Diese Dinge bedenken, bevor man sich fürs Alleinerziehen entscheidet

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Es gibt genügend Situationen, die eine Frau von heute auf morgen völlig unvorbereitet als alleinerziehende Mutter zurücklassen. Dazu muss man nicht einmal in Richtung Todesfall blicken, es reicht schon ein Partner, der sich aus dem Staub macht.

Ebenso gibt es jedoch andere Situationen. Etwa Frauen, die beschließen, ein Kind ohne Partner zu bekommen. Oder Beziehungen, die einvernehmlich auseinandergehen und das Sorgerecht bei der Mutter belassen. Es ist zwar nur eine kleine „Minderheit der Freiwilligen“, aber sie existieren.

Und in solchen Fällen hat Frau viel mehr Kontrolle – dadurch aber auch eine gewisse Notwendigkeit, die unzweifelhaften Problemstellungen, die das Alleinerziehen mit sich bringt, vor der endgültigen Entscheidung zu bedenken.

Genau diese Knackpunkte möchte der folgende Artikel genauer beleuchten.

  1. Deutschland ist Alleinerziehenden-feindlich

Würden wir in einem fortschrittlichen Land wie Schweden leben, wäre dieser erste Punkt kein Thema. Leider, so muss man es einfach sagen, leben wir jedoch in Deutschland. Und die Bundesrepublik ist, zumindest was Alleinerziehende anbelangt, kein sprichwörtliches, sondern ein buchstäbliches Entwicklungsland. Selbst das Familienministerium hat endlich kapiert, dass bereits jede fünfte Familie nur aus einem Elternteil besteht – im Gegenzug ist jedoch das, was man an Hilfe erwarten kann, bestenfalls marginal.

Natürlich, es gibt staatliche Unterstützungen, etwa

  • Kinder- und Elterngeld
  • Steuerliche Entlastungen
  • Unterhaltsvorschüsse

Aber diese Punkte sind bei Lichte betrachtet kaum mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Und vor allem sind es nach wie vor die Gesellschaft und die Arbeitswelt, die alleinerziehenden Müttern gigantische Steine in den Weg legen. Auch 2018 gibt es vielfach nur die Wahl Kind oder Karriere – auf beides gleichzeitig sind nur wenige Arbeitgeber vollumfänglich eingestellt. Bestes Beispiel: Es gibt in Deutschland ungefähr 3,5 Millionen Unternehmen aller Größen – davon haben keine 5000 einen angeschlossenen Betriebskindergarten, eine Krippe oder Kita. Und das Recht auf einen Kitaplatz, das eigentlich seit 2013 gesetzlich verankert ist, ist in vielen Kommunen nicht mehr als das Papier wert, auf dem es steht – schlicht, weil es an Plätzen mangelt. Tatsächlich ist das, was Alleinerziehenden in Deutschland vonseiten der Politik und der Wirtschaft geboten wird, nur eines, ein Armutszeugnis. 

  1. Es ist eine unheimliche Belastungsprobe

Zugegeben, nicht alle Alleinerziehenden sind „wirklich“ alleine. Bei den meisten gibt es Personen im Lebensumfeld, die helfend eingreifen, von den Eltern über Freunde bis hin zu Kollegen. Dennoch muss man sich einfach gewahr werden, dass diese Hilfen, so schön und nützlich sie auch sein mögen, niemals in dem Umfang vorhanden sein werden, wie die eines Partners.

Es ist nun einmal etwas anderes, ob man mitten in der Nacht von Kindergeschrei geweckt wird und sich der Partner, mit dem man zusammenlebt, darum kümmern kann, oder ob die Eltern das Kind den einen oder anderen Nachmittag verwahren können. Soll heißen, vor allem die „intimen Probleme“, die zur Unzeit passieren, oder solche, die nur Eltern beheben können, muss man als Alleinerziehende meist ohne Hilfe meistern.

Es ist nicht allein das Verwahren des Kindes, es ist die Tatsache, dass:

  • kein Partner vorhanden ist, mit dem man seine Sorgen teilen kann – selbst sehr enge Freunde können dies nur teilweise ersetzen.
  • man jeden Schritt der Kinderpflege zwischen Kochen und Arztbesuch allein erledigen muss
  • selbst die kleinste Erledigung mit Kind erfolgen muss oder dem umständlichen Übergeben an eine Vertrauensperson
  • jegliche Spontanität darüber faktisch unmöglich wird

Tatsächlich sieht es so aus, dass viele Alleinerziehende in Sachen Stress im absoluten Extrembereich funktionieren, kurz vor dem Burnout.

Das liegt auch daran, dass Erziehung ein gigantischer Zeitfresser ist und kaum durch andere als einen weiteren Elternteil substituiert werden kann.

 Geld ist ein Problem

Es gibt eine Zahl in Deutschland, die der Privatinsolvenzen. Schlüsselt man sie genauer auf, fällt schnell etwas auf: Sie ist verzerrt. Denn zwar sind Männer doppelt so häufig überschuldet wie Frauen. Wirft man jedoch einen Blick auf die dahintersteckenden Gründe, zeigt sich schnell, dass vor allem Trennungen, Haushaltsführung, Krankheit und Arbeitslosigkeit für weit mehr als die Hälfte der Privatinsolvenzen verantwortlich sind.

