Pflege – für ältere Generation ist Bürokratie kaum zu bewältigen!

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So gut wie jeder Deutsche kommt in seinem familiären, beruflichen oder freundschaftlichen Umfeld mit dem Thema „Pflege“ in Berührung. Bekommt man den Stress, den Angehörige von Pflegebedürftigen im Kollegenkreis haben, eher am Rande mit, sieht die Sache sehr viel anders aus, wenn die eigene Mutter, der Opa oder der Onkel pflegebedürftig ist.

Gerade Menschen, die voll im Berufsleben stehen, trifft eine solche Situation mit voller Wucht. Kaum jemand ist heute darauf eingestellt, die Pflege eines Angehörigen, so wie sie sein sollte, zu leisten, die wenigsten Menschen können solche Veränderungen mühelos in ihren Alltag integrieren.

Ganz zu schweigen vom ausufernden Behördenkram, mit denen sich Angehörige pflegebedürftiger Familienmitglieder auseinandersetzen müssen! Pflegestufe, Vorsorgevollmacht, gewährte oder nichtgewährte Kassenleistungen – so manchem, der bis dato nicht verzweifelt ist, stehen  die Haare spätestens dann zu Berge, wenn er sich mit Krankenkassen und staatlichen Stellen – im Zusammenhang der Pflege seiner Angehöragen – auseinandersetzen muss.

Manuela Preuss kennt solche und viele ähnliche Situationen. Mit ihrem Unternehmen steht sie Angehörigen pflegebedürftiger Menschen mit Rat und Tat zur Seite und ist mit ihrem Team für die zu betreuenden Personen tagtäglich im Einsatz.

Die Entlastung der Angehörigen und eine fürsorgliche Betreuung der Pflegebedürftigen sind der Fokus, auf den Preuss mit ihrer Firma socialhelp setzt. Wie der Alltag in einer solchen Branche ausschaut und mit welchen Hürden Angehörige pflegebedürftiger Personen zu kämpfen haben, erzählt die Unternehmerin ausführlich im Interview:

FP: Frau Preuss, Sie haben sich mit Ihrem Unternehmen auf die Betreuung von pflegebedürftigen Menschen und die Entlastung derer Angehörigen spezialisiert – wie kam es dazu?

MP: Ich habe schon immer gern in sozialen Bereichen gearbeitet, und betreute vor über 12 Jahren eine Familie, unterstützte sie im Alltag. Die Neuerung, dass demenzkranke Menschen mit einer Pflegestufe zusätzlich Geld von der Krankenkasse bekamen, weckte den Wunsch in der Frau, dass ich diese Aufgabe noch intensiver bei ihr und ihrem Mann übernehmen möchte.

Daraufhin kümmerte ich mich um die nötigen Qualifikationen und erwarb die Zulassung bei den Kassen.  Von da an hatte ich das gefunden, was mich wirklich glücklich macht. Seit dieser Zeit stehen wir pflegebedürftigen und deren Angehörigen mit Rat und Tat zur Seite.

FP: Vor welchen Herausforderungen stehen Ihre Kunden  und die Angehörigen?

MP: Überforderung,  Unwissenheit und „Hilfe annehmen“.

Oft ist es Überforderung – sie wollen so lange wie möglich alles selbst schaffen. Haben manchmal auch viel zu lange gewartet, bis sich entschließen Hilfe anzunehmen.  Unwissenheit ist ein großes Thema. Solange es keinen Bedarf an Unterstützung gibt, beschäftigt sich natürlich auch niemand damit. Dann sind die Informationen mit einem mal so viel, dass kaum noch jemand den Durchblick hat.

Für die ältere Generation ist die Bürokratie dann meist nicht mehr zu bewältigen.  Vielen ist es unangenehm über die Krankheit des Angehörigen zu sprechen, ist dieser dann auch noch dement, ist  es für viele ein Tabuthema.

Fremde in die eigenen vier Wände lassen und Aufgaben abgeben, welche man ja immer selbst gemacht hat, ist für vor allem ältere Menschen eine Überwindung.

Immer wieder ist es jedoch auch die Zeit, welche die Familien vor eine große Herausforderung stellt. Oft sind Kinder weit weg oder gehen lange arbeiten, haben eine eigene Familie…. Somit bleibt wenig Zeit für die zu pflegenden Angehörigen.

FP: Was belastet Ihre Kundschaft am meisten?

MP: Keiner weiß, was noch kommt – diese Ungewissheit ist Kräfte zehrend. Die Behördengänge und die Antragsflut – mit Antwortschreiben, die nur wenige verstehen. Unstimmigkeiten in den Familien selbst.

Manchmal einfach nur die Tatsache, dass nun zum alltäglichen Stress auch noch die Pflege von Angehörigen hinzukommt. Einige sehen es wirklich als belastende Aufgabe.

FP: Können Sie unseren Leserinnen und Lesern  kurz – oder vielleicht anhand eines Beispiels – schildern, wie Ihre Unterstützung im Alltag, in der Praxis, ausschaut?  

MP: Unsere Arbeit ist immer sehr individuell. Wir schauen, in welchen Bereichen Hilfe benötigt wird und entscheiden dann mit den Angehörigen, wie diese zeitlich und finanziell umgesetzt werden können.

