Immobilie und Finanzierung: Beim Hauskauf haben Frauen das letzte Wort

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Hauskauf

Eine eigene Immobilie ist für viele junge Paare attraktiv.

Für die meisten Paare kommt irgendwann im Leben der Zeitpunkt, um über die eigenen vier Wände nachzudenken. Ob im Rahmen der Familiengründung oder nach einem beruflichen Aufstieg, der Kauf einer eigenen Immobilie wird in einer bestimmten Lebensphase meist Thema.

Auch wenn das uralte Klischee vom Mann, der seiner Familie ein sicheres Heim schafft, vielfach noch fest in den Köpfen verankert ist, sind es inzwischen doch die Frauen, die beim Thema Hauskauf Entscheidungsträger sind. Dies ergab eine nicht repräsentative Studie der Credit Suisse, bei der Immobilienmakler und Finanzierungsexperten nach ihren Erfahrungen mit Geschlechterrollen beim Hauskauf befragt wurden. 

97 Prozent der befragten Immobilienmakler und 67 Prozent der an der Studie teilnehmenden Finanzierungsexperten gaben an, klare Unterschiede zwischen Frauen und Männern zu erkennen, wenn es um Fragen rund um die richtige Kaufimmobilie und die Finanzierung des Wunschobjektes geht. Im Hinblick auf die Kaufentscheidung, haben Frauen das Sagen, so die einhellige Meinung der Experten.

In 53 Prozent der Fälle ist es die Frau, die zum Telefonhörer greift und den ersten Kontakt mit einem Immobilienmakler aufnimmt. Die letztendliche Entscheidung für oder gegen eine Immobilie treffen der Umfrage zufolge sogar in 56 Prozent der Fälle die Frauen. 

Im Alleingang wird hier allerdings in der Regel nichts entscheiden, auch das ergab die nicht repräsentative Studie der Credit Suisse. Paare planen einen Immobilienkauf nämlich grundsätzlich gemeinsam und einigen sich auch in allen wichtigen Fragen. Wird die Entscheidung für oder gegen eine Immobilie allerdings nur von einem Partner getroffen, sind es in 35 Prozent der Fälle die Frauen, die Nägel mit Köpfen machen, und nur in 24 Prozent der Fälle die Männer. 

Diese Tatsache ist für Immobilienmakler natürlich nichts Neues und sie richten ihre Verkaufsstrategien deshalb besonders auf das weibliche Geschlecht aus und versuchen, mit ihrer Präsentation die Schlüsselfragen der weiblichen Kunden zu bedienen.

Paare, die sich für den Kauf einer Immobilie interessieren, sollten sich darüber ebenso im Klaren sein, denn wenn die Frau dem Makler gegenüber erst einmal ernsthaftes Interesse an einer Immobilie bekundet hat, kann der Verhandlungsspielraum, den der Herr anschließend bei den Kaufpreisveranstaltungen ausschöpfen kann, deutlich eingeschränkt werden. Ein Bereich bleibt nämlich auch weiterhin eher in Männerhand: Bei Preis- und Finanzierungsverhandlungen rund um den Hauskauf lassen die Damen dem vermeintlich starken Geschlecht gerne den Vortritt. 

Die Finanzierung ist immer noch Männersache

Auch wenn es wie ein überholtes Klischee klingt, die Geldfragen rund um den Erwerb der eigenen vier Wände klärt auch heute noch eher der Mann. Nachdem die passende Wunschimmobilie gefunden wurde, sind es in 52 Prozent der Fälle die Männer, die den Kontakt mit der Bank herstellen, um ein Finanzierungskonzept auf den Weg zu bringen.

Auch bei Fragen wie dem Hypothekarzins und den Gesamtkosten, die die Finanzierung mit sich bringen wird, sind Männer die häufigsten Entscheidungsträger. Sie beschäftigen sich nach Angaben der Finanzexperten, die an der Befragung der Credit Suisse teilnahmen, deutlich umfangreicher mit dem Thema unterschiedliche Kaufpreis, Hypothekenprodukte, Laufzeiten und Wiederkaufswert. 

Aber auch Frauen steuern in dieser Hinsicht wichtige Impulse bei. So ist Frauen erfahrungsgemäß vor allem finanzielle Sicherheit wichtig und die Frage, ob die Immobilie auch langfristig finanzierbar ist und sich trotz Schwankungen der wirtschaftlichen Gesamtsituation bis ins Alter halten lässt. 

Das Thema Anschlussfinanzierung diskutieren Paare zwar in der Regel gleichberechtigt, die letztendliche Empfehlung spricht allerdings meist der Mann aus. Die Männer sind es auch, die in den meisten Fällen eher auf eine frühzeitige Planung der Anschlussfinanzierung drängen.

Vertragsabschluss

Ein gutes Geschäft stellt alle Seiten zufrieden.

