„Ich mache so manche Nacht im Atelier durch“

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tina_aktuellSchmuck, Taschen und Geldbörsen in allen erdenklichen Farben – dies und mehr stellt Tina Schneider in echter Handarbeit für ihre Kundschaft her.

Die Unikate werden aus allen Teilen der Welt bei ihr bestellt und entstehen ganz oft nachts. Doch Tina, die mit ihrer Familie in der Schweiz lebt, frönt noch einer anderen Liebe: der Malerei. Wie sie ihre Kreativität auslebt und ihr Schaffen mit dem Mama-Dasein unter einen Hut bringt, hat uns die – bereits mit einem bayerischen Kunstpreis geehrte – Powerfrau im Interview erzählt.

FP: Tina, Du stellst Geldbeutel, Taschen und auch Schmuck her – alles Unikate. Wie kam es dazu und seit wann machst Du das?

TR: Schon als Kind habe ich viel gebastelt, täglich gemalt und alles an kreativem ausprobiert, was mir in die Hände fiel. Die Liebe zum Selbermachen ist geblieben, die Vorliebe für einzigartige Stücke, die dennoch alltagstauglich sind, kam irgendwann von alleine.

Bereits in den frühen 90ern habe ich für Taschengeld kleinere Kunstprojekte für Bekannte meiner Eltern erarbeitet. Und auch schon damals auf Kunsthandwerker-Basaren meine selbstgemalten Seidenkrawatten und Halstücher und Fimo-Broschen und Perlenschmuck verkauft.

Nach einigen Jahren habe ich mit der Malerei begonnen und zahlreiche Kurse belegt, wobei schnell klar war: abstrakter Expressionismus ist mein Ding!

FP: Die Gestaltung Deiner designten Stücke ist sehr farbenfroh und hebt sich wohltuend vom oft grauen Einerlei (vor allem bei Geldbörsen) ab. Ist das eher Kundenwunsch oder eine Vorliebe von Dir? 

TR: Genau das graue Einerlei ist etwas, was in meiner Welt nur wenig Platz hat. Und da ich selten fertige Dinge (z. B. Geldbeutel, Handtaschen & Schmuck) finde und fand, die ich für mich suchte, mache ich diese Dinge einfach selbst – und dann gerne bunt.

Außerdem kann ich so viele Details berücksichtigen, die man beim Kauf „von der Stange“ hinnehmen muss, so wie der Hersteller sie vorgibt – Ringgrößen, Farbe der Schmuckfassung oder Anzahl der Reißverschlussfächer im Geldbeutel sind hier nur wenige Beispiele.

Ich bin großer Desigual-Fan der ersten Stunde. Leider sind mir die Artikel mittlerweile für Individualisten zu weit verbreitet – ganz abgesehen vom Preis-Leistungsverhältnis.

Meine Kunden wissen bei meinen Produkten hingegen zu schätzen, dass sie mit jedem Abstraktina-Stück ein absolutes Einzelteil besitzen und sie im Rahmen von Auftragsarbeiten außerdem bezüglich Gestaltung, Farbe und Material ihre Vorstellungen mit einbringen können. Dass das natürlich seinen Preis hat, ist selbstredend.

FP: Wie gehst Du die Planung der farblichen Zusammenstellung Deiner Stücke an Bauchgefühl oder eine bestimmte rationale Strategie?

TR: Das ist unterschiedlich. Wie auch bei meinen Bildern, habe ich immer mal einen Titel für ein Teil im Kopf, der sich dann natürlich – z. B. auf die Farbauswahl – auswirkt.

Andersrum geht es aber auch:  ich habe immer wieder bestimmte Farbkombis –  oft von der Natur inspiriert – die ich umsetzen möchte. Der Titel des fertigen Stückes ergibt sich dann wie von selbst.

FP: Bist Du schon immer auf dem Parkett der Kreativität zuhause? Wo liegen Deine beruflichen Wurzeln?

TR: Ich habe nach der Mittleren Reife zunächst eine Ausbildung zur Restaurantfachfrau in einem 5*-Hotel in München absolviert.

Kreativität und Kunst spielten in der Zeit eine Nebenrolle – und waren doch immer präsent.

Nach meinen Umzügen nach London und Frankfurt, und meinem endgültigen Abschied aus der Hotellerie, hat die Kunst wieder mehr Platz bekommen und in meinem kleinen, aber feinen, Atelier habe ich abstrakten Expressionismus auf Leinwand gebannt und dank eines wunderbaren Kunstprofessors und Galeristen weltweit verkauft.

Immer aber nebenberuflich, ein Kunststudium mit der vielen Theorie und Kunstgeschichte war noch nie mein Plan gewesen.

Gekrönt wurde meine Arbeit 2006 mit dem bayerischen Kunstpreis „Baustelle Lenbach“.

FP: Wie lange braucht es, bis ein handgemachter Artikel den Weg zum Kunden antritt?

