Einmal Top-Bankerin und zurück

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michaela-steidl_640x480[1]Michaela Steidl war eine erfolgreiche Managerin im Bankenbusiness – heute ist sie Mutter und WORDPress-Expertin. 

Ihr Weg dahin war nicht immer eben, aber sie ist „angekommen“. Anderen Frauen mit ähnlichen beruflichen Umbrüchen rät sie:

„bloß nicht ins Schneckenhaus verkriechen!“

Lesen Sie hier im Interview mit Michala Steidl, wie die einstige Topmanagerin den nicht alltäglichen Umbruch in ihrem Leben meisterte.  

FP: Ihre Neugier auf das Leben beschied Ihnen schon früh eine hohe Intelligenz, denn Sie wurden mit fünf Jahren bereits eingeschult. Der elterliche Bauernhof interessierte Sie später aber eher weniger – wie kam das?

MS: Naja, dass ich mal den elterlichen Hof übernehmen sollte wurde mir quasi mit der Muttermilch eingetrichtert. Als es dann aber in der 8. Klasse darum ging, wo ich mein Berufspraktikum absolviere, habe ich mir das erste Mal bewusst Gedanken darüber gemacht, was das in der Realität bedeutet: niemals Wochenende, niemals ausschlafen, niemals Urlaub und viel harte Arbeit für sehr wenig Geld.

Mit gerade einmal 12 Jahren fiel dann die Entscheidung: Ich werde Banker – weil ich den Kassierer in der örtlichen Sparkasse so toll fand. Wirklich durchdacht war diese Entscheidung zugegebenermaßen aber auch nicht…

FP: Eingestiegen ins Bankenbusiness haben Sie dort schnell Karriere gemacht, waren mit 27 eine der jüngsten Vice Presidents (VP) einer großen niederländischen Bank, hatten 21 Mitarbeiter/innen in drei Ländern unter sich. Zudem kamen Sie viel rum, führten ein weltläufiges Leben. Was führte zum Cut?   

MS: Das schönste Ereignis meines Lebens zu einem ungeschickten Zeitpunkt: die Geburt meines Sohnes, die mit einer Reduzierung meiner Arbeitszeit auf 30 Stunden einherging. Während meiner 6monatigen Elternzeit wurde die niederländische Bank von einem schottischen Unternehmen übernommen, das für Manager in Teilzeit nicht ganz so viel Verständnis hatte wie die Niederländer.
Aus einer Frust-Reaktion heraus habe ich nach knapp 2 Jahren gekündigt – genau zum Start der Bankenkrise im Oktober 2008. Mein neuer Arbeitgeber geriet durch diese Krise in einige Turbulenzen, so dass ich im Dezember 2010 plötzlich ganz ohne Arbeit da stand.

FP: Die neue Situation war mit Sicherheit ungewohnt und nicht ganz einfach. Worin bestanden die größten Herausforderungen?  

MS: Da ich mich nur wenige Monate vor dem Verlust meines Arbeitsplatzes vom Vater meines Sohnes getrennt hatte, stand ich nun vor einer doppelten Herausforderung: Kinderbetreuung und Job irgendwie als alleinerziehende Mutter unter einen Hut zu bekommen.

FP: Wie haben Sie sich motiviert, bzw. kam auch Motivation von „außen“?

MS: Scheitern war für mich keine Option – egal in welcher Hinsicht.

Als sich herauskristallisierte, dass es unmöglich war mit meiner Qualifikation einen 30-Stunden-Job im Bankensektor zu finden (überqualifiziert für Teilzeitjobs – nicht flexibel genug für Managerposten) entwickelte sich langsam der Gedanke, mich selbstständig zu machen.

Sehr unterstützt haben mich dabei gute Freunde, die an meinen Erfolg in der Selbstständigkeit geglaubt haben – selbst als ich noch gar nicht so recht wusste, als was man sich als Banker überhaupt selbstständig machen kann.

FP: Schildern Sie uns die Situation, die dann alles veränderte und den Weg öffnete, für das Leben, das Sie heute leben 

MS: Das ist gar nicht so leicht festzumachen. Der Einstieg dazu war sicher die Kündigung im Dezember 2010 und die Tatsache, dass das Schicksal mich quasi „gezwungen“ hat, in die Selbstständigkeit zu wechseln.

Ursprünglich habe ich mich selbstständig gemacht mit dem Gedanken, für kleine Handwerksbetriebe die Buchhaltung und das Mahnwesen zu übernehmen. Das habe ich aber nur für einen einzigen Kunden wirklich so gemacht.
Irgendwann las ich in einer XING-Gruppe dann einen Hilferuf einer Dame, die dringend Unterstützung bei ihrem Online-Business suchte. Das klang spannend und ich habe ihr eine wohl recht dreiste Mail geschrieben mit dem Wortlaut: „Ich kann das zwar alles nicht, aber ich habe Lust, es zu lernen“.

Daraus entwickelte sich dann tatsächlich mein Einstieg in das virtuelle Arbeiten, zunächst als virtuelle Assistentin fürs Online-Business und später dann als Expertin für WordPress. 

FP: Fühlen Sie sich angekommen, an Ihrem Platz im Leben, oder trauern Sie manchmal noch Ihrem alten Leben nach? 

MS: Ich fühle mich absolut angekommen. Ich habe einen riesigen Spaß an dem, was ich tue und freue mich sehr über die große Wertschätzung, die ich von meinen Kunden erfahre.
Die Zeiten, in denen ich in den 5-Sterne-Hotels dieser Welt abgestiegen bin und ein großes Auto als Firmenwagen zur Verfügung hatte sind zwar vorbei, aber ich vermisse das nicht. Was sind schon 5 Sterne gegen das glückliche Lachen eines Kindes im Centerpark oder auf dem Zeltplatz? Und mein kleiner Mazda 2 fährt mich genauso brav von A nach B wie das früher der A4 getan hat … und der Mazda verträgt Kekskrümel auf der Rückbank auch irgendwie besser.

FP: Ihr Tipp für Frauen, die in einer ähnlichen Lage sind und deren Leben eine einschneidende Wendung nimmt? 

MS: Nicht in einem Schneckenhaus verkriechen und in Schockstarre verfallen. Mit Freunden lange Gespräche führen um den Kopf wieder freizukriegen.
An sich selbst glauben und auf die eigenen Stärken besinnen. Lern- und wissbegierig sein.

Das, was ich heute sehr erfolgreich tue – davon hatte ich vor fünf Jahren noch überhaupt keine Ahnung. Aber ich hatte Lust zu lernen und das hat mir den Weg geebnet, dort hinzukommen wo ich heute bin.

Wer Michaela Steidls Homepage besuchen möchte: hier entlang: http://wp-bistro.de/

Bildnachweis / Copyright: Michaela Steidl – Frank Baumhammel

 

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