Eine gute Entscheidung mit enormem Sparpotenzial, wie auch die Experten für Anschlussfinanzierung von Hüttig & Rompf betonen. Ob es nach der vertraglich vereinbarten Kreditlaufzeit allerdings in die Prolongation gehen soll, oder ob ein Forward-Darlehen oder eine Umschuldung der eigenen Finanzplanung eher entsprechen, entscheiden in den meisten Beziehungen in letzter Instanz allerdings die Herren der Schöpfung.

Diese Kriterien sind Männern und Frauen beim Hauskauf wichtig

Selbstverständlich sollten Paare sich in den eigenen vier Wänden gleichermaßen wohlfühlen und die Kaufentscheidung gemeinsam und mit Überzeugung tragen. In den meisten Fällen ist dies glücklicherweise auch der Fall. Bei den Kriterien, die zu einer Kaufentscheidung führen, gibt es allerdings geschlechterspezifische Unterschiede, die durchaus interessant werden können. 

Hier treten Klischees zu Tage, die eigentlich längst überholt sein sollten. Männern nämlich, so bestätigen Immobilienmakler und Branchenexperten vielfach, sind die Bausubstand, technische Ausstattungen und der eigene Stellplatz für das Auto besonders wichtig. Frauen interessieren sich dagegen mehr für die direkte Nachbarschaft und für die Größe und Ausstattung der Küche und des Badezimmers. Bei Paaren mit Kindern interessieren sich Frauen außerdem vielfach dafür, ob die Immobilie in Aufteilung und Ausstattung kindgerecht ist. 

Die Lage und die umgebende Infrastruktur sind für Männer und Frauen ein wichtiges Entscheidungskriterium, allerdings vielfach aus unterschiedlichen Gründen. Männer möchten vor allem wissen, ob die Immobilie günstig an öffentliche Verkehrsmittel oder die Autobahn angebunden ist, damit sich der tägliche Weg zur Arbeit möglichst stressfrei bewältigen lässt. Für Frauen ist vor allem wichtig, ob die Umgebung sicher und gut mit Einrichtungen für den täglichen Bedarf ausgestattet ist, wie Einkaufsmöglichkeiten und Ärzten. Sind Kinder vorhanden, wird das Thema Sicherheit der Nachbarschaft noch wichtiger.

Außerdem sind dann zusätzliche Aspekte wie Schulen und Kindergärten, Freizeitaktivitäten, Spielplätze und Anschlussmöglichkeiten an andere Familien von Bedeutung. Frauen würden beispielsweise eher einen längeren Arbeitsweg in Kauf nehmen, wenn dadurch die unkomplizierte Alltagsgestaltung durch eine gute Infrastruktur vor Ort gegeben ist. 

Fast scheint es, als kämen da eine ganze Menge Klischees zum Tragen, die wir eigentlich schon längst überwunden zu haben glaubten. Bei näherem Hinsehen wird allerdings deutlich, dass sich lediglich die individuelle Alltagsgestaltung maßgeblich auf die Kaufentscheidung einer Immobilie überträgt. Wer den Großteil seines Alltags in den eigenen vier Wänden und dem direkten Umfeld verbringt, legt mehr Wert auf die örtlichen Gegebenheiten.

Wer dagegen zum Beispiel aus beruflichen Gründen viel Zeit des Tages außer Haus verbringt, misst Aspekten wie der Verkehrsanbindung einen höheren Stellenwert bei. Kritisch kann es lediglich werden, wenn sich beim Besichtigungstermin herausstellt, dass die vermeintliche Wunschimmobilie längst nicht alle Wünsche erfüllen kann.

Dann wird es Zeit für einen Kompromiss, der keine Seite langfristig zu stark benachteiligt. Schließlich ist der gemeinsame Kauf einer Immobilie durchaus eine Entscheidung fürs Leben, die meist mit einer enormen finanziellen Belastung einhergeht. 

Ein besonders schönes Fazit, das die Forschung zum Thema Geschlechterrollen beim Hauskauf eindeutig ermitteln konnte, möchten wir deshalb zum Abschluss dieses Beitrags aber noch weitergeben: Trotz aller vermeintlich festgefahrenen Geschlechterrollen ergänzen sich Männer und Frauen beim Thema Hauskauf sehr gut.

Die unterschiedlichen Schwerpunkte, die beide in die Entscheidungsfindung mitbringen, sorgen dafür, dass kein wesentlicher Aspekt in Vergessenheit gerät und dass das Projekt eigene vier Wände letztendlich für die gemeinsame Zukunft eine runde Sache wird. 

Bildquelle:

Abbildung 1: @ geralt (CCO-Lizenz) / pixabay.com 

Abbildung 2: @ Tumisu (CCO-Lizenz) / pixabay.com 

 

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