#imzugpassiert – Wie sich „Netzaktivistinnen“ im Web blamieren!

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schreiende frauEin Gastbeitrag von Kelly – Die Meldung, dass die Mitteldeutsche Regionalbahn separate Frauenabteile zwischen Leipzig und Chemnitz einsetzen möchte, war noch keine 48 Stunden alt, da setzte – vorwiegend bei Twitter – eine Kampagne ein, die sich #imzugpassiert nennt und wohl als neue „Sexismus“-Kampagne gedacht war.

Nach dem lächerlichen Gewese einer bis dato weitestgehend unbekannten Journalistin, der – lange vor ihrem initiierten #Aufschrei – mal fast Brüderles Brille in den Ausschnitt gefallen wäre, folgte dann bekanntlich #Ausnahmslos (hier war und ist ausnahmslos jeder ein Rassist, der sich z. B. erlaubt, die Nationalitäten der Täter von Köln klar zu nennen) – und nun eben: #imzugpassiert.

Eines vorweg: Sexismus geht gar nicht und ich glaube den meisten Betroffenen, dass das, was sie bei #imzugpassiert schildern, auch tatsächlich so passiert ist (obgleich ich, sowohl viele Freundinnen lange und ewig schon Zug fahren, aber uns derlei noch nichts passiert ist – aber gut!).

Jedoch bin auch ich einmal ganz übel – von einer sehr bekannten Journalistengröße im Übrigen – sexistisch angemacht worden, nicht im Zug, aber es hat gereicht. Insofern: das Anliegen ist wichtig und richtig.

Nur: wie kann es sein, dass diese Kampagne als direkte Reaktion auf die unsäglichen Frauenabteile in Zügen in Sachsen in die Welt hinaus getwittert wird?

Und dann auch noch ausgerechnet von jenen Frauen, die nicht müde werden, gebetsmühlenartig herunter zu leiern, dass Feminismus wichtig ist und Gleichberechtigung sowieso? Dass bitteschön ein großer Teil der Frauen – wenn nicht gar alle – nach einer Karriere in einer Männerdomäne lechzen soll, dass Vorstände Frauenquoten einhalten und das moderne Weib von heute bloß keine Hausfrau ist – oder sich gar mit Kindern die tolle berufliche Laufbahn verbaut.

„Selbstverwirklichung“ ist doch bei dieser Art Frauen immer das Gebot der Stunde! Und hierbei denken sie auch garantiert nicht an Frauen, die wegen dem Nachwuchs zu Hause bleiben – und sich dort – zu Recht – verwirklichen.

Es wird tagein, tagaus von Gleichberechtigung gesprochen, gefordert, genölt, gegeifert. Oft in einem Ton und mit einer Vehemenz, die an der „Normalfrau“ `eh vorbeigeht, aber das mal nur nebenbei. Und nun diese blamabel-lächerliche Aktion mit #imzugpassiert.

Blamabel und lächerlich nicht wegen der Message – siehe oben.

Sondern deshalb, weil es nach Tag 1 der Einführung der Frauenabteile wie eine salbungsvolle Bestätigung an das Unternehmen klingt, dass sie diese separaten Abteile für weibliche Fahrgäste eingeführt haben.  Wie ein untertänigster Dank sogar und ich frage mich, warum nicht die Kampagne unter #mitmirnicht oder #meinefreiheit initiiert wurde?

Dass etwas „im Zug passiert ist“, was dort – und auch woanders nicht – niemals passieren darf, wird doch hier, mit diesem lächerlichen Hashtag #imzugpassiert, kommuniziert wie ein „mäuschen“-hafter Dank mit weiblichem Augenaufschlag.

À la: „danke, liebe Regionalbahn, dass wir armen Hascherl nun Extra-Abteile bekommen!“.

So wirkt es – so und nicht anders!

Duckmäuserisch, diese absurd-bizarre Maßnahme rechtfertigend und – im Gegensatz zum sonstigen Agieren der selbst ernannten „Netzaktivistinnen“ – Beifall klatschend!

Dabei will doch die moderne Frau von heute genau das nicht: separate Abteile, wo sie dann – bitteschön – recht weit vom Manne Platz zu nehmen hat!

Ich möchte nach wie vor meine eigene Platzauswahl treffen, wenn ich in einen Zug steige. Und mich nicht in eine „Lady-Zone“ abgedrängt wissen. Ich bin selbstbewusst und auch gleichberechtigt, also setze ich mich natürlich hin, wo ich möchte (freie Plätze freilich stets vorausgesetzt!).

Heute und auch zukünftig! Ich lasse mich doch wohl nicht in ein Extra-Abteil „sperren“!

Dann hätten ja genau die, die sich Frauen gegenüber sexistisch benehmen, gewonnen („ach schaut, nun hat man sie züchtig in eigene Zonen gesetzt – wie es sich gehört“) – wer bitte will das hier in Deutschland? Oder spielt gar die grenzenlos-naive Rücksicht auf hier einströmende, andere Kulturen eine Rolle? Auffällig ist es schon, dass nun, wo hunderttausende – illegal eingereiste – und zumeist männliche Personen im Land sind, die mit unserem freien, weiblichen Leben hier eher ein Problem haben, solche Maßnahmen ergriffen werden.

Ein Schelm freilich, wer Böses dabei denkt…!

Und all denen, die jetzt die Stichworte „Frauenparkplätze“ und „Frauensauna“ parat haben: es ist doch wohl ein gewaltiger Unterschied, wenn es separate Sauna-Tage für Frauen, die ihre Nacktheit nicht aller Welt zeigen wollen und auch helle Alternativen zu dunkel ausgeleuchteten Parkplätzen gibt!

In den öffentlichen Raum jedoch – ob in den Zug oder in ein Restaurant – möchte ich mich als selbstbewusst-gleichberechtigte Frau so hinein begeben, wie mir das passt – und der freien Platzwahl in Zügen, Theatern, Cafés & Co.  ausgiebig frönen. Neben Männern, neben alten und jungen Frauen, neben Müttern, neben Senioren – ganz egal. Aber wohl doch nicht separiert, weil FRAU!

Ein Frauenabteil wäre das letzte, was ich mir für mich und moderne Geschlechtsgenossinnen wünsche! Zumal ja die Frage bleibt, ob ich dann gar eine Mitschuld trüge, wenn man mich in einem Zug sexuell belästigt und ich nicht züchtig im Frauenabteil gesessen habe?

Denkt mal drüber nach, liebe „Netzaktivistinnen“, denn: erst denken und dann aufschreien, wäre wohl die klügere Variante (gewesen).

So gerät die absurde „danke-dass-es-nun-Frauenabteile-gibt“-Kampagne in die völlig falsche Richtung. Die doch gerade Feministinnen und nach Gleichberechtigung rufende Frauen so gar nicht würden hinnehmen wollen – oder irre ich mich hier?

Bildnachweis: Fotolia, https://de.fotolia.com/id/12724003

Datei: #12724003 | Urheber: Oliver Klimek

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