„Wir beobachten mit Sorge, wie Berlinerisch zunehmend verdrängt wird“

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maxi_curly „Verfatz da!“- zwei Worte, deren Bedeutung nicht überall in Deutschland gleich erfasst wird. Es steht für „zieh Leine“ oder „hau ab!“ und wird eben im urberlinerischen Dialekt genau SO ausgesprochen.

Dass genau dieser Dialekt nicht ausstirbt und noch lange erhalten bleibt – dafür tun zwei engagierte Berliner Frauen ziemlich viel. Sie drucken nämlich witzige Sprüche, die für die bekannte „Berliner Schnauze“ stehen, auf Shirts, Pullover, Beutel und Kosmetiktaschen.  „Von nischt kommt nischt“ ist da beispielsweise zu lesen oder auch „Dit is mir schnurz piep ejal!“.

Das alles läuft unter dem Label Spreeklamotte Berlin. Für die beiden Inhaberinnen der Marke – Curly und Maxie – ist das kein völliges Neuland. Beide Frauen (siehe Bild) sind bereits mit der Modemarke 3Elfen in der Hauptstadt etabliert.

Dass sie sich nun auch frechen Sprüchen auf Textil widmen, hat mit ihrer Verbundenheit zu Berlin zu tun – und der Liebe zum dortigen Dialekt.

Wir haben die beiden rührigen Unternehmerinnen – beide 36 Jahre jung – interviewt.

Lesen Sie mehr über die Intention der beiden, erfahren Sie, wodurch sich ihre Liebe zu ihrer Heimatstadt speist und erleben Sie Einblicke in ihren Arbeitsalltag. Bitte beachten Sie zudem das Gewinnspiel am Ende des Interviews – Sie können Teile aus der Kollektion von Spreeklamotte gewinnen!  

FP: Ihr beide seid mit dem Modelabel  3Elfen schon geraume Zeit in Berlin etabliert – nun habt ihr mit Spreeklamotte ein neues Label konzipiert. Wie kam es dazu?

Wir sind beide Urberlinerinnen und quatschen auch dem entsprechend mit großer Kodderschnauze. Wir lieben unseren Dialekt und beobachten mit Sorge, wie das Berlinerisch zunehmend verdrängt wird. Und da war die Idee geboren.

Denn wir waren auch auf der Suche nach einem neuen Produkt, das ein breiteres Publikum anspricht. Das Sortiment von Spreeklamotte umfasst auch Männerklamotten, das hatten wir schon sehr lange im Sinn. Naja, und dann ist es aus designerischer Sicht ganz erfrischend, mal was ohne Elfen zu machen….!

FP: Dialekte gibt es viele in Deutschland, aber längst nicht jede Mundart hat eine starke überregionale Bekanntheit.  Die „Berliner Schnauze“ indes hat davon mehr als genug – eigentlich kennt sie jeder. Es soll darunter aber auch Leute geben, die diesen Sprech als „eingebildet“ oder gar „prollig“ bezeichnen. Welches Attribut würdet ihr der „Hauptstadtschnauze“ zuordnen?

Wir finden den Dialekt frech und spritzig. Deshalb ist er vielleicht auch außerhalb von Berlin so erfolgreich.

FP: Werden Dialekte in Zeiten von Denglisch und einer steten Internationalisierung der Sprache überhaupt überleben – was meint ihr?

Es ist ja ein Naturgesetz, dass sich immer alles verändert. Da sind die Dialekte bestimmt nicht von befreit. Und das Berlinerisch hat es dazu bestimmt noch schwerer, weil diese wunderbare Stadt so beliebt und bereist ist und dadurch einen noch schnelleren Wandel vollzieht, als es vielleicht ländliche Regionen tun. Aber wir werden uns mit Händen und Füßen dagegen wehren.

FP: Welche berlinerischen Redensarten schaffen es auf eure Shirts, Beutel und Taschen? Wonach wählt ihr aus?

Vor allem freche Sprüche wie „Dit is mir schnurz piep ejal“ oder „Mensch, verfatz da!“ mögen wir sehr.

Gern kann es auch etwas derber sein wie „Dir könnt ick stundenlang in die Fresse haun.“ Und Schlagworte, die gut personifizieren wie “Flitzpiepe“ oder „Göre“ schaffen es auf unsere Shirts. Wir nehmen aber auch aktuelle Sprachentwicklungen ins Visier, die gar nicht so berlinerisch sind. Mit „Meganice“ wollen wir den neuen „mega“- Trend ein wenig auf die Spitze treiben.

FP: Ihr seid beide gebürtige Berlinerinnen – wie schwer fällt es euch, hochdeutsch zu sprechen?

Es bedarf schon einiger Mühe hochdeutsch zu sprechen. Aber mit ein bisschen Übung geht das schon. Aber wir geben ehrlich zu: Lust haben wir darauf nicht … und es gibt kaum Situationen, wo es besonders angebracht wäre.

FP: Mancher Dialekt – zum Beispiel sächsisch  – wird oft (zu Unrecht, wie wir finden) als „unbeliebt“ eingestuft. Welche Reaktionen auf den Berliner Dialekt habt ihr schon erlebt?

Eigentlich durchweg positive. Die Leute freuen sich immer, wenn sie berlinerisch hören. Aber wir denken, es ist nicht nur der Dialekt sondern auch die offene und ungezwungene Art, die der Berliner so mit sich bringt. Das kommt meist gut an.

