Für 370 Kilometer einfach Taxi nehmen: Die wahnwitzigen Ideen der „autofrei leben“-Aktivisten

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In der Online-Ausgabe der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG Magazin erschien am 7. Februar 2022 ein Interview mit Aktivisten der „autofrei leben“-Initiative. Beteiligt waren Andrea Herrmann, Mitglied und Regionalgruppenleiterin des Vereins „autofrei leben“, Heiko Bielinski, Autor des Buches „Einfach autofrei leben“, Regine Gwinner, Redakteurin in der Nachhaltigkeitsagentur „Fairkehr“ und Vincent Konrad, der das Buch „Ein Leben ohne Wagen wagen“ geschrieben hat.

Im Interview mit der SZ wurden sie im Zusammenhang mit vielen Alltäglichkeiten, für die der gemeine Steuerzahler sein Auto von A nach B bewegt (oder soll man schon sagen: „noch bewegen darf“?), konfrontiert und sollten daraufhin ihre Sichtweise darlegen, wie all diese Erledigungen autofrei vonstatten gehen sollen.

Autofrei leben: Das gefällt nur wenigen und ist zudem realitätsfremd

Die Antworten waren teilweise extrem erschreckend und offenbaren eine Sichtweise, die sich auf ganzer Linie dem Rückschritt denn dem Fortschritt hingibt. Nachfolgend zeigen wir Ihnen einige Aussagen dieser radikalen Aktivisten (eigentlich würde „Extremisten“ besser passen!) auf.

Thema Urlaub. Hierzu befragt, schlägt zum Beispiel Regine Gwinner vor, das Fahrrad kurzerhand für eine Urlaubsfahrt ans Meer zu nutzen. Ja – Sie lesen richtig: Ans Meer!

Zitat Frage der SZ:

„SZ-Magazin: Was, wenn ich wegen der Pandemie fürchte, mich anzustecken – und deshalb nicht mit dem Zug oder dem Flugzeug in den Urlaub fahren will?“

Darauf erfolgt die erwähnte Antwort und zwar so:

„Regine Gwinner: Ist mir Zugfahren zu gefährlich, etwa wenn ich auch nicht mehr ins Restaurant gehe, nicht in die Oper oder ins Kino, und auch keine Freunde mehr treffe, dann ist Urlaub eh keine sichere Option. Dann fahre ich mit dem Rad von zuhause aus los – zum Beispiel bis ans Meer, oder Freunde in Deutschland besuchen.“

Eine solche Antwort braucht man nicht mehr zu kommentieren, hier stehen Ideologie und Verblendung für sich, gepaart mit absoluter Weltfremdheit und der fehlenden Kenntnis über das Alltagsleben deutscher Familien, die im Schnitt zwei Kinder haben.

Wer bitte fährt mit dem Rad ans Meer?

Wahrscheinlich ist Frau Gwinner Single oder/und kinderlos und kann sich nicht im entferntesten vorstellen, dass der typischen Durchschnittsfamilie hierzulande wohl kaum etwas ferner liegt, als mit Kind und Kegel per Rad ans Meer zu fahren. Solchen exaltierten Aktivitäten dürfte sich doch wohl nur eine Mini-Minderheit widmen.

Aber der Wahnwitz steigert sich noch.

Auf die Frage der SZ:

„Der Vater oder die Mutter, die 370 Kilometer entfernt leben, erleiden einen medizinischen Notfall, und man muss wirklich schnell bei ihnen sein. Wie klappt das ohne Auto?“

antwortet Andrea Herrmann:

„Falls es wirklich sehr, sehr schnell gehen muss, kann man das Taxi auch für weite Strecken nehmen (….)“

Diese Antwort ist nicht nur absolut realitätsfremd, sondern auch ziemlich arrogant. Frau Herrmann setzt offenbar voraus, dass der deutsche Otto Normalo mal eben Hunderte Euro für ein Taxi ausgeben kann, wenn ein Notfall eintritt! Irre – einfach nur irre!

Aber der „autofrei“-Spuk geht weiter.

Gefragt nach der „autofrei“-Idee im Winter, Zitat:

„Was tun, wenn es im Winter kalt und rutschig ist und Fahrradfahren zu gefährlich?“

Mit dem Rad durch Schnee und Eis?

antworten die drei Weltfremden:

Andrea Herrmann: So eine Wetterlage ist in Deutschland sehr selten. Im Winter ist es oft kalt und trocken, oder es ist warm und regnet, oder es ist kalt und liegt Schnee, aber dann ist der schön griffig. Unangenehm wird es mit Glatteis oder Schneematsch, am schlimmsten ist wieder angefrorener Schneematsch. Aber: Wenn es zu glatt für das Fahrrad ist, ist es auch zu glatt für Autos und fürs Zufußgehen.

