VOX-Auswanderer: Jede Menge Spott für Luxus-Selbstfindung mit Realitätsschock

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Auswanderer

Beendeten ihre geplante Weltreise: Familie Pallauf aus Bayern.

Ein schönes Haus, ein Erbe, eine tolle Familie und keine finanziellen Probleme: Wer so leben kann, sollte rundum zufrieden sein. Denkt man. Aber bekanntlich sind es viele Leute, die auf der Sonnenseite des Lebens gelandet sind, doch nicht. Familie Pallauf aus Bayern beispielsweise wollte nur noch weg. Die von VOX in der Kultserie „Goodbye Deutschland! Die Auswanderer“ porträtierte Familie hatte den großen Wunsch auf Weltreise zu gehen.

Und das für ein paar Jahre bzw. – wie es auf der Website von tvnow heißt – für immer. Auch in der Doku bleibt das „Wie lange“ widersprüchlich, ist mal von ein paar Jahren und dann wieder von „für immer“ die Rede.

Der Hintergrund: Ein Todesfall in der Familie, neidische Nachbarn und die große Sehnsucht nach Selbstfindung trieb das gut situierte Pärchen dazu, seine Weltreise zu planen. Begleitet und dokumentiert vom VOX-Kamerateam für die Auswanderer-Doku.

VOX-Auswanderer wollten mit Kindern auf Weltreise gehen

Mit zwei kleinen Kindern, eines davon kurz vor dem „Lauflern-Stadium“, machte sich das Paar dann auch auf den Weg. Mit dem zuvor erworbenen Luxus-Wohnmobil ging es Richtung USA und weiter nach Mexiko.

Schon zu Beginn der Reise wird klar, dass die kleinere der zwei Töchter der Pallaufs ein Problem mit dem Fahren hat. Das Mädchen ist stets unruhig, weint und muss fast durchweg von Mama im Arm beruhigend geschaukelt werden. Schnell jedoch sind diese Strapazen vergessen, wenn das Paar sein Komfort-Ungetüm auf Rädern mitten in einer wüstenartigen Karglandschaft in Amerika parkt und die unendliche Weite der Natur genießt.

Dieses Erlebnis mag faszinierend sein, lässt aber doch schon bei dem einen oder anderen Fernsehzuschauer Zweifel aufkommen, ob es wirklich die beste Idee ist, mit zwei kleinen Kindern inmitten so einer Location die Nacht zu verbringen? Leichtsinnig oder abenteuerhaft, das ist hier die Frage! Es hat den Eindruck, dass das Paar aus Bayern bedenkenlos in seine Reise hineinlebt und wahrscheinlich davon ausgeht, dass alle Mensch gleich gut sind oder/und es schon gutgehen wird. Vor der Reise betonten sie zudem vor der Kamera, dass auch negative Erfahrungen etwas bringen.

Irritierend auch, dass die beiden, Suse und Max, im Laufe der Sendung barmen, dass ja doch irgendwie so viel Zeit für die beiden Kinder draufgeht und es deshalb mit der Selbstfindung hapert. Hier schüttelt man als TV-Zuschauer nur noch mit dem Kopf und kann kaum fassen, dass das Paar offenbar davon ausgegangen ist, mit zwei kleinen Kindern den großen Selbstfindungstrip zelebrieren zu können!

Ratschlag von Einheimischen zählte nicht!

Ebenso fassungslos ist man, wenn man sieht, wie die Familie in Mexiko agierte. Locker-fröhlich sagen sie in die Kamera, die im Hintergrund das Luxuswohnmobil auf einem von Regenmassen überschwemmten Stellplatz zeigt, dass man sie vor dem vielen Regen gewarnt hat, sie aber nicht damit gerechnet haben, dass es so schlimm kommt. Da schimmert sie wieder durch, die deutsche Überheblichkeit so vieler Landsleute, die meinen, die Weisheit mit dem Löffel gegessen zu haben. Und es vielleicht ja besser wissen, als jeder Einheimische…

An dieser Stelle war es dann aber doch der Realitätsschock, der das Paar einsehen ließ, dass die Idee mit der mehrjährigen (Für-Immer)Weltreise eine Schnapsidee war. Zumal es in Mexiko ja auch kein glutenfreies Mehl gibt, wie Mama Suse monierte. Tja, eben noch fast verächtlich kundgetan, dass man nicht glaubt, je wieder nach Deutschland zurückzukehren, ist dann auf einmal die verschmähte Heimat der rettende Anker. Glutenfreies Angebot inklusive.

