„Die Hetze hörte nicht auf“ – Verona Pooth schildert in ihrem Buch perfide Lügen der Medien

Von  |  0 Kommentare
Verona Pooth

Machte üble Erfahrungen mit Medien: Verona Pooth

Lange bevor auf dem politischem Parkett der Begriff „Lügenpresse“ auftauchte, machte Verona Pooth – damals noch Feldbusch – ihre ganz speziellen Erfahrungen mit der Presse. Denn die lange Zeit allseits gehypte Werbe-Ikone hatte durchaus auch Phasen, in denen ihr die Medien nicht wohlgesonnen waren. Umfangreiche Zeilen hat sie wohl deshalb  in ihrem aktuellen Buch „Nimm Dir alles, gib viel“ den Medien gewidmet.

Buch von Pooth ist unterhaltsam – doch Medien-Erfahrungen lesen sich ernst

Das Werk selbst ist recht unterhaltsam. Vor allem für Leute, die schon immer mal wissen wollten, wie das eigentlich alles so war. Mit dem Kennenlernen und der Blitz-Ehe mit Produzent Dieter Bohlen, wie sie zu Franjo Pooth kam und wie sich das – auch interessant! – gestaltete, dass sie über lange Zeit lukrative Deals wie am Fließband an Land zog. Denn bekanntlich regnete es für Verona Feldbusch am laufenden Band Geld. Selbst heute dürfte sie noch das eine oder andere gute Geschäft machen.

Aber zurück zu den vergangenen Zeiten, die Verona Pooth in ihrem Buch beschreibt.

Zeiten, in denen eben auch die Medien ihre häßliche Fratze zeigten. Und das, obwohl sie die damalige Feldbusch, die eine Zeitlang Bohlen hieß, stets immens unterstützt haben. Das beschreibt Pooth eingangs in dem Kapitel, in dem es um die Medien geht. Es trägt den Titel: „Die Fratze des Boulevards“ und beginnt damit, wie Pooth die Krankheit ihrer Mutter beschreibt – Demenz.

Verona Pooth schreibt offen über Krankheit ihrer Mutter

Seinerzeit hatte sie, noch bevor sie von der mütterlichen Krankheit wusste, eine Wohnung in Hamburg-Winterhude für ihre Mama gekauft. Ein Erstbezug, den sie – wie sie in ihrem Buch schreibt – liebevoll einrichtete. Doch die Demenz ihrer Mutter schritt fort, zeitgleich erkrankte auch ihr Vater schwer.

„Mit meinem Papi ging es körperlich bergab, mit Mamita geistig.“

so beschreibt Verona Pooth diese Zeit in den frühen 2000ern.

Die Krankheit der Mutter steht auch im Zusammenhang mit ihren harten Worten in Sachen Medien. Deren Gebaren hat sie unter der Überschrift

„Den Lügen ausgeliefert“

zusammengefasst. Es geht auch um die BILD.

BILD war Pooth lange Zeit gut gewogen, irgendwann änderte sich das

In diesem Abschnitt des Buches geht Verona Pooth zunächst darauf ein, dass die BILD ihr lange Zeit gut gewogen und immer für eine nette Story zu haben war. Sie schreibt auch, dass diese Zeitung damals auch als ihr „Promo-Fels in der Brandung“ fungierte. Das änderte sich, als die damalige Feldbusch ihre Verlobung organisierte, zu der weder ihre Mutter noch ihr Vater aus gesundheitlichen Gründen kommen konnten.

Diesen Umstand nahm – so schreibt es Pooth – die BILD zum Anlaß, zu behaupten, dass Verona sich von ihrer Mutter distanziert hätte und diese ihr wohl nicht schick genug für die eigene Verlobungsfeier wäre. Den Zeilen Pooths nach verfielen sie „alle in den gleichen Tenor“. Mit „alle“ meint sie die Yellow-Press, die laut Verona „ihre Fratze zeigte“. Am Anfang des Kapitels schreibt sie über diese Art Medien:

„Sie logen, betrogen, traten meine Seele mit ihren schmutzigen Geschichten, sie trieben mich in die dunkelste Ecke der Verzweiflung, sie zwangen mich zuzuschauen, wie erst Mamitas Verstand verschwand, dann ihre Liebe und schließlich sie selbst von dieser Erde“

Über die Yellow Press schreibt Pooth weiterhin, dass diese schrieben:

„Ich würde mich für meine Mutter schämen, hätte vergessen, wo ich herkomme. Ich wäre jetzt Millionärin, während sie verwahrlost und alkoholisiert in einem Sozialbau lebt. Diese von mir liebevoll eingerichtete Eigentumswohnung sollte nun plötzlich ein Sozialbau sein. Es riss mir fast den Boden unter den Füßen weg. Wie konnten diese Magazine nur so viele entsetzliche Lügen zu Papier bringen? Die Verleumdungen hörten nicht auf, alles gipfelte in einem Artikel, der grausamer die Grenze von Moral und Anstand nicht hätte überschreiten können. Wenn ich an dieser Stelle einen Wunsch äußern darf, dann den, dass in Deutschland keiner mehr am Kiosk zu billigen Trash-Magazinen greift. Schmierblätter, die keine zwei Euro kosten und von unterbezahlten Märchenerzählern wöchentlich mit nichts außer Lügen zusammengeschustert werden.“

Verona Pooth schreibt in Sachen Medien über „Grenzverletzung“

Nach diesen Zeilen beschreibt sie eine Szene, die exemplarisch für das steht, was Pooth mit „Grenzverletzung“ meint. Ein – wie Verona Pooth schreibt – „Schmierenreporter“ passte ihre Mutter, die an einem Frühlingstag in einem viel zu warmen Mantel in den Supermarkt ging, ab und drückte ihr eine Flasche Alkohol in die Hand. Dann fotografierte er die ältere Dame mit dieser Flasche Schnaps und auf dem Foto wirkte es freilich so, als ob eine verwahrloste Feldbusch-Mama sich dem Suff hingab.