FP: Im Gegensatz zu tiefstem Bayern-Dialekt, an dem Nicht-Bayern schon manches Mal verzweifelten, versteht man berlinerisch auch als Nicht-Berliner gut. Gibt es dennoch Wörter oder Wortschöpfungen, die außerhalb Berlins ein verständnisloses „Wie bitte?“ hervorrufen? Welche?

Wir waren erst vor kurzem auf einem Designmarkt in Jena und da wurden wir gefragt, was „verfatz da“ heißt. Also gibt es das schon. Ich denke mit „Piesepampel“ kann ein Bayer auch nicht allzu viel anfangen.

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FP: Wie eingangs schon erwähnt, habt ihr aktuell zwei Modelabels – 3Elfen und Spreeklamotte (im Bild ein T-Shirt aus der Spreeklamotte-Kollektion). Wie gestaltet sich der geschäftliche Ablauf,  wie groß ist euer Team, wie arbeitet ihr?

Wir beschäftigen drei feste Mitarbeiter und eine Praktikantin im Betrieb. Dazu haben wir noch einen kleinen Pool an Freiberuflern für die verschiedensten Dinge. Der Ablauf hat sich durch Spreeklamotte nicht groß geändert. Das Bedrucken der Textilien, Verpacken und Versand geht aus gleicher Hand. Nur das es natürlich mehr Arbeit geworden ist. Wir kümmern uns um Produktion, Rechnungsstellung, Kommunikation, Marketing und Design. Unsere Mitarbeiter nähen größtenteils.

Wir produzieren in Berlin Friedrichshain inzwischen auf 100m², was Atelier, Büro und Showroom umfasst.

Aktuell habt ihr eine Crowdfunding-Kampagne laufen – was ist das Ziel dieser Kampagne, worum geht es in diesem Projekt?

All unseren Kreationen wohnt eine ähnliche Farbgebung inne. Wir tauften es „dunkelbunt“, wenn kräftige Farben aus einem Meer aus schwarz aufleuchten, eine unvergleichliche Blütenpracht die Nacht erhellt.

Daran haben wir unser Herz verloren und das ist zu unserem kleinen Markenzeichen geworden. Inzwischen haben wir so genaue Vorstellungen von unseren Stoffdesigns, dass es zunehmend frustrierender wird, diese im Stoffgroßhandel nicht zu finden.

Deshalb möchten wir das Geld in die Entwicklung eigener Stoffdesigns investieren. Die Kampagne ist hier zu finden: https://www.startnext.com/elfen.

FP:  Beschreibt doch mal einen typischen Arbeitstag von euch!

Wir treffen uns meist früh in der Firma, instruieren unsere Mitarbeiter und arbeiten die Bestellungen ab. Also Klamotten bedrucken, verpacken und verschicken. Nebenbei macht man alles andere, Emails schreiben, Material bestellen, die Firma in Ordnung halten und viele Probleme lösen. Darüber hinaus machen wir auch viel zu Hause am Rechner.

Das ist dann vor allem die Pflege des Online Shops und der ganzen Online Portale, was Curlys Aufgabe ist und Maxie kümmert sich um die Erstellung von Designs, Grafiken und Texten.

FP: Was macht ihr jeweils privat, wenn ihr nicht arbeitet?

Curly hat zwei Kinder, da ist in der Freizeit natürlich Familie angesagt. Maxie kümmert sich derweil um ihren Freund und trifft sich gern mit Freunden, um die Stadt unsicher zu machen. Um einen Ausgleich zur Arbeit zu schaffen, fahren wir auch gern übers Wochenende weg.

Reisen war schon immer ein großes Thema, allerdings erlaubt die mangelnde Zeit keine großen Fernreisen mehr. Deshalb werden vorerst nahe Ziele erkundet.

FP: Wie bringt ihr Familienleben  und Arbeit unter einen Hut?

Das geht natürlich nur mit der tatkräftigen Unterstützung unserer Partner.

Und man muss auch sagen, dass das selbstständige Arbeiten den Vorteil hat, sich die Zeit selbst einteilen zu können. Wenn also im Kindergarten eine wichtige Veranstaltung ist, dann kann man die auf jeden Fall wahrnehmen. Da hat man als Angestellter schon größere Probleme.

FP: Was ist für die Zukunft geplant – könnt ihr schon Pläne verraten? 

Wir wollen natürlich weiter wachsen und für unsere Mitarbeiter und Praktikantin irgendwann volle Stellen schaffen. In ferner Zukunft liebäugeln wir mit einem weiteren Label für Männer und Kinderklamotten möchten wir auch gern machen. Aber das ist noch Zukunftsmusik.

Im Moment stecken wir all unsere Energie in den Ausbau und die Bekanntmachung von Spreeklamotte.

+++ Gewinnspiel: FRAUENPANORAMA.de-Leserinnen und Leser können jeweils 3 Turnbeutel und 3 Jutebeutel je Marke (3Elfen und Spreeklamotte Berlin) gewinnen. +++ Schicken Sie dazu einfach Ihren Lieblingsspruch von Spreeklamotte Berlin an  info@3Elfen.de. Das Gewinnspiel läuft bis 28. November 2016, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Weitere Informationen finden Sie unter www.3Elfen.de und www.spreeklamotte.de

Bildnachweis / Copyright: Spreeklamotte Berlin.

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