„Wir Frauen in Deutschland haben jeden Tag Silvester“

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Sie machte ihrer Angst und Besorgnis über die ausufernde Gewalt in Deutschland per Video Luft und hat – zumindest in den sozialen Netzwerken – ein kleines digitales Erdbeben ausgelöst: Mona Maja alias Iris Swoboda. Emotional und persönlich stellte sich die Frau aus dem Ruhrpott – aus Bottrop – vor die Kamera und erzählte, was die aktuelle Situation in Deutschland, wo Frauen nahezu täglich  begrapscht, überfallen oder vergewaltigt und selbst Männer brutalst angegriffen werden, mit ihr macht.

Seit #kölnhbf treffen Frauen in Deutschland Sicherheitsmaßnahmen für „draußen“

Sie berichtete von den Maßnahmen, die sie trifft, bevor sie aus dem Haus geht und von ihren Überlegungen, wo sie im Alltag als Frau überhaupt noch hingehen kann, ohne Angst um Leib oder Leben haben zu müssen.

Noch vor Jahren wäre eine solche Botschaft in unserem Land unvorstellbar gewesen – kannte man solche Ängste doch eher von Frauen aus Gewalthochburgen wie Johannesburg oder Chicago.

Doch seit 2015 ist alles anders – mit der Zuwanderung kam auch eine hochgradig aggressiv-verrohte Gewalt in unser Land. Eine Gewalt, die man so vorher nicht kannte. Schon gar nicht in der Schlagzahl, wie sie passiert und zudem an Fahrt aufnimmt.

Waren „früher“ brutalste Verbrechen tatsächlich Einzelfälle, die man in Sendungen á la „XY…ungelöst“ besprach, könnte man diese Kriminalsendung heute in Dauerschleife laufen lassen. Köln, Würzburg, Hamburg, Berlin, Leipzig, Freiburg, Kandel, Dresden und Würzburg – um nur einige Orte zu nennen – sind der Beweis dafür. Doch statt auf die um sich greifende Gewaltwelle zu reagieren, beschwichtigen die verantwortlichen Politiker, führen absurde Kriminalstatistiken und noch absurdere „Experten“ ins Feld.

Kritiker und Leute, die hierzu den Mund aufmachen, werden diffamiert, verhöhnt und in die rechte Ecke gestellt, die Nazi-Keule ist immer parat. Doch langsam, aber sicher nutzt sie sich ab. Immer mehr Menschen – allen voran mutige Frauen – verbitten es sich, als ein Nazi dargestellt zu werden, nur weil sie die untragbaren Zustände in unserem Land thematisieren und kritisieren.

Mona Maja scheint hier mit ihrem Video, das sie öffentlich postete, einen Funken gezündet zu haben, der aktuell auf unzählige Frauen überspringt. Mit ihrer geplanten Demo bringt die Initiatorin aus dem Pott gerade einen Stein ins Rollen, der selbst ausländische Medien auf den Plan ruft.

Im Interview mit der Initiatorin von „Mütter gegen Gewalt“

Wir haben mit Mona Maja über ihre geplante Demo „Mütter gegen Gewalt“, am 4. März 2018 in Bottrop, gesprochen.

FP: Mona, Dein emotionales Video – in dem Du die aktuelle Gewalt gegen Frauen beklagst und auch über Deine Ängste sprichst – haben unzählige Menschen in den sozialen Netzwerken gesehen. Wie kam es dazu?

MM: Ein erstes richtig schlechtes Gefühl habe ich 2015 bekommen, als es an Silvester die massenhaften Übergriffe auf Frauen am Kölner Hauptbahnhof gab. Ich habe die Ereignisse verfolgt und fragte mich, warum die etablierten Medien erst nach Tagen darüber berichtet haben? Zudem kamen mir damals in der Berichterstattung die anderen Städte zu kurz – in denen es ja auch Übergriffe gab. „Das kann doch nicht wahr sein!“- dachte ich mir immer wieder.

