.

FP: Viele Blogger wollen (irgendwann) mit Ihrem Blogmagazin Geld verdienen – ist das auch für Sie ein Ziel?

AR: Für mich ist das Bloggen aktuell ein Hobby, in das sehr viel Energie, Zeit und Mühe fließt. Ich freue mich vor allem über liebe Kommentare, den Austausch und ein positives oder auch konstruktives Feedback. Wenn sich dabei auch die eine oder andere Zusammenarbeit ergibt, ist das eine tolle Sache. Geld zu verdienen ist jedoch nicht das oberste Ziel meiner Arbeit an Chapeau Blog.

FP: Zu welcher Tageszeit bloggen Sie am liebsten – gibt es eine feste, zeitliche Struktur?

AR: Ich bin ein Morgenmensch, das wissen meine Leser aus diversen Beiträgen. Daher nutze ich gerne die frühen Stunden des Tages. Wenn es jedoch zeitlich nicht anders machbar ist, weil noch andere Aufgaben anstehen, sitze ich auch schon mal bis in die Nacht hinein an einem Beitrag. 

FP: Wie gestaltet sich die Vernetzung mit anderen Bloggern – eher positiv oder herrscht ein Konkurrenzdenken vor?

AR: Bisher habe ich diesbezüglich keine schlechten Erfahrungen gemacht und bin stets auf wohlwollende, hilfsbereite und freundliche Kolleginnen gestoßen. Das mag vielleicht nicht immer so sein, aber ich denke, wenn man selbst offen ist und positiv auf andere zugeht, bekommt man dies auch zurück.

http://www.chapeau-blog.de/

Copyright: Andrea Roye

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