Regine Gwinner: Es gibt Winterreifen fürs Fahrrad, die bei Glatteis Sicherheit geben, aber in den meisten Jahren lohnt es sich gar nicht, die Spikes aufzuziehen, weil es gar nicht so viele Tage mit Schnee und Eis gibt.

Heiko Bielinski: Zu kalt muss schon sehr kalt sein.“

Den enormen Wintereinbruch letztes Jahr in vielen Regionen Deutschlands haben die „autofrei“-Spinner offenbar verschlafen und wahrscheinlich sind ihnen Regionen wie der Harz, das Allgäu oder das Erzgebirge fremd!

Weiter geht es im SZ-Interview mit dem Thema „Einkäufe“. Die Antworten von Andrea Herrmann sind hier einmal mehr bezeichnend.

Getränke kaufen viele Leute gleich in Kästen – mit Auto

Auf die Frage:

„Wie bekomme ich Möbel oder sonstige Großeinkäufe nach Hause?“

antwortet sie:

„Ich mache keine Großeinkäufe, die dann für einen Monat reichen sollen, sondern nehme etwa die Getränke beim Getränkemarkt auf dem Rückweg von der Post mit, wenn ich sowieso dort vorbeikomme. Das sind dann üblicherweise zwei Flaschen, weil ich den Weg regelmäßig mache.“

Die gute Frau ist offenbar – wie so viele linksgrünbunte Traumtänzer – Single. Nur dann kann man mal eben im Vorbeigehen zwei Flaschen Getränke einkaufen und am nächsten Tag wieder. Schon die meisten Paare, ganz bestimmt aber Deutschlands Familien, dürften ihre Getränke in Kästen kaufen – meist auf Vorrat für die ganze Woche oder gleich den ganzen Monat. Logisch, dass es dafür ein Auto braucht.

Doch die Realitätsferne der „autofrei“-Befürworter endet auch hier noch nicht, der Irrsinn geht weiter.

So antworten auf die Frage

„Wie kommt das Kind zum Sporttraining, wenn die Zeit knapp und die ÖPNV-Verbindung nicht optimal ist?“

die Aktivisten folgendes:

„Andrea Herrmann: Sporttraining ist ja eine regelmäßige Sache. Da findet sich schon etwas: Fahrrad oder Mitfahrgelegenheit.

Regine Gwinner: Gegenfrage: Wer hat genug Zeit, seine Kinder regelmäßig durch die Gegend zu fahren? Ist das typische Muttertaxi-Modell nicht veraltet? Das kleine Kind wird im Radanhänger transportiert, größere Kinder fahren selbst Rad oder Bus oder gehen zu Fuß.

Heiko Bielinski: Meine Empfehlung ist, es nicht so weit kommen zu lassen: Lieber schauen, dass der ganze Familienalltag im nahen Umfeld stattfinden kann. Das sorgt für kurze Wege, und wenn die Kinder groß genug sind, können sie die allein zurücklegen. Statistisch legt man in Städten übrigens Wege bis zu sechs Kilometer mit dem Rad schneller zurück als mit dem Auto.“

Die vorgenannten realitätsfernen Antworten dürften schon mal für die meisten Land- und Vorstadt-Bewohner eine ziemlich Ohrfeige sein, denn weder kann man kleinere Kinder über Land mit dem Fahrrad fahren lassen, noch gibt es immer Mitfahrgelegenheiten.

Kinder durch Parks zu schicken ist gefährlich im bunter werdenden Land

Meistens fahren die Elternteile aus verschiedenen Dörfern zu einem Trainingsverein, Mitfahren ist da häufig umständlich und gar nicht praktikabel. Ebensowenig kann man im ländlichen Raum sämtliche Familienaktivitäten „ins Umfeld“ verlegen.

Ebenso von Realitätsferne und der Abwesenheit einer Wahrnehmung für Gefahren geprägt ist die nächste Antwort der Aktivistin Herrmann (garantiert kinderlos, wetten…?!), die sie auf folgende Frage gibt:

„Was, wenn der Schulweg des Kindes zu Fuß oder mit dem Fahrrad einfach zu gefährlich ist?“

Antwort Andrea Herrmann:

„Es gibt eigentlich immer Wege durch Parks oder Nebenstraßen, die man nehmen kann. Ein kleines Kind würde ich erstmal begleiten, bis es den Weg und seine Gefahren kennt.“

Da die „autofrei“-Aktivisten zur selben Liga wie die Willkommensklatscher gehören dürften, verwundert so eine törichte Antwort nicht. Für die ist die Welt bunt – immer und überall. Die Meldungen von #EinMännern, die Kinder selbst auf dem Schulweg überfallen, sickern bei den Gutmenschen bekanntlich nicht durch oder werden von dieser Klientel als „Einzelfälle“ dargestellt.