TR: An meinen Bildern, die häufig aus bis zu 30 Farbschichten bestehen, male ich durchschnittlich 20- 50 Stunden, je nach Größe und Aufwand.

An einem aktuellen Werk im Zentangle (c) Stil für unser eigenes Zuhause habe ich bereits knapp 200 Stunden gearbeitet – und noch ist es nicht fertig…Für die Größe von 60 x 90cm ist es definitiv das bisher aufwändigste Werk.

Ich habe aber auch schon Bilder direkt beim Kunden gemalt. Das ist zwar die Ausnahme, aber das Bild war einfach zu groß fürs Atelier, also wurde der Bestimmungsort zum Atelier umfunktioniert.

Abstraktina-Schmuck aus polymer Clay (im deuschen Raum unter der marke „Fimo“ bekannt) entsteht wie alle anderen Abstraktina-Stücke in reiner Handarbeit.

Zwei bis drei Abende für ein Schmuckstück darf man da einplanen.

Und die beliebten Geldbeutel brauchen vom Zuschnitt der mindestens 35 Einzelteile bis zum Foto des fertigen Hinguckers zwischen 6 und 8 Stunden – auch hier je nach Ausstattung, wie ein externes Reißverschlussfach mit Auszug, Trageriemen oder zusätzlichen Kreditkartenfächern.

Ich verschicke versandfertige Stücke 1 bis 2 Werktage nach Zahlungseingang. Für Aufträge sollte man – je nach Auftragslage  –  ein bis drei Wochen Herstellungszeit einplanen.

FP: Was machst Du, wenn Du nicht gerade designst und nähst?

TR: Da bin ich Ehefrau und Mama von zwei Jungs (4 und 6) – das dürfte die Frage bereits umfassend beantworten…(lacht)

Mein Mann und ich legen viel Wert auf Selbstgemachtes – auch in der Küche. Kochen, Backen… mein Tag wäre noch zu kurz, wenn er 48 Stunden hätte.

Wenn dennoch Zeit bleibt, nutze ich jede Sekunde, neue Kreativprojekte auszuarbeiten, Schnittmuster zu entwerfen, Stoffeinkauf (wehe, wenn ich losgelassen…).

Die „drum herum“-Arbeiten, die man nicht sieht, ohne die aber Abstraktina-Produkte nicht wären, was sie sind, sind sehr zeitaufwändig und dennoch eine meiner liebsten Arbeitsphasen.

Ich mache so manche Nacht im Atelier durch, das sind die ergebnisreichsten Arbeitsphasen überhaupt. Wenn die Welt still steht und ich in Ruhe arbeiten darf.

FP: Du bist Mama wie bekommst Du arbeiten und Familienalltag unter einen Hut?

TR: Vormittags sind meine Jungs in Kindergarten und Schule, das erlaubt mir, Zeit im Atelier zu verbringen.  Und da mein Mann abends häufig lernt, nutze ich auch diese Stunden zum kreativieren.

Die Zeit, in der meine Kinder daheim sind, ist aber definitiv Atelierpause. Da sind Memory- und Kniffel-Spiele, Lego bauen und Ausflüge angesagt.

Ich nehme aber meine Nähmaschine auch schon mal mit, wenn wir Oma besuchen. Da findet sich immer mal ein Stündchen Zeit, das Schwungrad zu drehen.

FP: Was planst Du zukünftig in Sachen selbstgemachem Design, hast Du Pläne?

TR: Derzeit arbeite ich an den Bestellungen für Weihnachten. Alle Bestellungen und Aufträge bis Ende Oktober werde ich bis Weihnachten ausliefern.

Darüber hinaus werde ich voraussichtlich ab dem nächsten Jahr mit einer Trageberaterin zusammenarbeiten, denn aus einem Baby-Tragetuch lassen sich wunderbar individuelle Erinnerungsstücke an die Tragezeit mit dem Baby herstellen.

Wir sind da noch in der Ideenfindungsphase.

Möglichkeiten gibt es reichlich – unter anderem Geldbeutel mit eingearbeitetem Tragetuch, wie sie auf meiner Facebook-Seite bereits mehrfach zu sehen sind. Ein Kunstwerk oder eine Handtasche aus Tragetuch. Auch ein Lieblingskleid, das zu klein geworden ist oder der Lieblingsmantel, den man zwar seit Jahren nicht mehr trägt, aber auch nicht hergeben möchte, lassen sich wunderbar verwandeln, Stichwort „upcycling“.

Es gibt fast nichts, das ich nicht in ein ansehnliches Einzelstück verwandeln könnte. Das ist ohnehin das Schöne am Künstlerdasein: nicht zu wissen, was hinter der nächsten Ecke an Inspiration, Ideen und Materialien wartet.

Mehr zu Tinas Label und den Produkten auf  www.abstraktina.de. Eine erste kleine Auswahl ist hier zu sehen:

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