Auch registrierte ich, dass es nach #kölnhbf keinerlei Konsequenzen gab – weder politisch noch medial, das ist dann wieder einfach so untergegangen.

Das zweite Mal, als mich erneut ein schlechtes Gefühl ergriff, war an einem Sonntag, im Frühjahr 2017. Im WDR wurde in der Sendung „Aktuelle Stunde“ über ein Verbrechen an einem Pärchen auf einem Campingplatz in Bonn berichtet. Die Frau wurde im Beisein ihres Partners, der zudem von dem Täter bedroht wurde, vergewaltigt. Man sprach von einem dunkelhäutigen Täter, der aber derzeit noch auf der Flucht sei.

Nun muss man wissen, dass ich jahrzehntelang Abonnentin der Tageszeitung WAZ war und wie selbstverständlich davon ausging, dass diese Zeitung, deren Berichterstattung ich stets vertraut habe, auch sofort über dieses Verbrechen berichtet. Dem war aber nicht so. Erst Tage später erschien hierüber ein Artikel – und da hatte man die Nationalität des Täters einfach weggelassen.

Abo bei WAZ gekündigt

Ich habe daraufhin mein Abo bei der WAZ gekündigt.

FP: War die Demo gegen Gewalt, um die es in dem Video geht, ein spontaner Gedanke oder hat sich da etwas in Dir aufgestaut?

MM: Je mehr ich über Frauengewalt erfuhr, desto mehr machte das etwas mit mir. Ich bin dann irgendwann auf Facebook gegangen und habe mich auch in alternativen Medien informiert. Dort las ich so viel über die aktuelle Gewalt an Frauen, dass mich das unglaublich beschäftigt hat. Ich hab den Schmerz der Opfer geradezu in mir gefühlt, ich habe mich gefragt, wie wohl die Opfer jetzt weiterleben? Mich hat das häufig Tag und Nacht beschäftigt.

Dann kam Kandel und dieses Verbrechen zeigte mir, dass auch solche Zugewanderte zu Mördern werden können, die eigentlich  als gut integriert galten.

Meine Sorge um meine Familie – vor allem um meine Enkel – wuchs stetig. Ich wollte und konnte das nicht mehr hinnehmen und ich sagte mir, dass ich was tun muss, um später in den Spiegel schauen und mir sagen zu können: „Du hast was getan – Du hast damals nicht geschwiegen!“

Das war der Grund für den Beginn meines Engagements gegen die aktuelle Gewalt. Als nächstes kam dann der Gedanke, hierzu eine Demo zu machen, hier in Bottrop. Das ist meine Heimatstadt und hier soll diese Demonstration auch stattfinden.

Emotionales Video hat Hunderttausende bewegt

All das hat dann dazu geführt, dass ich dieses Video veröffentlicht habe.  Ich hätte niemals gedacht, dass sich das Video so unglaublich verbreitet, dass es so angenommen wird! Das Video ist ein Erfolg, aber: es ist traurig, dass es ein Erfolg ist, das muss ganz klar gesagt werden! Die Botschaft wurde bis heute um die 400.000 Mal geklickt und unzählige Male geteilt.

FP: Am 4. März 2018 soll die Demonstration unter dem Motto: „Mütter gegen Gewalt“ in Bottrop starten (siehe Infos am Ende des Artikels!). Seit Deinem Aufruf melden sich Frauen über Frauen bei Dir, was berichten Dir diese Frauen?

MM: Mich kontaktieren derzeit sehr viele Frauen und erzählen mir ihre Geschichte, ihre Erfahrungen. Eine Frau hat eine Gruppenvergewaltigung bei der Polizei angezeigt. Die Beamten gaben ihr zu verstehen, dass sie – weil die Täter Mitglieder eines Clans sind – womöglich nicht mehr lange zu leben hat, wenn sie das Verbrechen konsequent juristisch ahnden lässt.