Ein Auto ist auch Freiheit

Fakt ist: Wer Sicherheit, Flexibilität, Freiheit und Unabhängigkeit mag, kommt um ein Auto nicht herum. Heute nicht und auch nicht morgen. Wenn überhaupt, werden sich solche absurden Maßnahmen nur in Shitholes wie Berlin durchsetzen lassen – wo das Gros dieser Öko-Spinner lebt.

Allerdings: Selbst dort dürften sie in der Minderheit sein, siehe das Beispiel Friedrichstraße. Hier wurde von den üblichen Verdächtigen trotzköpfig eine temporäre Sperrung für Autofahrer durchgesetzt und die Autofahrer kurzerhand ausgesperrt. Die Aktion floppte natürlich und kam weder bei Leuten die shoppen wollten, noch bei den Händlern gut an. Ähnlich wird es demnächst bestimmt auch Mannheim ergehen, auch dort zieht man die Zügel für die Autofahrer an und will auf Teufel komm raus einen auf „Autofreie Innenstadt“ machen.

Ähnlich absurd agiert man aktuell auch in Leipzig, wo man vom großen Innenstadtring, auf dem täglich zehntausende Autos fahren, einfach einen Streifen wegnehmen will, um Radfahrern entgegen zu kommen. Selbst der ADAC läuft dagegen Sturm und bittet den Oberbürgermeister darum, den geplanten Radstreifen dort nicht umzusetzen.

Aber wie das immer so ist: Man möchte ideologisch-linksgrünbunte Ideen auf Biegen und Brechen durchsetzen – gegenwärtig vor allem gegen die Autofahrer. Die wiederum werden allerdings mitnichten auf Drahtesel umsteigen, sondern sich Wege zu ihren Zielen suchen. Oder im Extremfall autofreie Innenstädte dann sowieso meiden. Schon heute shoppen viele Menschen online oder fahren ins Ausland, um bummeln zu gehen. Corona mit seinen Schikanen hat das seine dazu getan, den Rest erledigen überteuerte Parkgebühren und die grün-feuchten „autofrei leben“-Träume.

Auch Autofahrer haben Alternativen zu „autofrei leben“-Schikanen

Offenbar ist den Aktivisten gar nicht klar, dass auch Autofahrer – zumindest noch – Alternativen haben. Die vielgepriesene Verkehrswende ist deshalb keine, sondern nur ein von einer kleinen Gruppe geträumter Öko-Traum. Oder kennen Sie Leute, die darauf scharf sind, an der Verkehrswende mitzuwirken und ihr Auto gegen ein Fahrrad oder Lastenrad eintauschen wollen? Ganz bestimmt nicht.

Die „autofrei leben“-Aktivisten täten deshalb gut daran, einfach mal aus ihrer (Großstadt)Blase herauszutreten und sich den Alltag deutscher Familien anzusehen. Gleichgesinnte „was-mit-Medien“ oder „was-mit-Klima“-Menschen werden sie da draußen kaum treffen, sondern bodenständige Leute, die noch rustikale Jobs fernab von Gender, Gleichstellung, Diversität, Klima- Öko und „Demokratie leben“-Gedöns verrichten.

Wahrscheinlich wäre es ein Schock für die Öko-Spinner – würden sie sehen, in welcher Minderheiten-Liga sie spielen!

Bildnachweis (Symbolbild): picture alliance/dpa | Lennart Preiss / Screenshot sz-magazin.sueddeutsche.de vom 07.02.22

Recherche-Nachweis: sz-magazin.sueddeutsche.de vom 07.02.22

 

 

 

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Thomas Morian
Thomas Morian
10 Monate zuvor

„Ich kann es mir nicht vorstellen, also ist es nicht möglich! “
Jeder der es trotzdem macht ist also ein „Öko-Spinner“, „weltfremder“, o.ä.
Hunderte Euro für eine Taxifahrt im Notfall gehen nicht, aber Tausende Euro für ein Auto anzuschaffen und mehrere Hundert Euro jedes Jahr für Unterhalt ist dann wieder kein Problem. Wenn ich kein Auto besitze ist so eine Taxifahrt von dem eingespartem Geld kein Problem.
Fahren, „wenn der ÖPNV nicht optimal ist“,geht nicht, aber losfahren und dann im Stau stehen ist o.k.. „Stand im Stau“ klingt halt besser als „bin zu unkoordiniert aus dem Haus.

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