Wir haben Kunden, welche wir einmal im Monat unterstützen und auch welche, wo täglich ein Einsatz stattfindet.  Wir helfen im Haushalt, gehen Einkaufen und sorgen dafür, dass sich unsere Kunden zuhause wohlfühlen, soweit uns dies möglich ist.

Wenn sie jetzt zum Beispiel feststellen, ihr Angehöriger benötigt immer mehr Hilfe, beim Waschen und Anziehen – der Körper will nicht mehr so wie früher – dann helfen wir bei der Beantragung der Pflegestufe.

Beraten die Betroffenen auch, welche Möglichkeiten bestehen, den Alltag so zu gestalten, dass viel Entlastung vorhanden ist. Wir helfen bei weiteren Anträgen und bei der Besorgung von Hilfsmitteln. Dann schauen wir, wie konkret im Haushalt oder bei der Betreuung des zu Pflegenden geholfen werden kann.

FP: Wie reagieren die Senioren, bei und mit denen Ihr Team aktiv wird, auf die neue Situation?

MP: Einige wenige sind sehr offen und wünschen unsere Hilfe direkt. Für die meisten ist es allerdings eine große Herausforderung. Von Skepsis, Angst, Unsicherheit bis Ablehnung kann alles dabei sein. Und das Schöne an unserer Arbeit ist: wir hatten in all den Jahren noch niemanden, der am Ende nicht doch zufrieden war, dass Hilfe und Entlastung angeboten wurde.

FP: Welche konkreten Entlastungen bieten Sie den Angehörigen mit Ihrem Service?

MP: Betreuungsangebote für ältere Menschen selbst – aus den nachfolgenden Angeboten können Sie sich aussuchen, was für Sie wichtig erscheint. Gemeinsam erstellen wir dann eine Offerte, auf die sich unsere Kundschaft verlassen kann. Dazu gehören:

  • Biografiearbeit,
  • Gedächnistraining,
  • Sturzprävention,
  • Gespräche/ Unterhaltung,
  • Alltagsorganisation,
  • Musik und Klangtherapie,
  • Spaziergänge,
  • Trink- und Essübungen,
  • Orientierungstraining,
  • Bewegung,
  • Erhalt der Selbstständigkeit.

Auch bieten wir Entlastungsleistungen für pflegende Angehörige und zwar diese:

  • Unterstützung im Haushalt,
  • Putzhilfe,
  • Hilfe bei Behördengängen,
  • Begleitung zum Arzt,
  • Wäschepflege,
  • Vermeidung von Isolation,
  • Vermeidung von Überforderung,
  • Einkäufe.

FP: Was raten Sie Familien, die die Vermutung haben, dass ein Familienmitglied dement sein könnte?

MP: Es gibt derzeit viele Möglichkeiten, das Wichtigste ist allerdings erst mal, sich selbst einzugestehen, dass der Angehörige an Demenz erkrankt sein könnte. Und dass ich auch bereit bin, darüber zu sprechen und Hilfe anzunehmen. Ansprechpartner sind zum Beispiel der Hausarzt, Neurologen, die Gedächtnisambulanz, Pflegedienste, die eigene Krankenkasse und auch wir.

Nach einer genauen Diagnose gibt es dann mehrere Varianten der Betreuung und Unterstützung – diese sind ganz individuell für jede Familie zu gestalten.

FP: Hätten Sie in der Gesundheitspolitik was zu sagen – was würden Sie verändern oder angehen?

MP: Ich würde mir erst mal wünschen, dass – bevor wieder neue Gesetze gemacht werden – die Entscheider eine Zeit direkt vor Ort verbringen und sehen, wie der Alltag wirklich aussieht. Sich in die Situation eines pflegenden Angehörigen begibt und mal hautnah erlebt, was es bedeutet, 24 Stunden täglich zu pflegen.

Vielleicht wäre es ja dann möglich, an der Bürokratie etwas zu ändern oder Gesetze so zu gestalten, dass diese auch hilfreich und verständlich sind.

FP: Sicher haben Sie tagtäglich einen ausgefüllten Arbeitstag. Wie entspannen Sie privat – gibt es Hobbies?

MP: Ich gehe regelmäßig laufen, schwimmen und sehr gern wandern. Die nötige Zeit nehme ich mir auch ganz bewusst.

Ich treffe mich mit lieben Freunden und genieße meine Zeit im Garten.  Das gibt mir immer wieder die nötige Kraft, auch für meine Arbeit fit zu sein.

Keinem ist geholfen, wenn ich mich bis zur Erschöpfung verausgabe und irgendwann nicht mehr kann. Eine ausgeglichene Balance zwischen allen Bereichen ist am Ende ein Gewinn für alle.

FP: Was steht demnächst in Ihrem Unternehmen an – gibt es neue Projekte? Wenn ja – welche?

MP: Konkrete Projekte gibt es noch keine. Wir möchten allerdings weiterhin unser bestehendes Projekt, die Zusammenarbeit mit dem Pflegedienst der Volkssolidarität, ausbauen. Schwester Sylke und ihr Team übernehmen die pflegerischen Aufgaben und wir unterstützen ergänzend im Betreuungs- und Entlastungsbereich.

Diese Kooperation funktioniert so gut, dass ich sehr dankbar für die Zusammenarbeit bin.

Website: www.social-help.net

Bildnachweis: Uwe Schürmann

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