Eine andere Frau wurde von einem nordafrikanischen Taxifahrer vergewaltigt.

Wieder eine andere Frau, die derzeit arbeitslos ist, erzählte mir, dass sie gern eine Arbeitsstelle antreten würde. Bedingt durch den Schichtdienst, die aber dieser Job mit sich bringen würde, wäre sie gezwungen, frühmorgens und spät in der Nacht noch an Bahnhöfen zu stehen, um mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren. Sie wohnt in einer Gegend, in der die Gewalt in den letzten zwei Jahren immens gestiegen ist. Deshalb hat sie Angst und diese Angst lähmt sie und macht es ihr unmöglich, diese Arbeit anzunehmen.

„Täglich Silvester“

All das zeigt doch: für uns Frauen hier in Deutschland ist jeden Tag Silvester!

FP: Derzeit ist es gar nicht so leicht, sich öffentlich über bestimmte Themen, die auch politisch sind, zu äußern. Welche Erfahrungen hast Du gemacht?

MM: Nun – ich werde aufgrund meines Videos und meines Engagements auf Facebook ständig gesperrt.  Das hat es mir teilweise auch unmöglich gemacht, Frauen, die unserer Gruppe „Mütter gegen Gewalt“ beitreten wollen, den Beitritt freizugeben.

FP: Angenommen, Du hättest ab morgen das Amt der Kanzlerin inne – was wären Deine ersten Maßnahmen, um die Gewalt gegen Frauen einzudämmen?

MM: Ich würde als allererstes zum Volk sprechen. Ich würde die Botschaft vermitteln wollen, dass ich stolz wäre, Kanzlerin dieses Volkes zu sein. Eines Volkes, bei dem ein jeder Bürger seinen Teil für den Wohlstand des Landes leistet. Ich würde zudem signalisieren, dass ich alles dafür tun werden, dass die Frauen in Deutschland frei leben können – dieses Versprechen würde ich den Bürgerinnen geben!

Auch würde ich betonen, dass es selbstverständlich ist, dass Deutschland seinen humanitären Pflichten nachkommt. Ich würde allerdings diese humanitären Pflichten nicht damit verwechseln, ein Volk zu zerstören. Außerdem würde ich zu den hier lebenden, friedlichen Muslimen sprechen und übermitteln, dass ich erwarte, dass sie die Gleichstellung von Frau und Mann leben. Auch würde ich mein Volk wissen lassen, dass ich weiß, dass ich mich nur auf ein zufriedenes Volk verlassen kann.

„Deutsche Schuld beglichen“

Ich würde auch in Sachen Auslandseinsätze der Bundeswehr Transparenz zeigen und diese den Bürgerinnen und Bürgern übermitteln.

Zudem würde ich auf die schwere Vergangenheit unseres Landes verweisen und darauf, dass Deutschland selbstverständlich dazu steht. Ich würde aber die deutsche Schuld ab heute als für beglichen erklären, so dass dieses Thema das Volk nicht weiter spaltet.

FP: Ihr nennt euch: „Mütter gegen Gewalt“ – aber wendet euch an alle Frauen – oder? Zumal Du ja in Deiner Botschaft auch Männer und Kinder mit einbeziehst, gegen die sich aktuell viel Gewalt richtet.

MM: Natürlich! Jeder der sich angesprochen fühlt, kann und soll kommen. Außerdem: wir alle kommen aus einer Mutter, das haben nun mal alle Menschen auf der Welt gemeinsam. Und so ist ein jeder, der sich von unserem Motto – „Mütter gegen Gewalt“ – angesprochen fühlt, eingeladen, sich uns anzuschließen.

Zumal unsere Demo auch als eine Art Schulung gegen die Nazikeule anzusehen ist. Wir haben bereits viele Argumente erarbeitet, die man Menschen, die die berechtigte Kritik an den Zuständen im Land mit der berüchtigten Nazikeule kontern, entgegensetzen kann. Das ist wichtig und es ist lange schon an der Zeit, dass diese Argumente auch eingesetzt werden. Sie sind sozusagen das Rüstzeug gegen die Nazikeule.

