Das Glück nur in sich selbst finden können – ist das wirklich richtig?

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Ein Gastbeitrag von Carola

Wer kennt sie nicht, die ewigen Beschwörungen, die Psychologen und Berater immer wieder wie ein Mantra aufsagen: „Du musst das Glück nur in Dir selbst finden“?

Meist richten sich diese Art Ratschläge an Leute in schmerzhaften Situationen, wie Trennungen, Liebeskummer, Singlefrust & Co.

Ich habe über diesen Tipp – um den herum es auch massenhaft Bücher gibt – mal genauer nachgedacht. Ich für mich komme zu dem Schluss, dass das nicht stimmt.

Zu dieser Erkenntnis gelangte ich dieser Tage, nach einem heftigen Streit mit meinem Partner.

Ich bin eine ganz normale junge Frau, mit meinem Leben zufrieden, beruflich sowie privat. Kinder habe ich noch keine. Mit mir – das kann man so sagen – bin ich rundum zufrieden. Ich habe weder mit meinem Äußeren Problem, noch mit meiner Figur und auch familiär läuft es bestens.

Ich ruhe also in mir, bin glücklich, zufrieden, ausgeglichen.

Wie wäre das aber, wenn ich wieder alleine wäre, die Beziehung zu meinem Partner in die Brüche gehen würde? Diese Art Kopfkino hatte ich nach dem besagten Streit.

Ich hätte wahrscheinlich eine derart stabile Psyche, dass mich eine Trennung nicht ewig und drei Tage aus der Bahn werfen würdet, obwohl ich sicherlich schon heftig daran zu knabbern hätte.

Aber – ich spinne mal weiter: irgendwann wäre der Liebeskummer vorüber und ich hätte meinen „alten“ Status wieder: zufrieden, ausgeglichen, ohne lebensbedrohenden Probleme – alles im Lot.

Aber würde ich auf diese Art tatsächlich das „Glück nur in mir selbst“ finden? Wäre ich wirklich SO glücklich, dass mir eine Partnerschaft nicht fehlen würde? Ich weiß natürlich schon, worauf die vielen Experten-Tipps abzielen: man gewinnt keinen Blumentopf als schlechtgelaunte, mürrische Person, die vielleicht noch emotional instabil und nicht mit sich im reinen ist – schon klar.

Aber auch wer – ideell und auch materiell gesehen – alles hat, wird nicht automatisch das „Glück in sich tragen“. Es sei denn, es ist ein Mensch, der sich dazu entschieden hat, sein Leben ganz bewusst allein zu gestalten.

Das dürften allerdings die wenigsten Leute sein…!

Insofern wage ich mal die steile These, dass wohl die Vollkommenheit des „glücklich seins“ sehr wohl mit einem zweiten Menschen – einem Partner – zu tun hat.

Natürlich kann es sein, dass ob dieser Überlegung der eine oder andere aus der Beratungs-Szene sofort aufschreit und diesem Gedankengang so gar nichts abgewinnen kann, frei nach dem Motto: „wie kannst Du als Frau Dein Glück von einem Mann abhängig machen?!“

Nun gut – das mag dann so sein.

Ich habe ja diese These nur mal so allein für mich aufgestellt und mir ein Szenario vorgestellt, das mich in einem Leben allein mit mir zeigt.

Was würde mir die ganze Ausgeglichenheit, die Zufriedenheit, das gute Leben denn bedeuten, wenn ich es mit mir allein verbringe? Auf lange Zeit oder – mal ganz schwarz gemalt – für immer?

Es würde definitiv IMMER ein Aspekt des „Fehlens“ in meinem Leben sein – der Aspekt einer fehlenden Partnerschaft. Die könnten – meiner Meinung nach – auch gute Freunde und eine tolle Familie niemals ersetzen, obwohl es sich natürlich besser mit einem angenehmen sozialen Umfeld lebt, schon klar.

Nur würde eben – für mich – das Glück nicht vollkommen sein, wenn ich ansonsten allein, ohne Partner, wäre. Allein mit meiner Zufriedenheit, in einem schönen Zuhause, mit genügend finanziellen Mitteln.

Ob man das nun „nicht richtig glücklich“ oder aber „nicht ganz zufrieden“ oder gar „unzufrieden“ nennt, ist eigentlich egal.

Fakt ist: mir persönlich fehlte dann was, vollkommen glücklich wäre ich nicht. Auch wenn noch so viele Experten und Buchautoren der Meinung sind, das Glück findet ein jeder von uns ausschließlich nur in sich.

Wenn es so wäre, hätte wahrscheinlich die Natur von Anfang an eine Singlegesellschafft ohne Fortpflanzungsmöglichkeiten geschaffen. Ist meine These. Dass sie genau so steil ist, wie die der Experten und Berater ist mir klar.

Aber so ist es eben.

Bildachweis: pexels.com

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1 Kommentar

  1. Julia

    26. Oktober 2017 at 19:07

    Da das lediglich das eigene Empfinden ist und man ganz klar merkt, dass das mit den sich selber finden noch nicht passiert ist und somit dieser eine Schalter im Hirn sich umstellt, kann ich die Argumentation verstehen. Den das Glück in sich selber finden passiert nicht einfach, es beginnt mit der Umstellung seiner Gedanken. Es ist eine Umprogrammierung von übertragenen Werten und Prägungen, die man über der Jahre ausgesetzt war. Solange man der Meinung ist und sich mental auch nicht auf den Gedanken einlässt, dass man das Glück in sich selber finden kann, wird es nicht passieren. Es ist eine Tür, die sich nur öffnet, wenn man geistig dafür bereit ist. Gerade in Zeiten der Trauer ist man bereit etwas im Leben zu ändern, weil da der Leidensdruck am stärksten ist. Ich stand immer wieder vor dieser Tür, jahrelang war sie verschlossen und dachte ähnlich. Erst als ich bereit war alles loszulassen, Werte, Ideale, Prägung und Wünsche, alles was mich die Jahre vorher ausgemacht hat, öffnete sie sich. Es war und ist die großartigste Erfahrung meines Lebens (da kommt kein Mann mehr dran). Ich veränderte mich und danach änderte sich alles, wenn man jeden tag auf einem sehr ohen Zufriedenheitslevel ist, mit immer wieder kleinen bis großen Kicks, fehlt einem nichts. Es ist in der Tat so, auch andere berichten darüber. Hat man sich einmal erst selbst gefunden, kann man nichts mehr verlieren. Keine Verzweiflung, Traurigkeit derman freundlich die Hand reicht, keine Probleme, da sie mehr als Herausforderung gesehen werden, die es zu bewältigen geht und keine negativen Gedanken. Mit einem Partner an der Seite lebt man in einer kleinen Blase, die auch schön sein kann. Aber findet man das Glück in sich selbst, eröffnet sich ein Universum. Fragt man mich was mir lieber wäre, eine Mann mit Familie (den Weg bin ich schon gegangen und es waren schöne Jahre) oder den Weg danach, dann würde ich jetzt immer wieder diesen Weg wählen. Daher kann ich es auch verstehen, dass man selber lieber den Weg geht, den man schon gegangen ist, aber über den anderen Weg zu urteilen, den man gar nicht kennt, sind halt eben nur reine Spekulationen und die Offenbarung dieser Erfahrung bleibt einem vielleicht ewig verborgen.

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