Dass ein solches Unterfangen verschiedene Reaktionen auslöst, ist klar. Zumal die Sendung ja sowieso Millionen TV-Zuschauer erreicht. Auf der Facebook-Seite der Doku „Goodbye Deutschland! Die Auswanderer“ fand sich denn auch viel Spott für das etwas naive Paar, dem zur Selbstfindung weder die herrliche Natur der Ostsee noch die grüne Weite des deutschen Harzes genügte. Und das das ganz große Rad drehen wollte.

Viel Spott auf VOX-Auswanderer Facebook-Seite

Eine Cornelia schreibt beispielsweise (Rechtschreibung bei allen Zitaten im Original):

„Ich habe für solch eine „Inszenierung“ echt kein Verständnis🤦‍♀️-Kohle hin oder her…warum macht man sowas nicht erstmal im „kleineren Rahmen“ durch Europa mit `nem Womo?! Da bekommt man für 80.000-100.000tsd sicher schon ein schickes Teil auf 4 Rädern…😏…von den genervten Kindern will ich garnicht erst anfangen-die Große war ja wohl von der ganzen Unternehmung auch nicht so begeistert, nachdem sie gefragt wurde🙄…ich denke da ist der finanzielle Wohlstand der Eltern doch ein bisschen zu Kopf gestiegen😏….nachdem man eigentlich schon alles erreicht hat im Leben…also vor der nächsten „großen“Tour evtl erstmal in Ruhe planen UND überlegen was alles mit 2 kleine Kindern auf einen zukommen kann…hofftl hat man daraus gelernt😏…achja-die Sendung heißt „Goodbye Deutschland“ und spricht eigentlich Leute an die auswandern….in diesem Sinne 😉😊“

Hämisch auch der Kommentar einer Ronja:

„Wir wollen nie wieder zurück!“ Drei Monate später: „Ach Mist, es regnet, ich kann nicht backen und nicht shoppen gehen. Lass uns zurück nach D fahren!“

Ein Peter schreibt nicht minder spöttisch:

„Möchtergern Weltenbummler. Erstes Problem und gleich heim. Und nur weil man von Los Angeles nach Mexico reist, ist man noch lange kein Weltreisender. Selbstinszenierung im Quadrat.“

Last but not least bringt es Kommentatorin Magdalena auf den Punkt:

„Vielleicht hätten sie erstmal ne Deutschlandtour machen sollen, auch da wären sie schon auf unfassbar kulturelle Unterschiede gestoßen außerhalb ihres bayerischen Idylls.“

Das letzte Zitat fasst tatsächlich alles zusammen, was man dem bayerischen Paar – und auch anderen Eltern, die mit Kleinkind oder gar Säugling ferne Kontinente bereisen wollen, vorzugsweise in der Elternzeit – gern vorher gesagt hätte.

Mit kleinen Kindern lieber in der Heimat bleiben

Nämlich, dass es ratsam wäre, zunächst mal über ein verlängertes Wochenende mit einem geliehenen (!) Wohnmobil in Deutschland herumzufahren und zu schauen, wie die Kinder darauf reagieren. Dass es Irrsinn ist, mit so kleinen Kindern auch an Orte zu reisen, in denen man im Krankheitsfall (vor allem, wenn die Kinder krank werden) wohl kaum den deutschen medizinischen Standard erhält, den die Bürger hierzulande gewohnt sind. Zudem brauchen Kinder in dem Alter eine Struktur, einen Alltag, der mit Regelmäßigkeit einhergeht. Ständig die Orte zu wechseln, kann auch ziemlich problematisch für die kleinen Erdenbürger sein, was ja in der Doku von Mama Suse auch angesprochen wurde.

Und man hätte den beiden nur zu gerne passende Orte innerhalb Deutschlands empfohlen, die sich nicht minder dazu eignen, neue Eindrücke zu sammeln. Zudem hätte man ihnen auch gesagt, dass sie das Thema Selbstfindung mal doch noch um ein paar Jahre verschieben sollten. Es soll Leute ja geben, die machen solche Trips, wenn der Nachwuchs aus dem Haus ist…!

Bildnachweis: Foto: TVNOW / Flamingo Pictures

 

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