„Mütterkrieg“ – wo eigentlich?

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"Mütterkrieg" - eine mediale Erfindung?

Geht es Ihnen auch so? Überall liest man – derzeit mal wieder – Beiträge zum angeblichen „Mütterkrieg“. Es scheint irgendwo ein Parallel-Universum zu existieren, wo ein erbitterter Kampf zu toben scheint.

Frauenmedien phantasieren „Mütterkrieg“ herbei

Vor allem die einschlägigen Frauenmedien werden nicht müde, über einen solchen angeblichen „Kampf“ zu berichten. Bloggerinnen springen auf, Interviews werden geführt und die normale Frau (und Mutter) fragt sich einfach nur: „Mütterkrieg“ – wo findet der eigentlich statt?

Diverse Anlässe werden für „Mütterkrieg“ thematisiert

Selbst das Jubiläum zum Fall der Mauer am 9. November 1989 wird zum Anlass genommen, weiteres vom vermeintlichen Kampfschauplatz zum Besten zu geben. Diesmal freilich gemischt mit den noch immer vorhandenen „Ost- und West“-Themen in Sachen Mütter und Kinder. Verschiedene Familien- oder Müttermodelle, so heißt es, sind Anlass, dass Frauen sich bezicken, bekämpfen, bekriegen. Einen überflüssigen, nölenden Artikel trug denn auch eine gewisse Tanja Prinzessin zu Waldeck bei.

Die – wie viele andere Schreiberinnen auch – auf Sheryl Sandberg, eine Millardärin und Mutter, verweist (…als ob normale Frauen sich mit Sheryl Sandberg vergleichen, hört denn das nie auf?) und obendrein Mütter dazu auffordert, die „Friedenspfeife“ raus zu holen.

Nur – warum soll man ein Friedenspfeifchen rauchen, wenn gar kein Krieg herrschte? Wir haben hierzu nicht nur diverse Mütter eine Weile beobachtet und befragt, nein, auch im eigenen Freundeskreis kann ich keinen „Mommy War“ erkennen.

Viele Möchtegern-Journalisten bei „Mütterkrieg“ vorn dabei

Es scheint mal wieder ein Medienphänomen zu sei, das echte und „Möchtegern“-Journalisten, in die Welt gesetzt haben. Und zu dem nun eben auch jeder und jede seinen oder ihren Senf zugeben kann, siehe die besagte Prinzessin, die ich eher nicht im Lager der Journalisten verorte.

Die normalen Frauen / Mütter „da draußen“ so unsere Recherchen und private Beobachtungen, akzeptieren sich nämlich. Da wird kein Betreuungs-/Erziehungsmodell in Frage gestellt, Mütter, die daheim bleiben, ebenso ernst- und aufgenommen, wie Mütter, die den Nachwuchs schon recht früh in eine Kita geben (wenn sie denn einen Platz finden, aber das ist in diesem unserem Lande ein Thema für sich…). Zudem: es herrscht ein angenehmes Klima. Mütter untereinander helfen sich, plauschen, treffen sich zum Kaffeeklatsch, lachen zusammen und erörtern auch Probleme im Kreis der anderen Mütter.

Es scheint, der „Mütterkrieg“ ist als mediales Phänomen irgendwann erfunden worden um nun – vor allem im Internet – auf Dauerflamme zu kochen. Ich vergleiche das immer mit so Leuten wie Rhianna oer Helene Fischer. Die sind so dauerpräsent und werden dem medialem Konsument derartig plump und leutselig dargeboten („unsere Helene“), dass man meinen müsste, diese Leute sind uns vertraut und leben nur wenige Meter in der Nachbarschaft. Dabei hat die große Masse mit diesen Leuten überhaupt nichts zu tun, nicht wenige interessiert das gleich null.

Ein „Mütterkrieg“ ist nicht vorhanden!

Und so – ein Verdacht! – verhält es sich wohl auch mit dem imaginären „Mütterkrieg“ – er ist im Lande schlichtweg nicht vorhanden und somit auch als medialer Dauerbrenner überflüssig. So sind die allermeisten Mamas nicht, das leben sie nicht. Ähnlich verhält es sich ja auch mit der Präsenz der ewig dauerschlanken Models. Obwohl die Figuren normaler Frauen anders aussehen, werden immer und immer wieder diese unsäglichen Bilder ins Netz und in die Zeitschriften gepumpt. Dass es selbst bei diesen Models und Schauspielerinnen diese Top-Figuren meist gar nicht gibt (Fotoshop sei Dank!) wird in den meisten Fällen geflisstlich verschwiegen.

Statt dessen soll wahrscheinlich jede Frau denken, dass nur sie ein paar Pfunde zu viel hat und alle Welt so perfekt aussieht. Und schnell in die nächste Drogerie oder Parfümerie, besser noch zum Beauty-Doc, eilen, um „was machen“ zu lassen. Das könnte man doch angesichts dieser überflüssigen Artikel und dargestellten Foto-Strecken glatt annehmen – oder?

Klickfishing?

Nur was steckt hinter der Message „Mütterkrieg“? So richtig kann ich mir keinen Reim darauf machen, da derlei Beiträge – in meinen Augen – einfach nur sinnlos sind und lebensfrohe Mütter das `eh ignorieren und / oder weglachen.

Vielleicht möchte man ja auch nur Leserinnenzahlen oder Millionen Klicks ind und auf diversen Mama-Magazinen, print und online, generieren? Und somit Mütter bewusst provozieren und herausfordern? Oder Personen, die ein „C-Promi“-Dasein fristen, prominenter machen und / oder Frauen, die sich `eh gern medial hervortun, pushen?

Man weiß es nicht. Es könnte aber eine Erklärung für den „Mütterkrieg“ sein.

Übrigens: auch das Wort „Mama“ selbst bringt manche offenbar zum Überschäumen – siehe hier.

Bildnachweis: Fotolia, http://de.fotolia.com/id/31029639 – #31029639 – © Robert Kneschke

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