FP: Aktuell gibt es – aufgrund der fragilen Sicherheitslage im Land – diverse Demos und Aktionen bundesweit. Denkst Du, dass diese Proteste Wirkung zeigen?

MM: Ja!

FP: Gibt es schon eine Tendenz, wie viele Frauen teilnehmen werden?

MM: Wenn alle kommen, die bis jetzt zugesagt haben, dann wird es voll!

Kopftuch – wie es unsere Großmütter trugen

FP: Hat es eine Bewandtnis, dass Du in Deiner Videobotschaft ein Kopftuch trägst?

MM: Ja, das hat es. Das Kopftuch, wie ich es im Video trage, wurde so seinerzeit auch von unseren Müttern und Großmüttern getragen, die nach dem Krieg – als es an allem mangelte und der Alltag mehr als hart war – unser Land wieder aufgebaut haben. Diese tapferen Frauen, die als Trümmerfrauen in die Nachkriegsgeschichte eingegangen sind, haben doch damals, in dem Elend, die „Bude gerockt“, haben nach vorn geschaut und mit ihren bloßen Händen mit dem Wiederaufbau der zerstörten Städte begonnen.

Das freie Leben, das wir heute führen – und auch zukünftig zu führen gedenken – das haben wir diesen engagierten Trümmerfrauen zu verdanken. Sie trugen damals das Kopftuch so, wie ich es in meinem Video trage. Und sie haben sich die Freiheit und Würde nicht nehmen lassen – trotz des ganzen Elends nach dem Krieg. Insofern sehe ich diese Art des Kopftuch Tragens als ein Symbol für die Freiheit und den damit verbundenen Kampf, sich diese Freiheit nicht nehmen zu lassen – egal, wie bitter die Umstände auch sein mögen!

Deshalb würde ich mir wünschen, dass viele Frauen, die zu unserer Demo kommen, so ein Kopftuch tragen.

FP: Sicherlich ist es eine große Herausforderung, eine solche Aktion, wie ihr sie gestaltet, zu stemmen – finanziell und personell. Gibt es etwas, was ihr vielleicht noch via Sponsoring benötigt? Vielleicht gibt es ja in unserer Leserschaft Unterstützer!

MM: Durchaus! Ich würde mich freuen, wenn es vielleicht jemanden gibt – einen Sponsor – der uns die oben genannten Kopftücher zur Verfügung stellt. Wir könnten sie dann auf der Demo verteilen und den Frauen im Anschluss mitgeben. Oder auch Stoffbeutel mit dem Aufdruck „Mütter gegen Gewalt“ sind gefragt – das müssen ja nicht Unmengen sein! Wir freuen uns auch schon über eine kleine Stückzahl – das gilt ebenso für die Kopftücher (die wir uns in eher gedeckten Farben vorstellen).

FP: Aktuell ist ja euer ganzes Tun auf den 4. März ausgerichtet. Gibt es dennoch schon Überlegungen, wie es nach der Demo weitergehen soll?

MM: Ja, die gibt es! Die Demonstration am 4. März 2018 soll nicht die einzige und letzte sein. Als Symbol für unser Anliegen haben wir zudem ein Licht der Hoffnung konzipiert – in Form einer Grubenlampe, da wir ja aus dem Pott sind. Es soll symbolisch weitergegeben werden und: wir werden solange auf die Straße gehen, bis Frauen sich hierzulande wieder unbeschwert und frei bewegen können!

Informationen zur geplanten Demonstration:

Mütter gegen Gewalt

Datum: 04. März 2018

Treffpunkt / Uhrzeit / Ort:

14.00 Uhr, Cyriakuskirche Bottrop,  Hochstraße, 46236 Bottrop

Bildnachweis: Mona Maja

 

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