Über dieses Foto, zu dem es dann einen entsprechend verdrehten Artikel gab, schreibt Verona Pooth in ihrem Buch folgendes:

„Der Artikel mit den Fotos ließ mir das Blut in den Adern gefrieren, denn sie titelten etwas wie „Verona Feldbuschs Mutter: verwirrt, alleine vor dem Supermarkt, total betrunken!“

Ihre Hochzeit musste Verona Pooth letztlich ohne ihre Eltern feiern – ihr Vater starb zuvor und der gesundheitlich schlechte Zustand ihrer Mutter war so weit fortgeschritten, dass sie sich – demenzbedingt – auch in ihrem Verhalten änderte und der Hochzeit fernblieb.

Über den Tag der Zeremonie schreibt sie denn ob der Umstände auch folgendes:

„Ich gab Franjo das Ja-Wort ohne meine Eltern. Es war ein bittersüßer Tag.“

Die Medien nahmen die Zeremonie zum Anlass, erneut Schmutzgeschichten über Verona, die nun Pooth hieß, zu schreiben. Im Buch heißt es dazu:

„Wieder war überall zu lesen, dass meine Mutter keine Hochzeitseinladung erhalten habe, dass sie nicht salonfähig wäre und ich mich für sie schämen würde. Dazu druckten sie Bilder, auf denen meine schöne Mamita schlecht und mitgenommen aussah.“

Und dann kommt ein Satz, den politische Akteure heute wahrscheinlich ganz genau so unterschreiben würden:

„Ich frage mich, ob diese „Journalisten“ morgens im Spiegel wohl auch eine Fratze sehen.“

Pooth beschreibt, wie sie höchstpersönlich Verlagschefs und Reporter anrief und sie fragte, „ob sie sich nicht schämen, eine alte wehrlose Dame so vorzuführen?“. Die aber redeten sich raus. Eine Masche, die an heute erinnert, vor allem in Sachen der politischen Berichterstattung.

„Hetze hörte nicht auf“

„Die Hetze hörte nicht auf“ beschreibt die Prominente die Zeit, in der ihre Mutter gesundheitlich abbaute und die Medienvertreter ihre Mutter unverfroren belauerten und ihr Worte in den Mund legten, die sie so nie gesagt hatte.

Das perfide Treiben mancher Pressevertreter hörte auch nicht auf, als die Mutter von Pooth 2015 starb. Werbe-Ikone Verona ließ ihr einen großen weißen Mamorstein fertigen, mit einer in Handarbeit eingearbeiteten kupferfarbigen Rose. Zunächst bekam  aber das Grab – so wie es üblich ist, wenn es frisch aufgeschüttet wird – ein schlichtes Holzkreuz. Zudem muss sich die Erde bei einem frischen Grab erst legen, so dass es bis zu zwölf Monate dauern kann, bis ein Fundament gegossen werden und die Grabstätte so wie vorgesehen hergerichtet werden kann.

Diesen Zeitraum musste auch Verona Pooth abwarten, was einen Reporter der Zeitschrift CLOSER veranlasste, sich zu dem Grab zu schleichen, es zu fotografieren und daraus eine Lügenstory zu basteln. Pooth schreibt:

„Ich wäre herzlos und meine tote Mutter mir nur ein Holzkreuz wert. Er schrieb, ich hätte sie vergessen. Es war das Respektloseste, was ich je gelesen habe. Mamita war tot und trotzdem hörten sie nicht auf, uns mit Dreck zu bewerfen. Jetzt gingen sie sogar über Leichen.“

In einem weiteren Kapitel beschreibt Verona Pooth das Gebaren der Presse, als die Firme ihres Mannes Franjo in Schwierigkeiten kam. Auch hier war man wohl darauf bedacht, das Promi-Paar medienmäßig mit Schmutz zu bewerfen. Pooth geht einmal mehr auf das unmögliche Gebaren der Presse, die es wohl gern gesehen. hätte, wenn die VIP-Frau sich von ihrem Ehemann getrennt hätte, ein.

Medien fielen auch in Sachen Maxfield GmbH über Ehepaar Pooth her

Wen dies weiterführend interessiert, dem sei die Lektüre des Buches ans Herz gelegt. Denn: spannend ist es allemal zu lesen, wie es bei dem erfolgreichen Werbestar hinter den Kulissen zugeht.

Allerdings möchte ich es nicht versäumen, diesbezüglich einen Satz aus Pooths Buch zu zitieren, der es einmal mehr in sich hat. Im Zusammenhang mit den wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die Franjo Pooth mit seiner damaligen Firma Maxfield GmbH zu bewältigen hatte, schreibt sie folgendes:

„Wie ein blutiges Stück Fleisch filetierte man unser Leben.“

Diese und andere Passagen zum Thema Medien im aktuellen Buch von Verona Pooth zeigen: es hat die „Lügenpresse“ schon gegeben, bevor man dieses Wort in Sachsen erstmals öffentlich sagte.

Und – leider – hat sich das bis dato nicht geändert.

Das Buch „Nimm Dir alles, gib viel“ von Verona Pooth, das unter Mitwirkung von Johanna Völkel entstand, ist im mvgverlag erschienen.

Bildnachweis: (c) dpa

 

 

"

Frauenpanorama unterstützen? Über eine Spende freut sich Frauenpanorama.de

Frauenpanorama unterstützen? Über eine Spende freut sich Frauenpanorama.de

Hinterlassen Sie ein Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.