Und hier kommen Alleinerziehende ins Spiel:

  • Sie haben die Trennung oft bereits hinter sich, sind also schon deshalb eine Risikogruppe
  • Sie sind wesentlich häufiger arbeitslos oder prekär beschäftigt als andere Bevölkerungsgruppen
  • Sie haben deshalb oft zu wenig Geld zur Verfügung, worunter wiederum die Haushaltsführung leidet
  • Sie leiden unter starkem Stress und somit einer riesigen Bandbreite an Folgeerkrankungen

Und damit besteht für Alleinerziehende ein gewaltiges Risiko. Nicht nur für private Zahlungsunfähigkeit, sondern alle Vorstufen davon. Von den Kindern, die auch durch Mithilfe der Tafeln versorgt werden, gehört ein Großteil zu alleinerziehenden Müttern. Ähnlich sieht es bei den Personen aus, die auf Zuschüsse durch die ARGE angewiesen sind, weil das Gehalt nicht reicht.

Tatsache ist, dass Alleinerziehende in Deutschland – trotz staatlicher Hilfen – zu den am stärksten von Armut bedrohten Bevölkerungsgruppen gehören. Und zudem zu denjenigen, bei denen das vorhandene Geld am seltensten über den gesamten Monat ausreicht. 

  1. Es wird einsam

Die vorherigen drei Punkte wiegen bereits schwer. Doch neben diesen wirklich „gefährlichen“ Risiken muss man auch solche erwähnen, die einfach nur unkomfortabel sind. Namentlich sind es solche, die vom Privat- und Sozialleben alleinerziehender Mütter oft nur einen Trümmerhaufen übriglassen.

Einmal mehr ist es das große Problem, dass selbst ein zweiter Elternteil, der vielleicht Besuchsrecht hat, dies i.d.R. nur an wenigen Tagen im Monat ausübt – und bei vollständiger Abwesenheit auch gar nicht. Und in Verbindung mit der mütterlichen Berufstätigkeit führt das zu einem Paradoxon:

  • Einerseits wird das Kind jeden wachen Moment in der Freizeit für sich beanspruchen
  • Andererseits werden trotzdem viele einzigartige Momente unwiederbringlich verlorengehen, weil die Mutter zu diesem Zeitpunkt arbeitete oder das Kind in der Kita/Krippe war

Das Schlimme daran: Es ist völlig gleich, wie gut und/oder sicher der Job der Mutter ist. Selbst in dem Ausnahmefall, dass es sich um einen gutbezahlten Vollzeitarbeitsplatz handelt, das Kind tagsüber gut versorgt ist, wird nach Feierabend trotzdem alles auf die Mutter abgeladen werden. Denn schließlich will man ja auch so viel Zeit wie möglich mit dem Kind verbringen. Und darüber vereinsamen sehr viele Mamas. Das liegt auch wieder daran, dass es schlicht nicht möglich ist, einfach mal „mit den Mädels zu verschwinden“ und dem Papa das Kind für den Abend zu überlassen.

Alles braucht langwierige Vorplanung, die einem schon ob des Aufwandes schnell zu viel wird und man lieber resigniert und zuhause bleibt. Und jede Alleinerziehende kann es bestätigen: Wenn man sich dann doch mal traut, das Kind zu den Eltern oder Freunden zu geben und sich nur um sich zu sorgen, nagt das schlechte Gewissen darüber andauernd im Hinterkopf.

Und selbst wenn man sich entschließt, der partnerlosen Einsamkeit ein Ende zu bereiten, steht man abermals vor einem gigantischen Tor auf dem steht „Alleinerziehende nicht erwünscht“. Erneut ein gesellschaftliches Problem. Denn auf dem großen Markt der Partnersuche und des Datings haben es Alleinerziehende auch unheimlich schwer. Fast so, als würden sie ein abschreckendes Stigma auf Singlemänner verbreiten. Da wirkt die Tatsache, dass sie im Web oft auch noch zum Ziel von Pädophilen werden, nur wie ein weiterer trauriger Höhepunkt.

Fazit

Es gibt nur einen Grund, warum man Frauen in Deutschland raten kann, freiwillig alleinerziehend durchs Leben zu gehen: Das unabdingbare Glück, das man über die Liebe seines Kindes empfindet und den Stolz, den man dadurch bekommt, es ganz alleine zu schaffen. Das kann zwar alles andere aufwiegen und tut es auch oft genug. Aber die alltäglichen Probleme von Arbeit, Zeit und Geld wiegen ebenfalls tonnenschwer. Das soll kein Aufruf sein, vom Alleinerziehen Abstand zu nehmen. Aber durchaus ein Ruf: „Gebt euch bitte keinen falschen Illusionen hin“.

Bildquellen:

1) fotolia.com © liderina

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